Hundekot gefährde auf Äckern wachsende Lebensmittel

Landwirte in großer Sorge um Qualität ihrer Feldfrüchte

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Landwirt Werner Gaubatz hat mit Genehmigung der Stadt Schilder aufgestellt, um auf das Hundekotproblem aufmerksam zu machen. Er hat den Eindruck, dies habe manche Hundebesitzer geradezu angestachelt, munter weiter zu machen nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“

Rödermark/Rodgau - Landwirte in Rödermark und Rodgau sind in großer Sorge um die Qualität ihrer Feldfrüchte. Hundekot gefährde die Reinheit der auf Äckern wachsenden Lebensmittel. Ordnungsämter und Naturschutzbehörden sollten den Leinenzwang schärfer kontrollieren. Von Bernhard Pelka 

Das forderten Bauern und Jagdpächter bei einem Krisentreffen in Ober-Roden. Landwirte in Rödermark und Rodgau fürchten, dass die Hinterlassenschaften von frei laufenden Hunden auf den Feldern beim Mähen die Ernte verunreinigen. Noch schlimmer: Wegen eines in Hundekot möglichen Krankheitserregers werde die Ernte gesundheitsschädlich. Über die Nahrungskette könne der Parasit Neospora caninum ins Rinderfutter gelangen – mit fatalen Folgen. Betroffen sein könnten auch Schafe, Pferde, Ziegen. Der Parasit befällt Organe und infiziert Kälber im Mutterleib. Es kommt zu Totgeburten.

Das Risiko der Übertragung Hund/Rind sei zwar gering, heißt es zumindest in vielen Beiträgen im Internet. Die Landwirte fühlen sich mit ihren Sorgen aber grundsätzlich nicht ernst genommen. Im Gegenteil. „Viele Hundebesitzer reagieren aggressiv, wenn wir sie darauf ansprechen“, sagt der Ober-Röder Vollerwerbslandwirt Werner Gaubatz bei dem Krisentreffen. Er findet im Feld nicht nur Haufen, sondern haufenweise auch gefüllte Hundkotbeutel. Manchmal eskalieren die Begegnungen zwischen Bauer und Gassigeher. Gaubatz: „Der Stinkefinger ist noch das Wenigste.“ „Die Frechheiten werden schlimmer“, bestätigen seine Kollegen Matthias Weiland (Nieder-Roden) und Mechthilde Zöller (Ober-Roden).

Zum Krisentreffen kommt der Ober-Röder Jagdpächter Michael Bittner ein paar Minuten zu spät. Grund: Bittner ermahnt auf dem Weg zu dem Termin einen Hundebesitzer auf einer Wiese nahe der Kapellenstraße, er solle von der Wiese heruntergehen mit seinem Vierbeiner. Es handele sich schließlich um Privatbesitz. Außerdem bestehe Leinenzwang und es sei Brut- und Setzzeit. Der Mann hat eine Frisbeescheibe dabei und will mit seinem Hund spielen. Ein Wort gibt das andere. „Wer sind Sie überhaupt, was wollen Sie?“, fragt der Hundehalter gereizt und fotografiert Bittner und dessen Auto mit seinem Handy.

Die Szene ist typisch, sagen die Landwirte und Jagdpächter. „Die Leute wissen nicht, dass sie ihre Hunde ausschließlich auf den Wirtschaftswegen (Feldwegen) laufen lassen dürfen. Und zwar nur dort. Der Rest nebendran, die Wiesen und Äcker, der Wald, sind Privatbesitz“, beschreibt der Ober-Röder Jagdpächter Adam Winter die Lage. Seit Jahrzehnten versuche er, Frauchen und Herrchen hierfür zu sensibilisieren – und habe deshalb schon oft einstecken müssen.

Bauern fühlen sich nicht ernst genommen

Es geht also um eine grundsätzliche Frage – abseits des Themas mit der möglichen Übertragung des Parasiten Neospora Caninum.

Winters Kollege Bittner schlägt vor, die Stadt Rödermark solle – sobald jemand seinen Hund wegen der Hundesteuer anmeldet – sofort die städtische Satzung über den Leinenzwang und das Verhalten während der Brut- und Setzzeit aushändigen. „Dann wüssten die Leute Bescheid.“

Kritisch sehen die Landwirte eine alljährlich zum Beginn der Brut- und Setzzeit veröffentlichte Pressemitteilung der Stadt. Der Text über den Leinenzwang sei missverständlich formuliert. Er vernachlässige, dass bewirtschaftete Felder und Wiesen Privatbesitz seien. Es werde der Eindruck erweckt, die Beschränkungen gälten nur in bestimmten Gebieten. „Das ist Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung“, erläutert Landwirt Günter Keller aus Nieder-Roden. Er vermisst bei Ordnungsämtern und anderen Behörden die Ernsthaftigkeit bei der Verfolgung der Verstöße von Hundebesitzern. Landwirte hingegen würden von Naturschutzbehörden und -verbänden minutiös überwacht.

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Kellers Kollege Werner Gaubatz nennt ein Beispiel. Vor ein paar Jahren sei ihm unterstellt worden, er habe bei der Feldarbeit zwei Kiebitznester zerstört. „14 Leute saßen bei mir auf dem Hof und haben einen riesen Auftrieb gemacht. Mir wurde ein Strafgeld von bis zu 80.000 Euro angedroht. Später kam heraus, dass ich zur fraglichem Zeit gar nicht auf diesem Feld gearbeitet haben konnte.“

Die Rödermärker Landwirte haben versucht, die Lage zu entschärfen. „Wir haben Vorschläge für Standorte von Hundewiesen gemacht. Aber es hieß, aus versicherungsrechtlichen Gründen sei das nicht machbar.“ In Rodgau gibt es Hundewiesen.

Rödermarks Erster Stadtrat und Ordnungsdezernent Jörg Rotter kennt den Konflikt. Er will Hundehalter nicht pauschal verurteilt sehen. „Die Leute nutzen die Leine schon“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Gleichwohl müsse es im eigenen Interesse sein, seinen Hund zum Geschäft nicht auf einen Acker zu schicken. „Das ist schließlich unsere Nahrung.“ Rotter versichert, das Ordnungsamt kontrolliere im Feld. Dies gehe aber „nur begrenzt“. Es bleibe nur der Appell an den Verstand eines jeden und an das gegenseitige Verständnis.

Die Satzung werde Hundehaltern von der Stadt übrigens schon lange automatisch ausgehändigt – verbunden mit einem Hinweis auf die vielen Hundekotbeutelspender und weitere Bezugsquellen. Der lückenhafte Pressetext werde allerdings überarbeitet. „Daran soll’s nicht liegen.“

Quelle: op-online.de

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