Großer Andrang im Seniorentreff

Lieber reparieren als wegwerfen beim „Café Werkstatt“

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Ob sie das betagte Grundig-Radio wieder zum Laufen bringen? Hoffnungsvoll kam so mancher Besitzer mit einem absoluten persönlichen Liebhaberstück ins Café Werkstatt.

Ober-Roden - Eine Zeichen gegen die Wegwerfmentalität setzt das „Café Werkstatt“ im Seniorentreff Ober-Roden. Drei, bald vier Ehrenamtliche haben alle Hände voll zu tun, immer nach der Devise: Lieber reparieren als wegwerfen. Von Christine Ziesecke

Bald werden die „Kunden“ beim Café Werkstatt im alten Feuerwehrhaus Ober-Roden wohl Nummern ziehen müssen wie bei der Auto-Zulassung oder im Rathaus - so voll ist es dort. Es ist wie in der Notaufnahme im Krankenhaus: Im Wartezimmer sitzen viele kleine oder größere Patienten, allesamt mit „Angehörigen“. Vielen kann spontan geholfen werden, andere werden zu Spezialisten weitergeschickt. Eine Garantie auf völlige Heilung gibt es aber nie.

„Geht nicht“ gibts nicht: Ob Kaffeemaschine, Leselampe oder Laserdrucker – eine Rettung wird zumindest versucht.

Am jüngsten Öffnungstag standen und saßen bis zu 17 Menschen gleichzeitig im kleinen Seniorentreff in der alten Feuerwache. Drei bis vier Ehrenamtliche kümmern sich um die mitgebrachten Patienten. Elfie Pach und Waltraud Krayer kochen Kaffee für die Wartenden und nehmen die Arbeitsaufträge entgegen: Wer bringt welchen Patienten mit? Was fehlt ihm? Wie weit sollte die Hilfe gehen? Rund zehn Reparaturanfragen binnen zwei Stunden wurden abgearbeitet. Dazu zählte auch eine Stichsäge, die das Sägeblatt nicht mehr halten konnte: „Hier kommt leider jede Hilfe zu spät, die ist mechanisch irreparabel“, bedauerte Ersthelfer Georg Haake. Erfolgreich war die Reparatur einer betagten Kaffeemaschine. Bei einem noch betagteren Radioempfänger war es beileibe nicht so.

An ein Kofferradio, das nur noch krächzte, legte der Besitzer mit Hilfe eines parat liegenden Lötkolbens gleich selbst Hand an. Geholfen werden konnte auch einer alten Pendeluhr, der die korrekte Seilführung verloren gegangen war. Bei René Raddé, Dieter Metz und Georg Haake und demnächst noch einem vierten Mitstreiter werden nicht nur Rat und Tat gesucht. Manchmal geht es auch nur um die passenden Werkzeuge, die zuhause nicht mehr vorrätig sind.

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Davon überzeugten sich auch zwei angehende Kollegen aus Rodgau. Sie erkundigten sich schon mal, was so gefragt ist und worauf sie sich einstellen müssen. Eines steht fest: Gebraucht werden solche Heinzelmänner in zunehmendem Maß – gut, dass es sie gibt. Das Café Werkstatt öffnet am ersten Mittwoch jedes Monats. Der nächste Termin ist am Mittwoch, 7. Dezember.

Quelle: op-online.de

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