Unermüdliche Ungarnfreundin

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Lilo Haag verstaut in ihrem Keller Spenden für die ungarischen Freunde, bis sie die nächsten Pakete packt oder den jährlichen Transport nach Bodajk zusammenstellt.

Waldacker - 22 Jahre währt Rödermarks Freundschaft zum ungarischen Bodajk. Unter Bürgermeister Walter Faust wurde sie ins Leben gerufen, und ebenso lange währt die Unterstützung, die Rödermark seiner im Vergleich sehr armen Partnergemeinde zukommen lässt. Von Christine Ziesecke

Schon gleich nach der Verschwisterung fand Walter Faust Speditionen, die Waren nach Deutschland lieferten, und gab ihnen bei der Rückfahrt Spendengüter mit. In die Lkw kam alles, was dort gebraucht wurde: Kleidung, Betten und vieles mehr – und gebraucht wurde tatsächlich alles. Gemeinsam mit Wolfgang Bieneck hatte Walter Faust die Not der Menschen gesehen und gehandelt.

Und von da ab waren auch Lilo Haag und der von ihr betreute Behindertenkreis mit im Boot. Die Gruppe verbrachte Freizeiten in Ungarn. Die ehemalige Stadträtin stopfte den Bus an allen Ecken und Enden mit Kleidern aus. Caritas-Frau Rosi war zuerst ihre offizielle Kontaktperson in Bodajk und später ihre Freundin. Sie nahm über all die Jahre die Spenden entgegen und verteilte sie mit ihren Helfern; sie wusste auch immer, wo der Schuh am stärksten drückte.

Über all die Jahre war es für Lilo Haag immer ein Herzensanliegen, Hilfssendungen für das Bodajk zusammenzustellen, wobei sie die Rödermärker kräftig unterstützten. Doch ihr größtes Problem war stets der Transport. Nicht nur in ihrem Bekanntenkreis bettelte sie: Wer spendet uns ein Auto für die Fahrt? Mit Fredy und Steffi Theis, die längst gute Freunde in Ungarn gefunden haben, hatte sie stets einen Fahrer für die zehnstündige Tour nach Bodajk, nur die Kfz-Kosten wurden immer wieder zur Hürde.

Auch Henni Nachtsheim spendete

Mal waren es Freunde, mal ihr Nachbar Henni Nachtsheim, der „Badesalz“-Komiker, auch mehrfach die Firma Vivasenia, die ein Auto mit Fahrer oder zumindest den Sprit gespendet haben. Zweimal hat die Stadt das Benzin gezahlt. Einmal kam sogar ein Sprinter aus Bodajk nach Waldacker. Doch oft blieben und bleiben die Kosten an der 78-Jährigen hängen, auch die der zahllose Pakete, die sie zwischen den Transporten über die Grenze schickt.

So wird das wohl auch jetzt sein. Bei einem fünftägigen privaten Ausflug in diesem Jahr, bei dem auch St. Gallus-Pfarrer Klaus Gaebler seinen ungarischen Kollegen näher kennen lernte und sich eine Freundschaft entwickelte, wurden sie Dolmetscherin Piroschka unterstützt. Sie gab im Namen von Pfarrer Tamás Moroc vor zwei Wochen Bescheid, dass 80 Prozent der letzten Lieferung aus Rödermark schon über die Caritas in der Kirche verteilt worden sei, und der Seelsorger noch einen großen Wunsch hat: Er möchte so gerne alle Kinder an Weihnachten mit einem Plüschtier beglücken. Also sammelt Lilo Haag mal wieder - und diesmal auf die Schnelle.

„Es gibt zwar dort alles zu kaufen, aber die Menschen haben kein Geld. Sie leben fast nur von dem, was sie hinter ihrem Häuschen im Garten anbauen“, schildert sie ihre Eindrücke. Drum bleibt Lilo Haag weiter nichts anderes übrig, als eifrig große Kartons zu sammeln oder günstig zu erwerben und in ihrem geräumigen Keller wieder Gaben zu sortieren, zu verpacken und schließlich zur Post zu bringen: „Rund 30 Euro kostet ein großes Paket, und das kommt binnen einer Woche an!“

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Quelle: op-online.de

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