Motocrosserin Michaela Keil 

Männerwelt aufgemischt

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Michaela Keil (18) fährt seit drei Jahren erfolgreich Rennen auf der Motocrossbahn. Die „250er“ Kawasaki, mit der Michaela Keil ihrer Rennen bestreitet, ist mit moderner Technik voll gestopft. Doch unter der Garagendecke hängt auch ein NSU-Motorrad aus der Wirtschaftswunderzeit.  

Ober-Roden - Michaela Keil hat mit dem Motorradfahren angefangen, da war sie knapp 15. Da denken andere vielleicht vorsichtig ans erste Mofa. Von Michael Löw

Trotzdem gilt sie in ihrem Sport als Spätzünderin, denn viele Motocrosspiloten steigen im Alter von fünf oder sechs Jahren aufs Motorrad. Die haben der heute 18-Jährigen natürlich einiges an Erfahrung voraus.

Trotzdem mischt Michaela Keil die Szene auf. Das liegt zum einen daran, dass sie sich als eine von etwa 15 Frauen in einer harten Männerwelt behauptet. Ihre Konkurrenz im Motorsportring (MSR) Hessen, Nordbayern und Rheinland-Pfalz: etwa 400 Fahrer. Sie genießt weder einen Küken-Bonus noch wird sie weggebissen. Aber sie hat festgestellt: „Manche Männer kommen nicht damit klar, wenn eine Frau schneller als sie fährt!“

Michaela Keil saß als kleines Kind schon auf dem Motorrad. Doch im Gegensatz zur künftigen Rennelite nicht auf einer speziellen Mini-Maschine, sondern auf dem Tank eines „richtigen“ Motorrads. Sie durfte Gas geben und bremsen, ihr - inzwischen verstorbener - Vater saß hinter ihr und schaltete. Das war in Kroatien, wo die Polizei nicht so genau hinschaut.

Start in die Motorrad-Saison

Start in die Motorrad-Saison

2011 wurde für Michaela Keil ein Traum wahr, auf einer alten Enduro drehte sie in Schaafheim ihre Runden und kam vom Motocross nicht mehr los. Nach einem halben Jahr intensivem Training startete sie bei einer Regionalmeisterschaft. Im ersten Rennjahr 2012 wurde sie Achte in der Damenklasse, 2013 belegte sie den dritten Platz. Mitte der Saison führte Michaela Keil die Meisterschaft an, doch nach einem Sturz musste sie zwei Rennen aussetzen und wurde am Ende wieder Dritte.

Beim Motocross starten bis zu 44 Fahrer gleichzeitig. Ein Lauf dauert für Laien schwer verständliche 18 Minuten und eine Runde. Das klingt zunächst einmal viel, doch am Ende entscheiden drei oder vier hundertstel Sekunden über Sieg oder Niederlage. Zu einem Rennen gehören zwei solcher Läufe.

„Außenstehende denken immer, das Motorrad macht die Arbeit. Aber Motocrossfahren ist anstrengender als Fußball. Nach einem Rennen sehe ich aus, als käme ich aus der Dusche“, erzählt Michaela Keil. Anders als Fußballer kann sie aber nicht einem Moment abschalten: „Wenn wir einen Fehler machen, landen wir im Krankenhaus.“

Zwei gefährliche Unfälle überstanden

Zwei Mal ist ihr das schon passiert. Beim ersten Sturz blockierte die Vorderradbremse, der zweite war weit dramatischer. Mitten im Rennen saß sie quasi bewusstlos auf ihrem Motorrad - sie hatte weit mehr Wasser heraus geschwitzt als sie zuvor getrunken hatte. „Ich sackte zusammen, drückte dabei den Gashebel runter und sprang zu weit über einen Hügel. Dabei bin ich auf den Kopf gefallen.“ Die junge Rennfahrerin schildert den Unfall heute ganz emotionslos, den Zuhörer schaudert’s.

„Unser Sport ist sicherer als Motorradfahren auf der Straße“, sagt Michaela Keil wie zum Trotz. Unterm Rennanzug trägt sie körperdeckend Panzer und Protektoren. Ein so genannter Neck-Brace verhindert, dass sie sich beim Sturz das Genick bricht.

Michaela Keils Sportgerät ist eine „250er“ Kawasaki ohne Straßenzulassung. Die Maschine hat 44 PS und wiegt rennfertig ganze 110 Kilo. Zwischen 6 000 und 7 000 Euro kosten diese Modelle für ambitionierte Hobbyfahrer. Profis beziehungsweise deren Rennställe blättern dagegen schon mal 40 000 Euro nur für die vordere Federgabel hin.

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In diese Regionen will Michaela Keil, die sich aufs mündliche Abi an der Nell-Breuning-Schule vorbereitet, aber nicht vorstoßen: „Motocross ist Hobby und soll Spaß machen, beruflich ist mir’s viel zu unsicher.“ Eine Verletzung bedeutet mehrere Wochen Verdienstausfall. Aber auch ihr Hobby verschlingt einiges an Zeit. Michael Keil fährt seit zwei Jahren für das Team „Passion MX“, das Nico Maul aus Büdingen aufgebaut hat. Neun bis zehn Rennen gehören zur MSR-Serie, im Sommer will die Ober-Röderin einen WM-Lauf in Loket (Tschechien) absolvieren.

Ihre Kawasaki tauchte übrigens voriges Jahr schon einmal im Polizeibericht unserer Zeitung auf. Aber nicht, weil Michaela Keil außerhalb einer abgesperrten Rennstrecke damit unterwegs war: Diebe hatten in der Nacht vor einem Rennen den VW-Bus des Teams vorm Haus aufgebrochen und das Motorrad geklaut. Die Polizei fand’s recht schnell bei einer Bande in Offenbach wieder. „Das war aber nicht das einzige Glück, das ich hatte“, erzählt Michaela Keil. „Meine Maschine war die einzige, die die Diebe als Ganzes verkaufen wollten. Alle anderen waren schon ausgeschlachtet.“

Quelle: op-online.de

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