Rödermark bewirbt sich um Geld aus Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“

Millionen für Altort Urberach?

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Das Sozialrathaus (1), die Bahnhofstraße (2), das als Flüchtlingsheim genutzte City-Hotel (3) samt seiner Nebengebäude und die Ortsdurchfahrt (4) sollen nach den Vorstellungen von Politik und Verwaltung durch das Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ aufgewertet werden.

Urberach - Rödermark hat sich für das Förderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ beworben. Wenn die eingereichten Vorschläge überzeugend sind, könnten zwischen 2017 und 2027 bis zu zehn Millionen Euro - zu zwei Dritteln Zuschüsse - in die Innenort-Entwicklung fließen. Von Michael Löw 

Bürgermeister Roland Kern will mit dem Geld das erweiterte Zentrum von Urberach aufwerten. Die Konkurrenz ist riesig: 150 weitere Städte wollen den Euro-Strom aus Wiesbaden in ihre Gemarkung leiten. Die schwarz-grüne Landesregierung hilft ihren Kommunen, die Folgen diverser Veränderungsprozesse abzufangen. Die Bevölkerung wird älter und „ausländischer“ (demografischer Wandel), der Einzelhandel verliert an Bedeutung (wirtschaftlicher Wandel), der Umweltschutzgedanke gewinnt an Bedeutung (Klimawandel). Alleine können Städte diese Umstrukturierungen nicht bewältigen. Sie brauchen Unterstützung, sprich: Geld, mit dem sie auch Bausünden vergangener Jahrzehnte beheben können.

Bürgermeister und Baudezernent Roland Kern sieht den größten Handlungsbedarf in Urberach. Der Ortskern sei durch überwiegend kleinteilige Bebauung geprägt, die in Struktur und Erscheinungsbild die historische Entwicklung erkennen lässt. Nur passt das nicht mehr so recht in unsere Zeit. Der Altort „sei den heutigen demografischen und ökologischen Erfordernisse an die Gestaltung des öffentlichen Raumes und an die Modernisierung der Bausubstanz anzupassen“, heißt das im Förderantrag diplomatisch. Die Aufnahme ins Förderprogramm könnte Investitionen von fünf bis zehn Millionen Euro nach sich ziehen. Verteilt auf die Jahre 2017 bis 2027 und verteilt zu zwei Dritteln aufs Land und zu einem Drittel auf die Stadt. Jährlich müsste Rödermark also 170.000 bis 340.000 Euro aus eigener Kasse beisteuern -ein ordentlicher Batzen Geld für eine Kommune, die unter den Rettungsschirm des Landes geschlüpft ist und sich zum Haushaltsausgleich bis 2018 verpflichtet hat. Kern redet deshalb auch nicht um den heißen Brei herum: „Die Kosten belasten den mit dem Land vereinbarten Abbaupfad.“

Aber das Geld aus Wiesbaden könnte beispielsweise die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt voranbringen. Traminer und Konrad-Adenauer-Straße sollen mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer bekommen und nicht länger eine schnelle, autodominierte Ost-Verbindung durch Urberach sein. Das kritisiert der FDP-Vorsitzende Tobias Kruger: „Der Verlust von 40 Parkplätzen entlang der Ortsdurchfahrt ist der Todesstoß für die letzten wackeren Einzelhändler.“ Diesen Vorwurf weist der Bürgermeister ähnlich scharf zurück. Bislang gebe es nur eine Planungsskizze, „mit der die FDP Ängste schürt“. Die Bürgerbeteiligung bei solch grundlegenden Entscheidungen sei in der Bewerbung festgeschrieben.

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Für eine Rödermärker Beteiligung am „Stadtumbau in Hessen“ sprechen nach Ansicht Kerns auch die Chancen etlicher Hausbesitzer im erweiterten Zentrum, die ihre Immobilien mit Zuschüssen des Landes energetisch sanieren könnten. Die Richtlinien dafür muss die Stadt festlegen, Hausbesitzer müssen eine verbindliche Modernisierungsvereinbarung mit ihr abschließen. Hoffnungen und Sorgen sind indes bis in den Mai hinein blanke Theorie. Erst dann entscheidet das Land, welche der 150 Bewerber zum Zuge kommen.

Quelle: op-online.de

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