Monika Dietrich besucht Eltern mit Neugeborenen

Junge Familien bleiben nicht alleine

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Monika Diedrich aus Ober-Roden macht ihren ehrenamtlichen Job richtig gerne und gut. Sie freut sich über die vielen Kontakte, die sie beim Verteilen der Willkommensbriefe für neue Erdenbürger mit jungen Eltern hat.

Rödermark - Das soziale Netz in Rödermark ist dicht geflochten. Ein besonderes städtisches Hilfsangebot richtet sich an junge Familien. Monika Diedrich besucht Mamas und Papas mit Neugeborenen und bietet Rat und Tat an. Von Christine Ziesecke 

Seit 2008 ist Monika Diedrich als Vertreterin der Stadt Rödermark bei den Eltern neugeborener Kinder unterwegs. Mit dieser Initiative wollte die Stadt und hier vor allem der Präventionsrat angesichts ständiger Schlagzeilen über Kindesmisshandlungen ein Zeichen setzen: hier seid ihr willkommen! Und zugleich den jungen Eltern Hilfestellung geben bei vielen der neuen Probleme. Monika Diedrich, Mutter zweier erwachsener Kinder und mittlerweile Witwe, hat sich damals selbst angeboten. Sie hörte von der Aktion und sprach bei einem Seniorenbesuch Bürgermeister Kern an – der dies schon längst ins Rollen bringen wollte, aber niemanden Geeigneten gefunden hatte. Das war damit erledigt, die Aktion „Willkommen im Leben!“ lief an. Rund 170 Familien waren es im vergangenen Jahr, die Monika Diedrich zunächst auf 400-Euro-Basis, inzwischen längst ehrenamtlich besucht. Immer hat sie eine dicke Informationsmappe im Arm, die sie persönlich überbringt und die zweimal jährlich im Austausch mit der Leiterin des Fachbereichs Kinder und Jugend, Edith Itta, aktualisiert wird. Darin sind außer dem Begrüßungsbrief von Bürgermeister und Erstem Stadtrat auch Informationen zu Frühförderstellen, kindlicher Integration oder Geschwisterreglung in den städtischen Einrichtungen. Alles auf dem neuesten Stand, versteht sich. Auch etwa der Tipp, dass junge Eltern und ihre Kinder im ersten Jahr kostenlos in der Stadtbücherei stöbern können oder der Hinweis, wo es Windelsäcke gibt und dass man dazu die Geburtsurkunde des Kindes vorlegen muss.

„Ich hole mir wöchentlich beim Bürgerbüro die neuen Adressen, sortiere sie nach Gebieten und verschicke die Erstbriefe mit Terminvorschlägen. Die Eltern können über mein Diensttelefon Änderungswünsche einbringen, ansonsten komme ich zum vorgeschlagenen Zeitpunkt vorbei“, erläutert Monika Diedrich. Das bedeutet rund fünf bis sechs Besuche pro Woche. Mal dauern sie zehn Minuten, mal eineinhalb Stunden. Als langjährige Erzieherin in den Breidert-Kitas spürt Monika Diedrich, wo sie gebraucht wird und wo sie rasch wieder gehen kann, weil die jungen Familien schon ausreichend Erfahrung haben. Die Ehrenamtlerin geht in ihrer Arbeit auf. Sie liebt sie geradezu. Auch wenn sie sehr bedrückende Erlebnisse dabei macht. Etwa, wenn ein Baby etwa kurz nach der Geburt stirbt und die Eltern ihren Besuchstermin absagen. Aber es gibt auch sehr schöne Erlebnisse: wenn sie bei genau diesen Eltern zwei weitere Male später zu Besuch sein darf: wenn sie Babys bekommen haben.

Es gibt auch heitere Geschichten. Zum Beispiel der Besuch in der Elisabethenstraße, wo sie auf ihr Klingeln freundlich empfangen und zum Tee gebeten wurde und nach einigen Minuten dann doch mal nachfragte: „Und das Baby schläft?“ „Baby? Wir haben kein Baby!“ Es war der Bruder desselben Namens, der zwei Türen weiter wohnte, der der frisch gebackene Papa war. Doch die Freundlichkeit der Verwandtschaft blieb Monika Diedrich lange im Gedächtnis. Wichtig sind ihr besonders Besuche, bei denen sie rasch merkt, dass vor allem die jungen Mütter dringend weitergehender Hilfe bedürfen. „Ich bin natürlich nicht dafür da, diese Mütter intensiver zu beraten. Aber ich kann anhand des Materials in der Mappe Adressen und Hilfen vermitteln.“ Ganz wichtig ist ihr klarzustellen, dass sie keine Kontrollfunktion à la Jugendamt hat. Aber nach sieben Jahren hat sie gute Erfahrungen, wo Hilfe gebraucht wird und wie sie gefunden werden kann.

Fragen vor der Geburt - Baby-Planner helfen werdenden Eltern

Was Monika Diedrich – trotz ständiger Nachfragen aus dem Bekanntenkreis – nie hat, sind Sprachprobleme. Bei ihren vielen Besuchen in Familien mit ausländischen Wurzeln hilft ihr manchmal ihr Englisch, vor allem aber helfen sich diese Familien selbst und haben fast immer einen Verwandten oder Bekannten dabei, der schon länger in Deutschland ist, oder es klappt auch so: „Schließlich ist das ein ganz eigenes Klientel. Über Kinder kommt man immer irgendwie ins Reden.“

Eigentlich ist sie auch noch nie zurückgewiesen worden bei ihren Terminabsprachen. Anders als etwa bei kirchlichen Seniorenbesuchen sind diese Familien und hier überwiegend Frauen über Spielplatz, Hort oder Kinderarzt irgendwie vernetzt. Sie warten schon auf ihren Besuch, sie haben von der Mappe gehört und möchten diese auch haben – auch wenn keine Hipp-Probiergläschen oder Alete-Lätzchen drin sind, sondern tatsächlich nur Informationen und schriftliche Hilfen. Diese geballten Informationen sparen den Eltern vor allem Zeit – so dicht gedrängt von den Anmeldeformalitäten in verschiedenen U3-Kitas über die Programme der Familienzentren und Antragsformulare bis hin zur am meisten geschätzten Notfallliste mit Arztnummern, Krankenhäusern und vielem mehr. Und solange es neugeborene Kinder gib, wird diese städtische Aktion auch immer sinnvoll und hilfreich sein.

Quelle: op-online.de

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