Musik verbindet die Kulturen

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Auffallend im internationalen Musikensemble: die Kinder mit ausländischen Wurzeln spielen zwar „westliche“ Instrumente wie Gitarre oder Geige, umgekehrt aber zog es keines der deutschstämmigen Kinder an türkische Instrumente wie etwa die Saz.

Urberach - Sein erstes kleines Konzert gab das im Frühjahr gegründete und derzeit noch von Fördergeldern getragene „Internationale Musikensemble“ IME im Schiller-Haus.

Vor Eltern und Sponsoren, die durch Beate Gottschall von der Stiftung „Citoyen“ und durch Landrat Oliver Quilling für die Stiftung „Miteinander Leben“ vertreten waren, zeigten die rund 20 Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren ihr Können. Seit Januar spielen sie zusammen unter der Leitung von Heiko Rühmkorff, Lehrer an der Musikschule Rödermark. „Er hat das Ganze richtig modern gemacht“, freute sich Musikschulleiter Benno Eckmann. Gemeinsam hatte die bunt gemischte Gruppe aus Kindern mit knapp zwei Drittel türkischen und gut einem Drittel deutschen Wurzeln erst vier Proben bei ihrem ruhigen und einfühlsamen Lehrer. Doch jeder der jungen Musiker hat nebenbei Einzelstunden, die türkischen Kinder bei Ahmet Aslan, der auch erstmalig mit dieser Situation konfrontiert ist.

Vor den Gästen im SchillerHaus, einem Kooperationspartner dieses schon mit dem Rödermärker Integrationspreis ausgezeichneten Projekts, betonten Benno Eckmann für die Musikschule ebenso wie Hatice Cavus als Vertreterin des Deutsch-Türkischen Freundschaftsvereins, dass die Entwicklung im ersten Jahr des Bestehens toll war dank der Zuschüsse. „Ohne Fördergelder, ohne die Beiträge der Stiftungen hätte das nicht gelingen können.“

Angesprochen wurden dabei Kinder, die durchweg nicht von der Existenz der Musikschule wussten, also nie von selber gekommen wären. „Es ist eine Veranstaltung von strukturveränderndem Charakter“, betonte SPD-Chef Hidir Karademir. „Bisher war Integration schwerpunktmäßig auf Sprache und Beruf bezogen. Jetzt kommen Kultur und Musik dazu.“ Mit der Musik, in er nicht gesprochen werden muss, die Integration stärken – das scheint spürbar zu gelingen. Die türkischen Kinder lernen mit Freude dabei auch Gitarre, Geige oder andere „westliche“ Instrumente, während die deutschen Kinder sich bisher nicht auf die eher östlich anmutenden Instrumente einlassen.

Doch Benno Eckmann denkt gemeinsam mit Heiko Rühmkorff über dieses Jahr hinaus: „Wir versuchen jetzt auch junge Musiker aus der Musikschule, die schon weiter in ihrer Ausbildung sind, an dieses Ensemble heranzubringen. Schließlich wollen wir im Oktober in der Kulturhalle ein Konzert geben. Da müssen wir breiter aufgestellt sein“, erläutert er die Schwerpunkte der nächsten Monate. „Für uns ist jetzt erst mal nicht entscheidend, ob die Töne richtig getroffen werden, sondern dass die Kinder lernen, sich in ein Ensemble einzuordnen.“

Und was geschieht mit dem Projekt, wenn im März die Fördermittel auslaufen? „Wir werden jetzt neue Anträge stellen. Vielleicht bringt das eine Erleichterung. Bis Herbst müssen wir es irgendwie hinbekommen; danach müssten langsam auch einige Eltern so weit sein, selbst die finanzielle Verantwortung mit zu übernehmen“ – also Beiträge dafür zu zahlen. Beate Gottschall von „Citoyen“ macht aber durchaus Hoffnung: „Wir als Stifter und Förderer brauchen solche Veranstaltungen, um zu sehen, was aus unseren Fördergeldern wird. Ich werde davon berichten – dann wird man weiter sehen.“ Zu hören gab es in diesem kleinen Mini-Konzert schon sehr Spannendes. Nach einem eher düsteren Stück „Im Nebelmoor“ gab’s eine peppige Variante des Queen-Klassikers „We Will Rock You“ auf den Text von „Alle meine Entchen“ – genauso quirlig, kunterbunt und gemischt wie das ganze Ensemble. Worauf sich manchen Eltern die Frage stellten: „Kann man deutsche Volkslieder mit türkischen Instrumenten überhaupt spielen?“ Man kann, wie Heiko Rühmkorff und seine Truppe bestätigten. Man muss eben nur wissen, wie. J chz

Quelle: op-online.de

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