Begeisternde Blechbläser beim Herbstkonzert

Trompete spielt die erste Geige

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Heike Weiland (links) gefiel mit einer verschmitzt groovig purzelnden Passage auf ihrer Klarinette.

Rödermark - Der Herbst ist in unserer Region traditionell die Zeit der großen Konzerte. Jetzt war der Musikverein 03 Ober-Roden an der Reihe. Ihm gelang ein fulminanter Auftritt. Von Manfred Meyer 

Die Darbietung von „Gabriellas Sang“ beim 34. Herbstkonzert des Musikvereins 03 Ober-Roden übertraf die hochgesteckten Erwartungen. Der Dirigent gemeinsam mit der Tenorsaxofonistin im Background-Chor. Deren Mann, der Leadtrompeter, nun Dirigent. Und die Moderatorin: jetzt Sangessolistin. Vertauschte Rollen also, was, zusammen mit dem Konzertorchester des Vereins, zum emotionalen Höhepunkt führte. „Gabriellas Sang“von Stefan Nilsson, eine Mischung aus dramatischer Grand Prix-Grandezza und Wehmut pur im kristallklaren Edvard-Grieg-Flow berührte in der 03-Version derart, dass sie im Anschluss an den freudig insistierenden Applaus gleich wiederholt wurde. Das empfanden viele Anwesende als das nicht mehr zu toppende Finale des Abends. Das konnte man so sehen, wenn man das sich anschließende, noch offiziell zum Programm gehörende Quincy-Jones-Medley als zweite Zugabe einstufte.

Mit einer typischen Zugabe wurde das Konzert in der Kulturhalle eröffnet, mit einem Marsch, der bei den 03ern gar nicht danach klang. Sie nahmen „Hoch Heidecksburg“ symphonisch und erzielten damit einen konzertanten Charakter des Stücks, rhythmisch abgedämpft federnd und weich im Klang. Programmmacher Johannes Maurer hatte den Marsch an den Anfang gesetzt, weil er ihm ungeteilte Aufmerksamkeit im Publikum zuteil werden lassen wollte, was als Zugabe nicht unbedingt erreicht worden wäre. Damit war in der ersten Halbzeit der Boden bereitet für die beiden Blasorchester-Originalwerke des Abends. Dabei hatte es das gefällige Russische in der Publikumsgunst natürlich leichter als das dazu im Vergleich etwas spröde Rätoromanische, die Volkslieder-Rhapsodie „Legenda Rumantscha“ von Oliver Waespi vor der Pause. Hinzu kam, dass den Ausführenden Franco Cesarinis „Old Russian Romances“, ein steter Wechsel von flotten mit sehr romantischen Parts, optimal gelang. Eine in sich geschlossene, runde Mannschaftsleistung.

Dennoch sind dabei die innig gestaltende, anrührende Oboe von Tina Craß, die leichtfüßige Trompete vom zweiten Dirigenten, Francicso Hitzel sowie das schwermütige tiefe Blech insgesamt und das silbrig glockenspiel-artig Akzente setzende Xylophon von Sebastian Kuhn hervorzuheben. Zum Schluss hin zog Johannes Maurer das Tempo tüchtig an. Für sein Tutti: gar kein Problem; es folgte behände und schloss den Cesarini klasse ab. Highlight-Alarm – was der „Bravo!“-Ruf aus dem Auditorium noch vor dem aufbrandenden Beifall unterstrich. Um nach Cesarini die Aufmerksamkeit für Waespi wieder bei Null starten zu lassen, hatten die Ober-Röder zum Runterkommen den Welterfolg von Simon & Garfunkel, die englische Ballade „Scarborough Fair“, eingeschoben. Nach der Pause dann etwas für hiesige Blasorchester Seltenes, gar bislang Einmaliges: eine Verflechtung einer Handvoll Hits der jazzigen Brassrock-Miterfinder „Blood Sweat & Tears“. Dabei bildeten Musiker den gospelnden Chor beim abschließenden „Hi De Ho“. Dies auf den Punkt genau eingeleitet hatte Heike Weiland mit einer verschmitzt groovig purzelnden Passage auf ihrer Klarinette.

Laute in Bewegungen umwandeln - Heileurythmie

Es folgte Filmmusik, „Pirates of the Caribbean“. Dabei grandios: das tiefe Blech, das jericho-artig und dennoch mit Fingerspitzengefühl diabolisch anmutende Akkordwände hinstellte. Davor hatte die Moderatorin, Opernsängerin Anke Haas, verraten, dass ihr beim Kinoerfolg mit Johnny Depp Orlando Bloom besser gefallen habe. Womit in der programmlichen Abfolge „Gabriellas Sang“ erreicht war.

Hier bleibt nun abschließend noch anzufügen, dass neben Saxofonistin Andrea Fröhlich und Johannes Maurer Julia Hartmann und Rudolf Bauer die gefühlvoll phrasierenden Backing-Stimmen waren. Und Anke Haas berührte und begeisterte als Solistin. Man konnte bei den Applaudierenden manch feucht glänzendes Augenpaar sehen.

Quelle: op-online.de

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