Opfer fühlen sich im eigenen Haus nicht mehr sicher

Nach Einbruch sitzt der Schock tief

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Viel mehr als Spuren sichern kann die Polizei nach einem Einbruch oft nicht. Die Aufklärungsquote lag in Rödermark voriges Jahr nur bei 17,3 Prozent. Dieser Wert ist zwar 7,2 Prozentpunkte höher als 2014, doch kaum ein Verbrechen hinterlässt bei den Opfern so viel Hilflosigkeit, Ohnmacht und Angst wie das Eindringen Fremder ins eigene Zuhause.

Rödermark - 52 Rödermärker wurden voriges Jahr Opfer von Einbrechern, 25 mal schlugen die Ganoven tagsüber zu, nur neun Taten hat die Polizei aufgeklärt. Das sind die nüchternen Zahlen der Kriminalstatistik. Von Michael Löw 

Polizeioberkommissar Kai Schultheis von der Wache in Dietzenbach erlebt die Emotionen hinter den Fakten. Er nimmt die Anzeigen oft schockierter Menschen auf. Terrassentür geknackt, Fenster aufgehebelt, alle Räume durchsucht, Wertvolles oder Liebgewordenes verschwunden: Jede Woche sahen Hausbesitzer oder Mieter sich voriges Jahr mit den Spuren eines Einbruchs konfrontiert. 52 Diebstähle unter erschwerten Bedingungen - so heißt der Sachverhalt juristisch korrekt - stehen in der Kriminalstatistik 2015. Im Jahr davor waren’s sogar noch 79 Einbrüche gewesen. Die Polizei erwischt die Täter nur in Ausnahmefällen. Die Opfer trifft das Eindringen in ihre Privatsphäre ebenso hart wie unvorbereitet. „Allein die Tatsache, dass sich eine fremde Person frei in ihrem Zuhause aufgehalten hat, traumatisiert die meisten Betroffenen stark“, schildert Polizeioberkommissar Kai Schultheis. Wenn die Täter dann auch noch in Kleiderschränken oder der Wäscheschublade herumgewühlt haben, fühlen sich die Opfer regelrecht beschmutzt. Dieses Gefühl wiegt zunächst einmal weit schwerer als der Verlust von Geld oder Kreditkarten.

Zwei weitere Dinge sind für die Betroffenen ähnlich schlimm: Wenn sie Einbrecher beim Heimkommen überraschen oder später merken, dass Einbrecher durchs Haus schlichen, während man sich selbst dort aufhielt. Vor gut einer Woche zum Beispiel schlüpften Unbekannte hinterm Rücken einer Urberacherin, die im Garten werkelte, in deren Wohnzimmer. Die Leute reagieren völlig unterschiedlich, hat Schultheis beobachtet: Die einen verfallen angesichts Fremder in eine wahre Schockstarre, die anderen verfolgen fliehende Einbrecher zu Fuß - ohne an mögliche Gefahren zu denken. Die meisten Opfer aber haben schlicht und einfach Angst, weil sie sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen.

Auf keinen Fall den Helden spielen, warnt Schultheis. Wer sich unversehens einem Einbrecher gegenüber sieht, sollte laut schreien und ihn so in die Flucht treiben. Normalerweise geben Einbrecher lieber Fersengeld als zum Angriff überzugehen. Wenn Opfer oder Zeugen Ganoven aus sicherer Entfernung beobachten, gilt natürlich: sofort den Polizeinotruf 110 wählen. „Lieber einmal zuviel“, appelliert Kai Schultheis. Jede Beobachtung kann für ihn und seine Kollegen hilfreich sein. Einbrecher schlagen ohne erkennbares Muster zu, das macht die Präventionsarbeit der Polizei schwer. Um so mehr sind die Beamten auf die Wachsamkeit der Bevölkerung angewiesen. Bei so genannten „Sicherheitsoffensiven“ setzt die Polizei zusätzliche Kräfte gegen bestimmte Tätergruppen wie Einbrecher ein. Einzelne Polizeiführer wie Kai Schultheis arbeiten dann individuelle Konzepte aus, um Ganoven durch offene und verdeckte Maßnahmen zu verunsichern.

Frei stehende Einfamilienhäuser am Ortsrand sind fast genauso beliebte Ziele wie Wohnungen im Stadtkern. Mit Vorliebe wird geklaut, was schnell greifbar ist und sich nachher schnell versilbern lässt. In den Anzeigen stehen meist Schmuck, Uhren, Handys, Tablet-Computer oder Laptops. Der materielle Verlust ist oft Nebensache. Polizeioberkommissar Kai Schultheis: „Gerade bei Schmuck spielt der ideelle Wert eine viel größere Rolle, da es sich um Erbstücke, limitierte Auflagen oder Mitbringsel mit Erinnerungswert handelt.“

Grenzenlose Wut oder dumpfe Resignation hat er aber auch schon erlebt, wenn digitale Speichermedien mit wichtigen Dokumenten oder den Fotos mehrerer Jahre gestohlen wurden. Dann nämlich haben die Einbrecher ein Stück Privatleben mitgehen lassen.

Der Polizeiladen in Offenbach gibt Tipps, wie man Haus und Wohnung vor Einbrechern schützen kann. Die Beratung ist markenunabhängig und kostenlos; bei Bedarf kommen die Beamten auch zu Hausbesuchen. Außer wachsamen Nachbarn helfen oft auch vergleichsweise einfache technische Sicherungsmaßnahmen: In 42,3 Prozent der in Rödermark angezeigten Einbrüche blieb es beim Versuch, sagt Klaus Hofmann, der Leiter der Polizeistation Dietzenbach. Kontakt zum Polizeiladen, Stadthof 16, 63065 Offenbach: 069/8098-1230.

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Quelle: op-online.de

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