Gut 10 000 Zeugnisse verliehen

NBS-Rektor Jochen Zeller geht in Pension

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Jochen Zeller war mehr als 30 Jahre lang Rektor der Nell-Breuning-Schule.

Ober-Roden - „Sind Sie immer noch dahinne?“, wurde Jochen Zeller in den vergangenen Jahren immer wieder gefragt, wenn er ehemaligen Schülern begegnete. Dahinten - das ist von der Ortsmitte gesehen die Nell-Breuning-Schule (NBS) in der Kapellenstraße.

Seit ein paar Tagen beantwortet der 67-Jährige die Frage mit „Nein!“. Jochen Zeller ist Ruheständler - nach 43 Jahren im hessischen Schuldienst und 30 Jahren NBS-Rektor. Es ist deshalb viel mehr als das obligatorische Pflichtlob, wenn seine Nachfolgerin Christine Döbert sagt: „Jochen Zeller ist die Schule, und die Schule ist Jochen Zeller.“ Außer der NBS gab"s in seinem langen Berufsleben nur noch eine weitere Integrierte Gesamtschule, die heutige Heinrich-Böll-Schule in Nieder-Roden.

Dort hatte Zeller 1972 sein Referendariat angetreten. Zwei Jahre später, mit 26, war er Stufenleiter und Konrektor. „Die Stelle war dreimal ausgeschrieben, ohne dass sich jemand beworben hatte. Dann sagte der Personalrat, dass es so nicht weitergehen kann“, schildert Zeller ein Dilemma, in dem seinerzeit viele junge Lehrer steckten. Die 68er Generation war hin- und hergerissen zwischen persönlicher Karriere und allgemeiner Ablehnung staatlicher Autoritäten. Im Nachhinein spricht Zeller vom „Glück, beim Aufbau einer Schule dabei gewesen zu sein“. Sein Chef war der spätere Landrat des Kreises Offenbach, Josef Lach. Am 1. August 1985 wechselte Zeller von Nieder- nach Ober-Roden. Die NBS hieß damals noch Rodgauschule. Sie war 1970 als eine der ersten Gesamtschulen des Landes gegründet worden. Und hat Bildung nach Ober-Roden gebracht, wo es bis dato nur eine Hauptschule gab.

Widerstände gegen dieses neueste Experiment hessischer Bildungspolitik und seiner Form des Unterrichtens gab"s zuhauf. Leistungen wurden in Zeugnissen völlig ohne Noten bewertet. „Wie Eltern darüber gedacht haben, muss ich nicht erzählen“, umschreibt Zeller die Widerstände dieser Tage diplomatisch. Als die Rodgauschule erste Schritte hin zur Ganztagsschule unternahm, hagelte es noch ganz andere Vorwürfe: Zerstörer der Familie und sozialistischer Unruhestifter. Heute kann vielen Familien die Nachmittagsbetreuung nicht lang genug dauern.

Jochen Zeller steuerte die Integrierte Gesamtschule in ruhigeres Fahrwasser. Der Gründername Rodgauschule verschwand 1993; sie wurde nach dem großen alten Mann der katholischen Soziallehre, dem Jesuitenpater Oswald von Nell-Breuning, benannt. Der Namenswechsel brachte einen Imagewandel mit sich. Parallel dazu kämpfte die Schulgemeinde um eine gymnasiale Oberstufe. Selbst bislang skeptische Eltern standen hinter dem Konzept. Der damalige Erste Stadtrat Alfons Maurer (CDU) unterstützte die Schulleitung auch gegen Widerstände aus der eigenen Partei. Im Spätsommer 1994 begannen die ersten Elftklässler ihren Weg zum Abitur.

Bilder: Abiplakate an der Nell-Breuning-Schule

In diese Phase der Euphorie schlug eine Untersuchung des Kreises wie der Blitz ein. Der Südflügel der Schule war hochgradig mit Polychlorierten Biphenylen (PCB) verseucht. Einige Klassenräume hatten eine Schadstoffbelastung, die zehnmal höher als der Grenzwert war. Zeller: „Wir dachten, das ist das Ende. Mir zog"s den Boden unter den Füßen weg!“ Der Kreis startete ein Sanierungsprogramm, das fast sechs Jahre dauerte und umgerechnet mehr als sechs Millionen Euro kostete. Unsere Zeitung schrieb damals, dass Jochen Zeller auch ein guter Bauleiter wäre. Während dieser schwierigen Zeit hatte der Rektor fast häufiger mit Architekten, Gutachtern, Handwerkern und Verwaltungsleuten als mit Schülern oder Eltern zu tun.

Seine Befürchtung, die PCB-Krise sei das Ende der Schule, bewahrheitete sich gottlob nicht. 1997 entließ Zeller den ersten Ober-Röder Abi-Jahrgang ins Studium oder Berufsleben. Bei Zellers Abschied ist die NBS - unter anderem - Europaschule und hat das Gütesiegel für Hochbegabung. Die gut 1 400 Fünft- bis Dreizehntklässler kommen aus Rödermark, Eppertshausen und Rodgau, aber auch aus Dreieichenhain oder Mühlheim in die Kapellenstraße. Jochen Zeller hat in seinen mehr als 30 Jahren an der Rödermärker Gesamtschule rund 10 .000 Zeugnisse verliehen. (lö)

Abschluss der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule in Ober-Roden: Fotos

Quelle: op-online.de

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