Ausländische Lehrkräfte der Nell-Breuning-Schule

Stockfisch und Sprung durchs Eisloch

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Das portugiesische Blütenblatt an der iberischen Blüte des Europabaumes nimmt sich ehe bescheiden an. In Portugal liegen die Wurzeln von Ruben Sousa, zur Welt kam er in Offenbach.

Ober-Roden - Die Nell-Breuning-Schule ist eine Europaschule mit vielen internationalen Kontakten. Das spiegelt sich auch im Kollegium wider, die Lehrer kommen - die Bundesrepublik eingerechnet - aus zehn Ländern: Griechenland, Italien, Türkei, Portugal, Spanien, Finnland, Kroatien, Ungarn und Polen. Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen. Von Michael Löw

Manchmal kommt’s nur auf den Blickwinkel an. Ruben Sousa ist ein hessischer Portugiese oder ein portugiesischer Hesse. Unter Nationalität steht „Deutsch“ in seinem Pass. Der 36-jährige Deutsch-, Geschichts- und Sportlehrer ist ein Enkelkind der ersten Gastarbeiter-Generation. Seine Mutter stammt aus Lissabon, sein Vater aus Porto. Geboren wurde Ruben Sousa im Offenbacher Stadtkrankenhaus, zweisprachig aufgewachsen ist er bei seinen Eltern Großeltern in Jügesheim. „Werte wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, also die typisch deutschen Tugenden, sind mir da ins Blut geflossen“, beschreibt er seine Charaktereigenschaften.

Ruben Sousa hat nach dem Abi eine Ausbildung zum Hotelkaufmann begonnen, diese erfolgreich nach zweieinhalb Jahren beendet und sich anschließend für den hessischen Staatsdienst entschieden. Der Lehramtsstudent absolvierte sein erstes Praktikum an der NBS. Hinterher fragte die damalige Konrektorin Karin Porzelle, ob er über die Unterrichtsgarantie U-plus den Kontakt zur Schule halten wolle. Das Referendariat und schließlich die Festanstellung im Jahr 2007 waren die logische Konsequenz. „Wir haben hier ein super Kollegium, tolle Kinder und Jugendliche und generell eine sehr angenehme und produktive Arbeitsatmosphäre. Das hat mir geholfen, Fuß zu fassen“, schwärmt Ruben Sousa.

Derzeit bereitet er seine neunte Klasse auf den Übergang in die zehnte vor. Er ist mit den Schülern ein langes Stück Weg gemeinsam gegangen: „Wenn man sie von der sechsten Klasse an kennt, weiß man, wie sie ticken.“ Umgekehrt können die Jugendlichen auch ihn ziemlich gut einschätzen und vertrauen ihm so manches Problem an.

Jenseits des Unterrichts unterstützt Ruben Sousa die Schulleitung bei der Stundenplan- und Vertretungsplan-Planung. Da sind wohl deutsche Tugenden wie Organisationstalent gefragt.

Bekannt aus einer Esoterik-Show

„Daheim habe ich nichts typisch Portugiesisches“, sagt er und schränkt ein: „...doch, gefrorenen Stockfisch in der Tiefkühltruhe.“ Der mit Salz getrocknete Fisch ist selbst in Zeiten der schnellen Kühlketten immer noch ein Leibgericht der Portugiesen. Wenn Ruben Sousa in ein paar Wochen ins Ferienhaus seiner Großeltern an die Algarve fährt, füllt er seinen Stockfischvorrat wieder auf. Der Sportlehrer ist auch außerhalb des Unterrichts ein sportlicher Mensch. Beim Joggen, Schwimmen und Radfahrer findet er seinen Ausgleich. Die Fußballschuhe, die er fast 20 Jahre für den SV Jügesheim geschnürt hat, hängen aber am berühmten Nagel.

Die dicke Strickjacke mit den Elchen hat Leanaliisa Pirhonen-Kornhauser bei Temperaturen jenseits der 30 Grad extra fürs Foto angezogen.

Welche Schule hat schon eine Musiklehrerin im Kollegium, die als Pianistin in vielen Ländern Konzert gab und in ihrer Heimat regelmäßig bei Fernsehshows spielte? Die Finnin Leanaliisa Pirhonen-Kornhauser (52) unterrichtet seit 2009 an der NBS - außer Musik auch Englisch. „Musik ist eine internationale Sprache und integriert Kinder aller Nationen, wenn ich mit ihnen singe“, sagt sie. Wobei der Gesang nur ein Aspekt des Unterrichts ist. Leanaliisa Pirhonen-Kornhauser dreht mit den Kindern Soundvideos zu selbst komponierten Liedern und studiert Musicals ein. Von der Klasse 6 a und ihrem 2014er Hit „Der Müll muss weg!“ schwärmt sie immer noch.

Leanaliisa Pirhonen wurde in der nordfinnischen Großstadt Oulu geboren und hat dort auch studiert. In ihrer Heimat hat sie selbst komponierte Musicals veröffentlicht. Viele Finnen kennen sie von einer Esoterik-Show im Fernsehen. Da war sie die Frau am weißen Flügel und sang Lieder, die zum Gast des Abends passten: „Wenn das ein Hypnotiseur im Studio war, musste ich mir Lieder zu Hypnose einfallen lassen.“

Abiball der Nell-Breuning-Schule

Konzertreisen führten sie durch halb Europa, dann lernte sie ihren Mann kennen und zog nach Dietzenbach. „Deutschland ist meine Heimat geworden“, bekennt Leanaliisa Pirhonen-Kornhauser. Doch typisch Finnischem ist sie treu geblieben. Sie sei „verrückt nach Sauna“ und springe im Winter durch Eislöcher in einen der vielen Seen.

Als Musikpädagogin blickt Leanaliisa Pirhonen-Kornhauser mit einer Portion Wehmut nach Finnland. Der Schulchor aus Oulu, den sie im Mai für ein Konzert in Ober-Roden begeisterte, hat zum Beispiel fünf bis sechs Stunden Musik pro Woche. Hier sind’s zu ihrem Leidwesen nur zwei. Umso glücklicher ist sie bei Ausnahmen wie einem Comenius-Projekt mit Schulen aus Deutschland, Schweden und Spanien. Dafür hatte NBS-Rektor Jochen Zeller drei Extrastunden Musik im Stundenplan ermöglicht. In dieser Gruppe spielte Jimi Joel Eyrich, Rodgaus Kulturpreisträger 2014.

Musik ist das Leben von Leanaliisa Pirhonen-Kornhauser. Davon zeugen nicht nur Piano, Keyboard und andere Instrumente im Wohnzimmer. Ihre Leidenschaft hat auch auf ihren Mann abgefärbt: „Er singt einfach wunderbar.“

Quelle: op-online.de

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