„Hätte innerlich verbluten können!“

Haben Sanitäter Notfall am Bahnhof nicht erkannt?

Ober-Roden - Haben Sanitäter einen nächtlichen Notfall am Bahnhof falsch eingeschätzt? Ein 34-Jähriger erhebt schwere Vorwürfe gegen den Rettungsdienst: „Ich hätte innerlich verbluten können!“ Von Michael Löw 

Der letzte Zug, der in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober nach Frankfurt gefahren wäre, ist weg. Ein Mann (34) überlegt am Bahnhof Ober-Roden, wie er auch nach 2 Uhr noch sein Ziel erreichen kann. Da übergibt er sich und erschrickt: „Ich habe Blut gekotzt“, sagt er ziemlich drastisch im Gespräch mit unserer Zeitung. Das sei das erste Mal in seinem Leben gewesen und habe ihm Riesenangst gemacht.

Weil er kein Handy dabei hat, stoppt er eine Polizeistreife und bittet die Beamten, einen Krankenwagen zu rufen. Sie hätten das Blut im Erbrochenen gesehen und sofort den Rettungsdienst verständigt, lobt er. Die Sanitäter dagegen hätten den Angetrunkenen mit einem Blick in den Mund kurz abgefertigt. Es handele sich nicht um einen Notfall, er solle morgen zum Arzt gehen, hätte die Besatzung des Rettungswagens nach der Blitzuntersuchung zu ihm gesagt.

Tags darauf - es ist Samstag - übergibt sich der Mann daheim erneut und sieht wieder Blut. Die gleiche Feststellung macht er nach einem Gang auf die Toilette. Zum Arzt geht der 34-Jährige dann aber erst montags. Der schickt ihn nach einer Untersuchung sofort ins Krankenhaus. Dort wurde eine Arterie verödet, um die Blutungen zu stoppen. „Ein Arzt in der Klinik hat mir gesagt, dass ich innerlich hätte verbluten können“, erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Sanitäter. Erst Anfang dieser Woche habe er das Krankenhaus verlassen können. Inzwischen geht's ihm wieder gut.

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Unsere Zeitung hat den Kreis, dessen Leitstelle den Rettungsdienst koordiniert, mit den Vorwürfen konfrontiert. „Auch medizinische Notfalleinsätze unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht“, erklärte eine Kreissprecherin. Daher werde sie keine Auskunft geben.

Der 34-Jährige selbst könne jedoch Aufklärung fordern: Wenn Patienten der Meinung sind, dass bei einem Rettungseinsatz etwas schief gelaufen ist, können sie sich bei der Leitstelle beschweren. Die leitet die Sache dann an die Hilfsorganisation weiter, die den Krankenwagen geschickt hat.

Quelle: op-online.de

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