Nah dran an der Schwarzen Null

Defizit fürs städtische Kulturprogramm sinkt auf rund 1400 Euro

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Die Kulturhalle erfreute sich in der Spielzeit 2014/2015 nicht nur beim Publikum großer Beliebtheit. Auch das Hessen-Fernsehen zeichnete dort zum dritten Mal Fastnachtsveranstaltungen auf und will im Januar 2016 wieder kommen.  

Ober-Roden - Die Kulturhalle beendet die Spielzeit 2014/2015 lediglich mit einem Minidefizit von 1 380 Euro oder schafft sogar einen kleinen Überschuss. In den vergangenen Jahren musste die Stadt immer mindestens 10. 000 Euro für ihr Kulturprogramm zubuttern. Von Michael Löw 

„Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Spielzeit 2014/2015 wird mit einem neutralen Ergebnis abgeschlossen“, zogen Gregor Wade, der Leiter des Fachbereichs „Kultur, Vereine, Ehrenamt“, und Rita Bien vom Kulturbüro gestern mehr als zufrieden Bilanz. Sie gaben für Künstlerhonorare, Tantiemen, GEMA-Gebühren und andere Nebenkosten 271.330 Euro aus. Der Verkauf von Eintrittskarten brachte 269.950 Euro in die Stadtkasse. Rita Bien ist guter Dinge, die Lücke von knapp 1 400 Euro schließen zu können. Denn zum Saisonfinale am 18. Juni kommt Ingo Appelt, einer der populärsten deutschen Comedians, nach Ober-Roden.

Dieses Ergebnis ist für die städtischen Kulturmanager umso bemerkenswerter, weil die Extrakosten in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen sind. Seit Anfang 2014 werden die Vermittlungsleistungen von Künstleragenturen mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent besteuert, bisher galt der ermäßigte Satz von 7 Prozent. Die GEMA, die Interessenvertretung der Künstler, hat ihre Tarife von 2011 bis heute von 3,5 auf 5 Prozent erhöht und für die kommenden Jahre bis 2020 eine Steigerung um jeweils 1 Prozent angekündigt. Demzufolge muss die Stadt dann ein Zehntel des Erlöses aus Kartenverkauf an die GEMA abführen.

Außerdem stellt die Stadt bei all ihren Veranstaltungen einen Sanitätsdienst. „Unser Publikum wird immer älter“, begründet Rita Bien dieses Plus an Sicherheit, das pro Vorstellung mit 120 Euro zu Buche schlägt. Die Programmkosten waren deshalb mit besagten 271.330 Euro so hoch wie nie. In den vergangenen Jahren schwankten sie zwischen 205.000 und knapp 250.000 Euro. In dieser Zeit lag das Defizit normal bei ungefähr 10.000 und in schlechten Spielzeiten wie 2008/2009 bei rund 40.000 Euro. In dieser Rechnung sind weder die Leasingsraten für die Halle noch die Ausgaben für Personal oder Technik berücksichtigt.

Zu den 21 Theateraufführungen, Shows, Musicals, Opern und Operetten kamen zwischen September 2014 und Mai 10.300 Zuschauer. Das Abonnement ist die tragende Säule des Kulturprogramms, mehr als die Hälfte aller Tickets wurde vom Stammpublikum gekauft. Übers Wahlabo gingen 3 909 Eintrittskarten weg. 522 Karten wurden über das Musiktheater-Abonnement verkauft, jeweils gut 300 über die Reihen Boulevard und Musical. Ein Nischendasein mit 96 fest verkauften Plätzen fristet die anspruchsvolle Theater extra-Reihe. „Wir haben gezeigt, dass wir auch in Zeiten der Haushaltskonsolidierung ein abwechslungsreiches Kulturangebot machen können“, sagte Wade. Rita Bien nannte ein paar Gründe für die praktisch ausgeglichene Bilanz: Aufwändige Shows wie der Moskauer Eiszirkus, das japanische Trommelensemble „TAO“ oder der Auftritt von Martina Schwarzmann seien ausverkauft gewesen. Außerdem kauft die Stadt verstärkt preisgünstige Ein-Mann-Produktionen ein. Von Anfang Oktober bis Mitte Dezember war das städtische Kulturprogramm ausgesprochen dünn. Rita Bien: „Ich habe das Herbstloch vermieden. Egal, was ich in dieser Zeit anbiete - nichts lässt sich verkaufen.“

Samstag ab 19 Uhr lädt die Stadt Abonnenten und Stammgäste zum achten Mal zur Vorstellung des neuen Programms ein. Trotz prominenter Konkurrenz - Borussia Dortmund und VfL Wolfsburg spielen um den DFB-Pokal - haben sich fast 700 Besucher angemeldet. Diese Präsentation hatte einst mit 100 Neugierigen angefangen.

Quelle: op-online.de

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