Ärger in Ober-Roden

Unappetitliche Tretminen entlang der Rodau

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Kai Nees (im Hintergrund) hat sich die Arbeit gemacht und Hundehaufen mit roten Fähnchen markiert.

Ober-Roden - „Vor einer Stunde hab ich hier noch nichts gesehen und jetzt stehen hier lauter rote Fähnchen – was ist das?“ Anne Hagen, die bei einem kleinen Spaziergang die Sonne entlang der Rodau genießen wollte, wunderte sich nicht schlecht. Von Christine Ziesecke 

Entlang der Rodau zwischen Trinkbornschule und Rilkestraße standen plötzlich Dutzende leuchtend roter Fähnchen. Überall da, wo Hundehaufen sich breit machten. Dazu eindeutige Erläuterungstafeln, die auf die übel riechende und durchaus klebrige Ursache hinwiesen. Hundekot ist jetzt wieder ein vermehrtes Übel, besonders dann, wenn er direkt neben einem liebevoll gestalteten und stets gut gefüllten Tütenhalter für ebensolche Hinterlassenschaften liegt.

Das Problem ist nicht neu. Alle Jahre im Frühjahr tritt es vermehrt zutage. Doch die vielen Versuche, an die Einsicht bei Hundehaltern zu appellieren und ihnen sogar kostenlos die Aufräumarbeiten zu erleichtern, fruchten wenig. Kai Nees stellt deshalb Fähnchen gegen Hundekot auf. „Wir wohnen hier in diesem Haus am Weg, mit dem Schlafzimmer zur Rodau hin, haben selbst einen Hund und haben am Anfang dieses Weges mit der Interessengemeinschaft IGOR Tütenhalter für diese Abfälle aufgestellt.

Hundehaufen direkt unterm Tütenhalter

Nicht nur, dass die kleinen schwarzen Tütchen gerne zum Spielen in der Rodau genutzt und dann auch dort liegengelassen werden: Es liegen sogar Hundehaufen jeder Größe oft direkt unterm Tütenhalter“, ärgert sich der Hundebesitzer. Dabei sind nicht nur der Ekelfaktor dieser Rückstände die Quelle seines Unmutes, sondern vor allem die Gesundheitsgefährdung für den Menschen. „Hundekot stellt für den Menschen ein generelles Infektionsrisiko vor allem wegen Parasiten dar.“ Für alle, die mehr darüber wissen wollen, verweisen seine an Stöcken und Zäunen angebrachten Hinweisschilder auf einen Artikel der Zeitung „Frankfurt.de“, der die Gefahr der Spulwürmer näher erläutert. Rödermark hat 1300 gemeldete Hunde. Geht man nur allein davon aus, dass sie zweimal am Tag müssen, sind das 2600 Haufen täglich.

Jeden Morgen der gleiche Slalom. Schon um 7.30 Uhr erwartet Hannelore Röhrig und ihre kleine Läufergruppe ein Hundehaufen-Parcours entlang ihrer täglichen Laufstrecke zwischen Saalfeldener Straße und Kläranlage. Die bereitgestellten Beutel liegen derweil im Wald herum oder werden zum Spielen benutzt.

Wie Hannelore Röhrig und ihre Laufgruppe glauben, liegen die wohl alle im Breidert herum. Jeden Morgen umlaufen die Frauen im Slalom die Hinterlassenschaften. „Zur Zeit ist es wieder besonders schlimm. Man kann den Bergen fast nicht mehr ausweichen. Wir sprechen die Hundehalter manchmal auch an. Viele haben dann schon ein schlechtes Gewissen, andere meinen, die Wiesen und Felder und die Wegränder gehören ihnen. Mir tun besonders die Landwirte leid, die hier gesundes Getreide anbauen wollen.“ Michael Bittner, Pächter des Jagdreviers Ober-Roden Nord, berichtet, dass dieses Thema auch in der jüngsten Jagdversammlung hohe Wellen geschlagen habe, vor allem in Verbindung mit der Landwirtschaft. Die Landwirte sollen möglichst während der Bodenbrüterzeit die Wiesen nicht nutzen, doch Hunde – möglichst noch freilaufende – können ungestraft ihre Haufen hier absetzen. Das wird zur Recht als Ungerechtigkeit empfunden. Dazu komme der gesundheitliche Aspekt. Nicht nur die Spulwürmer, sondern viele Wurmarten und andere Infektionsquellen machten ihre Aussaaten kaputt oder belasteten sie unzumutbar.

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Landwirt Gaubatz hat der Redaktion dazu auch eine treffende Karikatur geschickt. Sie zeigt: Der Bauer, dem gerade ein Vierbeiner einen Haufen ins Getreide setzt, rückt als Ausgleich mit seiner Kuh an, die sich vor der Garage des Hundehalters erleichtert. Was witzig aussieht, ist gar nicht so weit her geholt. „Auch Hunde kann man erziehen“, ist sich Hundebesitzer Kai Nees sicher. Und wenn das schon nicht klappt: dafür gibt’s schließlich die Tütenhalter, die freundliche Menschen in der Stadt und am Feldrand aufstellen.

Quelle: op-online.de

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