„Kloster stand weit weg vom Kirchhügel“

Heimatforscher Karl Pohl gibt im Rothaha-Streit Contra

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Vorm mächtigen Portal der St. Nazarius-Kirche Ober-Roden hat Karl Pohl einen Plan der Nieder-Röder Gemarkung aufgefaltet. Dort - und nicht unterm „Rodgaudom“ - liegt seiner Ansicht nach das Kloster Rotaha. Das er im Gegensatz zum früheren Landesarchäologen Professor Egon Schallmayer nur mit einem „h“ schreibt.  

Ober-Roden - Für Wissenschaftler ist die Frage längst entschieden: Das Kloster Rothaha stand einst auf dem Ober-Röder Kirchhügel. Von Michael Löw 

Flurnamen wie „Am Forchheimer See“, „Am rauen See“ oder „Hörnersgraben“ legen die Vermutung nahe, dass es südlich von Nieder-Roden einst zahlreiche Teiche, Tümpel und Bäche gab.

Dieser Auffassung des früheren Landesarchäologen Professor Egon Schallmayer schließen sich Forscherkollegen, das Bistum Mainz und natürlich die meisten Rödermärker an. Nur der Nieder-Röder Heimatforscher Karl Pohl gibt öffentlich Contra. Das Kloster lag seiner Meinung nach inmitten feuchter Wiesen bei Rollwald.

Karl Pohl versteht sich als Einzelkämpfer gegen den etablierten Wissenschaftsbetrieb. Der pensionierte Bau-Ingenieur vermutet das 786 urkundlich erstmals erwähnte Kloster Rothaha zwischen Nieder-Roden und Rollwald. Damit geht er schon seit Jahren auf Konfrontationskurs mit Hessens ehemaligen Landesarchäologen Professor Egon Schallmayer, der den Kirchhügel im Zentrum von Ober-Roden als Standort betrachtet.

Rotaha bedeute „Rotwasser“

Pohls Widerspruch gegen Schallmayers Sicht der Dinge beginnt schon bei der Schreibweise. Das mittlerweile fast überall benutzte Rothaha sei falsch, das erste kleine „h“ hat seiner Meinung nach im Namen nichts zu suchen. Rotaha bedeute „Rotwasser“. Und Wasser gab"s in früheren Zeiten reichlich zwischen Nieder-Roden und Rollwald. Als Beispiele führt Karl Pohl Flurnamen wie „Am Forchheimer See“ oder „Am rauen See“ an. Der frühere Bauamtsleiter der Stadt Rödermark hatte für den Arbeitskreis Heimatkunde Nieder-Roden alte Gemarkungsbezeichnungen auf heutige Karten übertragen. „Da habe ich bei Rollwald eine wahre Ansammlung origineller Flurnamen gefunden“, sagt er: „Königswiese“ oder „Seelig“ etwa.

„Das musste einen historischen Hintergrund haben“, folgerte Pohl und suchte in Archiven und Urkunden nach weiteren Beweisen, die seine Annahme stützen. Seine Argumentation: Vorm Kloster wurde früher in der Regel in weltlicher Bau errichtet. Im konkreten Fall war"s ein so genannter Niwenhof, von dem aus die Gegend ums heutige Ober-- und Nieder-Roden verwaltet wurde. Zum Adelssitz kam dann das Kloster, in dem die weltlichen Herren ihre unverheirateten Töchter unterbrachten. Und weil sowohl Nonnen als auch Beamte versorgt werden wollten, entstanden drumherum Mühlen und Bauernhöfe.

Bodenforscher stießen auf Unregelmäßigkeiten

Im Frühjahr 2010 ließen Pohl und der Arbeitskreis Heimatkunde 1,2 Hektar Wiese nördlich von Rollwald mit einem Magnetometer untersuchen. Die Bodenforscher stießen auf Unregelmäßigkeiten, die sie als Reste eines 30 mal 10 Meter großen Gebäudes interpretierten. Für Grabungen fehlte den Hobbyhistorikern allerdings das Geld.

Spuren einer solchen Infrastruktur vermisst Karl Pohl im Zentrum von Ober-Roden. Die dem Kirchhügel nächstgelegene Mühle sei erst um 1580 gebaut worden - also Jahrhunderte nach der Stiftung des Klosters.

Karl Pohl hat acht Bücher und Broschüren geschrieben, in denen er sich mit dem über 1200 Jahre alten Kloster befasst. Er beleuchtete juristische Feinheiten fränkischer Schenkungen, verwandtschaftliche Beziehungen und die Besitzverhältnisse des Klosters Lorsch, dem Stammhaus des Klosters Rotaha. All das lässt für ihn nur einen Schluss zu: Nieder- und nicht Ober-Roden war sein Standort. Daran ändere auch die Lamm-Gottes-Kachel aus dem achten Jahrhundert nichts, die Professor Schallmayer bei der Renovierung der St. Nazarius-Kirche ausgegraben hat und die für ihn der handfesteste Beweis seiner These ist.

Große Illusionen, dass das Nieder-Röder Kloster Rotaha eines Tages als historische Tatsache betrachtet wird, macht sich Karl Pohl indes nicht. Bekannte Namen genießen in der Wissenschaft eine hohe Glaubwürdigkeit.

Aber Karl Pohl hat vor Jahren in Australien Gold gewaschen und ein paar kleine Nuggets zu Tage gefördert. Deshalb gibt er die Hoffnung nicht auf, dass er unter den Nieder-Röder Wiesen einen historischen Schatz findet.

Quelle: op-online.de

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