Mit fragwürdiger Anzeigenakquise schnelles Geld machen

Abzockern den Kampf angesagt

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Nicht immer haben bunte Broschüren mit öffentlichem Anstrich den Werbeeffekt, den ihre Herausgeber in E-Mails oder Faxen versprechen. Thomas Mörsdorf, der Leiter des Bürgermeisterbüros, hat sich in die Materie eingearbeitet und ist inzwischen Ansprechpartner weit über Rödermark hinaus.  

Ober-Roden -   Dubiose Geschäftemacher versuchen Einzelhändlern, Wirten und Handwerkern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Eine ihrer Maschen: Per E-Mail oder Fax fordern sie die Empfänger zur Überprüfung ihrer Adresse auf. Von Michael Löw 

Wer antwortet, schließt ein teures Anzeigen-Abo mit zweifelhafter Werbewirkung ab. Masche Nummer zwei: Trickser segeln unter falscher Flagge. Die Stadtverwaltung hat ihnen den Kampf angesagt, ihr Rat ist mittlerweile quer durch die Republik gefragt.  Das Schreiben hat einen amtlichen Anstrich: Der Verlag XY gibt ein Gewerberegister, einen Stadtplan oder eine Bürgerbroschüre heraus und preist seine Werbewirkung dem Rödermärker Handel und Handwerk an. Oft liegt dem Angebot eine alte Anzeige des betreffenden Unternehmens in einer städtischen Veröffentlichung bei und suggeriert: Alles hat seine Richtigkeit, es handelt sich um einen Wiederholungsauftrag. Schnell setzt der Kunde seine Unterschrift unter den Auftrag und ist im schlimmsten Fall 3 800 Euro los. Denn er hat einen Anzeigen-Dauerauftrag von drei Jahren Laufzeit abgeschlossen.

Ähnliche Summen muss zahlen, wer auf den Bestätigungs-Trick reinfällt. Da bekommen Geschäftsleute eine Mail oder ein Fax mit der Aufforderung, ihre Kontaktdaten für eine Branchenauskunft - die „zufällig“ der der Telekom ähnelt - zu überprüfen und die richtigen Angaben mit ihrer Unterschrift zu bestätigen. Oder eben Änderungswünsche zurück zu senden. Das Ergebnis ist genauso teuer.

Kampf bereits seit über zehn Jahren

Die Rödermärker Stadtverwaltung kämpft seit 2004 gegen diese fragwürdigen Methoden. Damals bekam sie immer häufiger Absagen, wenn sie in der heimischen Geschäftswelt nach Anzeigen für ihr Jahrbuch, Stadtpläne oder Broschüren für das Ferienprogramm fragte. Da machte sich die unliebsame Konkurrenz breit. Thomas Mörsdorf, der Leiter des Bürgermeisterbüros, forschte nach und stieß in eine Grauzone. Inzwischen verschickt er Warnungen im Zwei-Monats-Abstand.

Die Publikationen gibt es tatsächlich - gedruckt oder digital. Aber sie erscheinen in kleinen Auflagen und bedienen ein riesiges Verbreitungsgebiet. Da steht der Ober-Röder Heizungsbauer neben einer Pizzeria aus Kassel und einem Pflegedienst am Neckar. Mörsdorf: „Das Geld ist zum Fenster rausgeworfen!“ Nach seinen Recherchen haben über die Jahre hinweg Dutzende von Firmen aus Rödermark solche Verträge unterschrieben.

Die Maschen der Abzocker werden immer dreister. Im Gespräch mit potenziellen Kunden betonen sie stets den den quasi amtlichen Charakter ihrer Broschüren. Deshalb geht auch die Stadt in die Offensive. „Wir scheuen uns seit einiger Zeit nicht mehr, Namen zu nennen, und stellen unsere Warnungen auch ins Internet“, sagt Mörsdorf. Das beschert ihm Reaktionen aus allen Teilen Deutschlands. Wer das Internet mit entsprechenden Schlagworten füttert, stößt schnell auf die Homepage der Stadt Rödermark. Mit der Industrie- und Handelskammer Niederrhein telefonierte Thomas Mörsdorf erst vorige Woche wegen aufdringlicher Werber aus dem Oberschwäbischen. Auch ein Handwerker aus Ostdeutschland fragte um Rat. Die Stadt dürfe keine rechtsverbindlichen Auskünfte geben, schränkt Mörsdorf ein. „Aber wir können sagen, schauen Sie mal auf die und die Internetseite...“

Ein einziges Mal in all den Jahren blies Mörsdorf Gegenwind ins Gesicht. 2012 legte ein Verlag, der angeblich für soziale Projekte in Köln Anzeigen sammelte, Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Geschäftsschädigung ein. Sie wurde abgewiesen. Weitergehende „juristische Maßnahmen“ erwiesen sich laut Mörsdorf als leere Drohungen: „Davon lassen wir uns nicht einschüchtern.“ Allerdings ist er etwas vorsichtiger geworden. Seine Warnungen enthalten nicht mehr das Wort „betrügerisch“; Thomas Mörsdorf schreibt jetzt „fragwürdig“.

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Quelle: op-online.de

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