Videoüberwachung am Bahnhof: Polizei zieht Bilanz

Wachsame Augen des Gesetzes

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Nicht jeder schlendert so locker durch die schummerige Unterführung am Bahnhof Ober-Roden wie diese vier Jugendlichen. Ängstliche Menschen beschleicht dort immer ein mulmiges Gefühl. Doch sechs Kameras haben die Verbindung zwischen den Gleisen im Blick und versprechen Sicherheit.  

Ober-Roden - Die im Frühsommer scharf geschaltete Videoüberwachung hat den Bahnhof Ober-Roden sicherer gemacht. Stadt, Landes- und Bundespolizei zogen eine positive Bilanz. Möglichst innerhalb des nächsten Jahres sollen auch in Urberach Kameras installiert werden. Von Michael Löw 

Videokameras an strategisch günstigen Punkten plus gezielter Personaleinsatz - diese Kombination hat die Sicherheit am Bahnhof Ober-Roden deutlich verbessert, sagte gestern, rund sechs Monate nach der Freischaltung der Überwachung, der Erste Stadtrat Jörg Rotter. Seine Bilanz: „Weniger Vandalismus, weniger Verunreinigungen, weniger illegale Müllablagerungen, weniger Herumlungern, mehr Sauberkeit!“

Darüber hinaus hat die Polizei rund 15 Fälle von Diebstahl und Sachbeschädigungen sowie zwei Körperverletzungen aufgeklärt. Die seit Mai 2014 laufende Überwachung durch sechs Kameras in der Unterführung und drei Kameras auf dem Bahnsteig habe eine effizientere Kontrolle des Areals ermöglicht. Für eine statistische Analyse sei es nach gut sechs Monaten aber noch zu früh, schränkt der Leiter der Polizeistation Dietzenbach, Klaus-Peter Hoffmann, ein. Die Bundespolizeiinspektion Frankfurt vermeldet seit Einführung der Videoschutzanlage im Vergleich zum Jahr 2013 einen „erkennbaren Rückgang“ der Delikte rund um den Bahnhof. Ihr Sprecher Ralf Ströher sagt aber auch: „Ober-Roden war und ist fürs uns kein Kriminalitätsschwerpunkt.“

Videos helfen bei der Aufklärung von Straftaten

Die Überwachung per Videokamera hilft zum einen bei der Aufklärung von Straftaten. „Als mindestens ebenso wichtig erachtet die Stadt die präventive Wirkung und das verbesserte Sicherheitsgefühl der Bürger und S-Bahn Nutzer“, betont Rotter - Stichwort „subjektive Sicherheit“. Allein die Anwesenheit der Kameras verhindert Pöbeleien oder Alkoholexzesse. Noch mehr Sicherheit verspricht sich Rotter von der Sanierung des denkmalgeschützten Empfangsgebäudes. Zusammen mit dem umgestalteten Vorplatz werde dieses Projekt des Urberacher Investors Hans-Jörg Vetter den Bahnhof aufwerten.

Vor diesen ersten Erfahrungen ist es verständlich, dass alle Mitglieder der Arbeitsgruppe „Videoschutzanlage“ - Ordnungsamt, Bundes- und Landespolizei, Bahn, Kreisverkehrsgesellschaft sowie der Verein „Bürger für Sicherheit“ - Kameras auch am Bahnhof Urberach empfehlen. „Im Zusammenwirken mit geschulten Sicherheitskräften und dem jetzt wiederbelebten Freiwilligen Polizeidienst kann dies dazu beitragen kann, Gefahrenprävention und Straftatenverfolgung zu optimieren“, hofft Erster Stadtrat Rotter.

Er rechnet mit Kosten von rund 25.000 Euro. Damit wäre die Urberacher Überwachung 14.000 Euro billiger als die in Ober-Roden. Der dort installierte Server könnte auch die Daten des zweiten Bahnhof verarbeiten, deren Transport könnte über bestehende Leitungen erfolgen. Kreisverkehrsgesellschaft und Bahn wollen die Überwachung bezuschussen, denn Schmierereien oder Vandalismusschäden kosten sie viel Geld. Allein die demolierte Anzeigentafel schlug mit rund 50.000 Euro zu Buche.

72 Stunden lang Zugriff auf die Bilder

Die Ober-Röder Kameras zeichnen auf, was auf dem Bahnhofsgelände, den Parkplätzen und in der Unterführung passiert. Nur wenn es einen konkreten Anlass gibt - sprich: eine Straftat aufgeklärt werden soll - haben die Behörden Zugriff auf die Bilder, die 72 Stunden lang gespeichert und dann gelöscht werden. Das schreibt der Datenschutz vor.

Seit der Inbetriebnahme der Videoüberwachung arbeiten die Sicherheitspartner in Rödermark noch enger zusammen. Die Stadt überwacht den Bereich in ihrer Eigenschaft als Gefahrenabwehrbehörde. Die Bundespolizei ist zuständig für den Schutz der Reisenden und für das Gebiet der Bahnanlagen, beispielsweise die Unterführung, die Treppenabgänge und Bahnsteige. Quasi in ihrem Auftrag haben Rödermärker Ordnungspolizisten die Bahnhöfe im Blick: Sie wurden zu Hilfspolizeibeamten der Bundespolizei bestellt. Die hat bei Verdacht einer Straftat somit jederzeit Zugriff auf die aufgezeichneten Daten.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

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Quelle: op-online.de

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