SPD-Forderung nach Gewinnabschöpfung ohne Chance

Abriss von Paramount Park, Wohnungsbau an Kapellenstraße

+
Das „städtebauliche Krebsgeschwür“ (Norbert Schultheis) soll hochwertiger Wohnbebauung mit einem parkähnlichen Innenhof weichen. Dafür verzichtet die Stadt auf Gewerbeflächen und ändert den Bebauungsplan.

Ober-Roden - Der „Quartiershof Kapellenstraße“ - und damit der Abriss der „Paramount Park“-Ruine, der Fußballhalle und der einstigen „Saunaburg“ - hat eine wichtige Hürde genommen. Von Michael Löw 

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss die Änderung des Bebauungsplanes im Norden von Ober-Roden - allerdings nur mit den Stimmen der schwarz-grünen Koalition. Die Opposition lehnt Wohnungsbau in diesem Teil der Stadt ab beziehungsweise will den Gewinn der Investoren abschöpfen. Die letzte Sitzung des Stadtparlaments vor der Kommunalwahl bot Fraktionen und Magistrat nochmals Gelegenheit zum Schlagabtausch. Dabei ging"s eigentlich nur um ein Wort. Im Bebauungsplan „A 31 - An der Kapellenstraße“ sollte der „Schwerpunkt Gewerbe“ verschwinden und durch den „Schwerpunkt Wohnbebauung“ ersetzt werden. Seit vorigem Jahr ziehen die Eigentümer des 2006 abgebrannten „Paramount Park“ (Holger Faust, Frankfurt) sowie der benachbarten Fußballhalle und einer Sauna (Lothar, Udo und Roger Frank, Rödermark) an einem Strang. Ihr Architekt Dr. Siegbert Huther stellte am 25. November im Bauausschuss den „Quartierspark Kapellenstraße“ vor: 9 000 Quadratmeter Wohnungen, verteilt auf ein drei- bis fünfstöckiges Gebäude-Ensemble, mit einem zehnprozentigen Gewerbeanteil, möglicherweise Praxen, Büros oder Gastronomie.

Bürgermeister Roland Kern und die Fraktionsvorsitzenden von CDU und AL, Michael Gensert und Stefan Gerl, sehen im „Quartiershof“ nur Vorteile. Nicht erst seit dem Discobrand an Weihnachten 2006 wurde über Gewerbe in der Nachbarschaft von Nell-Breuning-Schule und Friedhof diskutiert - vergeblich. Das Wohnprojekt biete dem Norden von Ober-Roden endlich eine Perspektive. „Sonst bleibt dieses Gelände noch 10 oder 20 Jahr wie es ist“, warnte der Bürgermeister. Daher sind Magistrat und Koalition auch bereit, direkt an der Kapellenstraße auf gewerbliche Nutzung zu verzichten. „Wir geben Rödermarks letztes großes zusammenhängendes Gewerbegebiet auf“, hielt der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger dagegen. Er befürchtet einen Domino-Effekt. Sprich: Wenn vorne an der Kapellenstraße teure Wohngrundstücke ausgewiesen werden, verkauft weiter nördlich keiner mehr billigere Gewerbeflächen, sondern wartet aufs nächste Wohngebiet.

Für alle offen: Sebastian Herkner baut für IMM rundes Haus

Ähnlich argumentierte Peter Schröder von den Freien Wählern: „Wohnen mit zehn Prozent Gewerbe hilft Rödermark nicht weiter!“ Die CDU sei vor ihrem Koalitionspartner AL eingeknickt und denke nicht an Firmen, die Steuern zahlen und Jobs schaffen. Die SPD sieht die Beseitigung des „städtebaulichen Krebsgeschwürs“ durchaus positiv. Doch die Stadt dürfe dies den Investoren nicht vergolden. Norbert Schultheis forderte den Magistrat zu Verhandlungen über einen Wertausgleich auf: Die Grundstücksbesitzer sollen entweder die Kosten der Bebauungsplanänderung bezahlen, einen Teil der Grundstücke abgeben (Flächenabzug) oder einen Teil des gestiegenen Grundstückswertes an die Stadt überweisen. Mit einer solchen Gewinnabschöpfung verhindere die Stadt, dass auch die Eigentümer anderer Gewerbebrachen mit Wohnungsbau Kasse machen.

Bürgermeister Kern versicherte der SPD, dass die Investoren die Verfahrenskosten ohnehin bezahlen und durch einen Grundstückstausch mit der Stadt auf 15 Prozent Fläche verzichten. AL-Fraktionschef Gerl warf der SPD Sozialromantik vor: „Das Prinzip Robin Hood funktioniert im Wald von Sherwood, aber nicht im Ballungsraum Rhein-Main.“ Nach den langen vergeblichen Verhandlungen über Gewerbeansiedlung hätte die Stadt „die Wurst für die Investoren ein Stück größer machen müssen“ und den Weg fürs Wohnen geebnet.

Quelle: op-online.de

Kommentare