Christusträger-Schwestern in Waldacker

Ordensgemeinschaft mitten im Wohnviertel

+
Schwester Hildegard Graf leitet nicht nur den Pflegedienst im Haus Morija, sondern fasst selbstverständlich mit an, etwa in der beschützenden Gruppe „Mohn“ für Demenzerkrankte.

Rödermark - Unsere Redaktionen haben das Osterfest zum Anlass genommen, Geschichten der Klöster und ihrer Gemeinschaften in der Region nachzuspüren. Neun Christusträger-Schwestern leben als „Familie“ in Waldacker und haben sich dort auch eine Kapelle eingerichtet. Von Christine Ziesecke

Die Christusträger-Schwestern sind seit 1990 ein anerkannter und hoch geschätzter Teil Rödermarks geworden sind. Damals gründeten sie das Altenpflegeheim Haus Morija, kurz danach direkt daneben das Haus Mamre für betreutes Wohnen. Die Christusträger-Schwesternschaft ist eine evangelische Kommunität in ökumenischer Offenheit. Der Leitgedanken ihres Lebens lautet: Von Christus getragen - Christus tragen. Im Rödermärker Ortsteil Waldacker leben sieben evangelische und zwei katholische Christusträger-Schwestern gemeinsam in einem Haus, neben dem sie eine Kapelle gebaut haben - ein Raum für Einkehr, Rückzug und Gebet. Nach einem Jahr Wohnen im Heim zogen die Schwestern nach Waldacker.

Juristisch gesehen sind die Christusträger ein Verein. Sie leben in kleinen Familiengruppen mit höchstens zwölf Mitgliedern. Sie haben keine eigenen Konten, sondern nur eine Art Taschengeld zur persönlichen Verfügung. Ihr Leben verläuft gemäß den evangelischen Regeln, aber im ökumenischen Verständnis: Ehelosigkeit, Gütergemeinschaft, mündiger Gehorsam. Zur Ehelosigkeit kamen die Christusträger, weil sie sich sicher waren: „Es wäre gut, wenn wir für diese große Aufgabe, die Verantwortung für die Welt, ledig und frei bleiben würden.“ Wer sich entschieden hat, bleibt ein Leben lang dabei, auch ohne Gelübde, nur sich selbst und Gott verpflichtet, mit einem Ring mit Namen und Datum nach der endgültigen Eingesegnung. Die Rödermärker Christusträger-Schwestern kamen ganz unterschiedlich zu dieser Glaubensgemeinschaft. Schwester Dagmar Quenzer etwa, die Leiterin des Wohnbereichs „Mohn“ für Demenzkranke, lernte die Christusträger mit 28 Jahren während eines freiwilligen sozialen Jahres kennen und machte anschließend eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Sie sieht es als Berufung.

Anfängliche Skepsis bei der Stadt

Am 19. Februar 1990 zogen die ersten Bewohner aus dem Heim in Alsbach in das neue große Altenpflegeheim Haus Morija in Ober-Roden ein. Bei ihrer ersten Anfrage, in Rödermark ein Altenpflegeheim für umgerechnet 14 Millionen Euro zu bauen, wurde die Schwesternschaft argwöhnisch von der Stadt beäugt, hatte sie doch gerade so einige Erfahrungen mit anderen, eher sektenähnlichen, Glaubensverbindungen hinter sich. Diese Skepsis hielt auch nach dem rückhaltlosen Zuspruch seitens des Magistrats und der örtlichen Kirchengemeinden an - bis zu einer ökumenischen Gesprächsreihe, in der sich alle Konfessionen vorstellten. „Da sprang der Funke über; unser Erzählen über unsere Arbeit nahm die Zuhörer gefangen“, erinnert sich Schwester Regina Neidhart.

Nach dem Tod der langjährigen Leiterin Schwester Dorothea Lakowitz 2013 übernahm Schwester Sibylle Heiß das Haus Morija. Sie erläutert einige Grundsätze: „Viele von uns sind in unseren Altenhilfe-Einrichtungen tätig. Wir leben nicht hinter Klostermauern, sondern in Schwesternteams mit Familien-Charakter. Wir sind eine ordensähnliche Gemeinschaft ohne Tracht. Wir wollen proklamieren, dass es trotz großer Belastung im diakonischen Beruf möglich ist, als Schwestern der Lebensgemeinschaft den inneren Vorrang zu geben und diese Gemeinschaft zu pflegen.“ Dafür ist die räumliche Distanz zwischen Pflegeheim und eigenem Wohnbereich unerlässlich. Nur so kommen sie zum Abschalten und zur Ruhe - etwa in der eigenen Kapelle, die morgens und abends zum Treffpunkt wird.

Mutter Angelica: Die besten Sprüche der berühmtesten TV-Nonne

Mutter Angelica: Die besten Sprüche der berühmtesten TV-Nonne

Die Schwester in Waldacker arbeiten, leben, feiern zusammen - und fahren selbstverständlich auch zusammen in Urlaub. Daheim müssen sie sich oft zwingen, nicht über die Häuser Morija oder Mamre und ihre Arbeit zu reden. Eltern, Geschwister und Freunde sind im Schwesternhaus immer willkommen. Für sie wie für Besuche von Schwestern aus dem Ausland gibt es eine Einliegerwohnung. Schließlich engagieren sich die Schwestern zusätzlich zu ihrer aufreibenden Arbeit noch im Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde und im ökumenischen Arbeitskreis am Ort, sind im Zusammenschluss aller karitativen Vereine Rödermarks sowie im Diakonischen Werk Hessen-Nassau in Frankfurt vertreten.

„Überall, wo wir eine Arbeit angefangen haben, haben wir enge Gemeinschaft mit den Kirchengemeinden vor Ort, auch im Ausland“, weiß Schwester Heiderose aus Erfahrung. Sie hat drei Jahre Lepra-Arbeit in Pakistan geleistet, ehe sie 36 Jahre in Indonesien geholfen hat. Seit fünf Jahren ist sie wieder in Deutschland und lebt jetzt im Schwesternhaus in Waldacker. Die Arbeiten im Ausland dienen weitgehend der Aufklärung über Krankheiten in Schulen und armen Wohnvierteln. Schwester Barbara lebt seit 18 Jahren in Argentinien; Schwester Ulrike seit 2009 in Pakistan. Schwester Margarete ist gerade aus Argentinien zurückgekommen. „Alle Schwestern hier in Deutschland sollten auch ausländische Stationen erlebt haben“, erläutert Schwester Sibylle Heiß. Viermal im Jahr treffen sich die rund 50 in Deutschland lebenden Schwestern und 30 Brüder. Alle zwei Jahre gibt’s ein weltweites Treffen. Auch das hilft den Christusträgern, neue Kräfte zu sammeln für ihre verantwortungsvollen Aufgaben in den Häusern Morija und Mamre.

Quelle: op-online.de

Kommentare