Handy bedienen unmöglich

Mit der Rausch-Brille unangenehme Überraschungen erleben

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Händeschütteln fällt im Rausch gar nicht so leicht. Darüber amüsierten sich die Jugendlichen bei ihrem Anti-Alkohol-Tag.

Ober-Roden - Was geschieht mit mir, wenn ich 1,3 Promille intus habe? Kann ich dann noch alltägliche Handgriffe meistern? Diesen Fragen gingen gestern Jugendliche in der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule (NBS) in einem Trunkenheitsparcours auf den Grund.

Ruhe lag gestern Morgen über der Halle der Nell-Breuning-Schule, obwohl rund 50 Siebentklässler dort praktische Erfahrungen machten und experimentierten. Konzentriert durchliefen sie eineinhalb Stunden lang in fünf Gruppen den Mitmach-Parcours „KlarSicht“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der zwei Tage zusammen mit einem großen Informations- und Testangebot in der Schule Station machte. Alkohol und Tabak mit ihren Auswirkungen sollten hierbei näher durchleuchtet werden; von der Talkshow bis zu Schätzübungen oder auch Kostenrechnungen nahmen die Schüler regen Anteil. Besonders beliebt war der Parcours, in dem Aufgaben unter fingiertem Alkoholeinfluss (1,3 Promille Blutalkohol) gelöst werden mussten. Eine spezielle Rausch-Brille spiegelt dem Träger diesen Zustand vor.

Hier konnten im vermeintlich schon stark angetrunkenen Zustand alltägliche Fertigkeiten ausprobiert werden, die zweifellos an oder nach einem durchfeierten Abend sinnvoll sind: einem Freund die Hand geben, eine Strecke – etwa zum Nachbarortsteil – laufen, lesen, eine Telefonnummer (vielleicht zum Abholen) wählen, die geöffneten Schuhe binden, einen Ball ablegen – was recht kläglich misslang. Die Schüler waren sichtlich beeindruckt: „Ich habe alles versetzt und doppelt gesehen.“ „Es war alles verschwommen, ich wollte dauernd quer gehen.“ „Mein Distanzgefühl war total verändert.“ „Ich hatte gar keine richtige Wahrnehmung, es war wie Träumen“. Die Erfahrungen, die von den Jugendlichen beschrieben wurden, hinterließen ihre Wirkung – ganz im Sinne von Olmo Heinecke von der Aktion „KlarSicht“ , der in seiner Gruppe Pascal Jäger von der Feuerwehr Ober-Roden zur Seite hatte.

Die irrsten wahren Geschichten der Welt

Um diesen Mitmach-Parcours in der NBS zu realisieren, hatte die von der Stadt Rödermark angestellte Schul-Sozialarbeiterin Gabriele Martin-Pfau Kooperationspartner gesucht – und sie recht problemlos gefunden in der Asklepiosklinik Seligenstadt, der Feuerwehr Ober-Roden, der Polizei, der Suchthilfe Wildhof, der Alltagsdrogenberatung und natürlich der Stadt mit Ordnungsamt und Offener Jugendarbeit. Sie alle haben Mitarbeiter für die Projekttage entsandt, die es selber interessant fanden, erleben sie alle die Folgen von Tabak- und Alkoholsucht doch sonst nur vom anderen Ende, den oft verheerenden Auswirkungen her, statt von der Präventionsseite, und können doch als Multiplikatoren arbeiten.

Die Schüler waren beeindruckt – nicht nur von der Menge der Geldsscheine, die sich im Jahr beim Zigarettenverzicht ansammeln, sondern auch von der Liste der Giftstoffe etwa, die in Zigaretten enthalten sind – wer rechnet da schon mit Ameisen- oder Rattengift, das etwa bei der Lagerung des Tabaks zur Abschreckung von Ungeziefer vorsorglich ausgebracht werden?

Promillegrenzen im EU-Ausland

(chz)

Quelle: op-online.de

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