Innen weich wie Butter

Pappeln am Badehaus werden gefällt

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Die Rinde der Pappeln und die ersten Zentimeter Holz darunter sehen noch recht gesund aus. Innen sind die Stämme faul und teilweise hohl.

Urberach - Sicherheit geht vor: Die Stadt lässt hinterm Badehaus 18 Pappeln fällen. Wurzelfäule hat die Bäume zu Wackelkandidaten gemacht, die keinem Sturm mehr standgehalten hätten. Ein Gutachter hatte dem Magistrat zum Kahlschlag geraten. Von Michael Löw 

Sebastian Idecke, Chef der Firma „Rund um den Baum“ aus Waldacker, führt ein Experiment vor, das mehr sagt als jede Expertise: Er drückt den Stiel eines Gartenrechens sachte in den Stumpf einer Pappel, die einer seiner Männer gerade gegenüber der Berufsakademie gefällt hat. Der Stiel verschwindet gut einen Meter tief im Holz. Besser gesagt: In dem, was vom Holz übrig geblieben ist.

Wurzelfäule hat 15 der 18 Pappeln zwischen Badehaus und Kleingärtnerverein ausgehöhlt. Unter der Rinde stecken vielleicht noch zehn Zentimeter gesundes Holz, der Rest ist morsch. Deshalb müssen die Bäume, die rund 70 Jahre lang das Ortsbild entlang der Rodau geprägt haben, weg. Der Magistrat hat sich nach einem Gutachten zum kompletten Kahlschlag entschlossen, denn drei einzeln stehende Bäume bieten dem Wind kaum noch Widerstand.

Sebastian Idecke und seine Mitarbeiter rücken den Pappel mit zwei Methoden zu Leibe: Die höchsten Bäume - rund 22 Meter - werden abgetragen. Mit Steigeisen an den Schuhen und durch einen Gurt um die Hüfte gesichert, klettert ein Arbeiter bis kurz unter den Baumwipfel und zerlegt den Stamm von oben herab mit einer kleinen Motorsäge, bis nur noch ein acht bis zehn Meter hoher Stumpf steht.

Den kappt ein Kollege mit der großen Maschine: Er schneidet einen Keil in die Fallrichtung, setzt hinten einen weiteren Schnitt mit der Säge - und dann liegt der Reststamm auf der Straße. Idecke hat einen 40-Kubikmeter-Container bestellt, in den die zersägten Stämme sowie alle Äste, die dicker als ein Bein sind, wandern. Dieses Holz wird zu Hackschnitzeln für Heizungen verarbeitet. Der Rest kommt in den Häcksler.

Pappeln sind schnell wachsende Bäume, die - wie in Urberach - währen der dreißiger und vierziger Jahre entlang von Bächen und Flüssen gepflanzt wurden. Sie werden selten älter als 100 oder 120 Jahre, erläutert Idecke, dann droht meist die Wurzelfäule.

2009 hatte die Stadt dort schon einmal 16 Pappeln fällen lassen. Auch damals hieß die Diagnose Wurzelfäule. Die Straße Am Schwimmbad bleibt nicht lange so kahl. Nach Auskunft von Bürgermeister Roland Kern werden nach der Runderneuerung von Fahrbahn und Parkplätzen Bäume gepflanzt. Den Anblick von Pappeln wird"s aber nie mehr geben.

Quelle: op-online.de

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