Park am Entenweiher

Klein-Woodstock oder Ruhezone?

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Still ruht der Teich, der dem Park am Entenweiher seinen Namen gibt. Die Stadt will die fast 15.000 Quadratmeter große Grünanlage noch vorm Sommer so umgestalten, dass sie sich für (Kultur-)Veranstaltungen eignet. Nachbarn haben Unterschriften gegen diese Pläne gesammelt.

Urberach - Der Park am Entenweiher soll ein sauberer und sicherer Ort der Begegnung werden. Die Stadt will dies unter anderem mit einem Pavillon für Kulturveranstaltungen erreichen. Gegen dieses rund sieben Meter große Gebäude hagelt es Protest aus der Nachbarschaft. Von Michael Löw 

Bei einem Informationsabend im „SchillerHaus“ prallten die unterschiedlichen Meinungen aufeinander. Die Bürgerinformation zur Zukunft des 1972 eingeweihten und knapp 15.000 Quadratmeter großen Parks am Entenweiher war ein turbulenter Abend, der viele Bedenken und Sorgen zutage förderte. Im Zuge des Leitbildprozesses will die Stadt die Grünanlage zwischen Dreieichbahn, Rodaustraße und Wohnhäusern aufwerten und optimieren, sagte Bürgermeister Roland Kern. Dabei sollen drei Aspekte berücksichtigt werden: Nutzbarkeit, Sauberkeit, Sicherheit.

Herzstück der Überlegungen ist ein sechseckiger Pavillon von etwa sieben Metern Durchmesser, der Bühne und Lagerraum zugleich werden soll. Der erste Ausbauschritt kostet nach Auskunft des Bürgermeisters 25.000 Euro: jeweils 10.000 Euro für das Gebäude sowie die Anschlüsse für Strom und Wasser, 5 000 Euro fürs Drumherum. In einer zweiten Stufe könne auch eine Toilettenanlage dazu kommen. Die Stadt beteiligt sich mit 5 000 Euro, Alternatives Zentrum und Andere Liste steuern 1 000 beziehungsweise 500 Euro bei. Hauptsponsor ist die Sparkasse Dieburg.

In den vergangenen fünf Jahren haben Stadt, Vereine und Bürger den Park als Veranstaltungsort entdeckt: Brückenfest, Kinderfußball, Parteipicknicks, Kunst im öffentlichen Raum. Der Pavillon soll den Organisatoren das Leben leichter machen; außerdem, so Kern, sei er auf Dauer billiger als Miete und Aufbau einer mobilen Bühne.

Ausbaugegner kommen zu Wort

Leitbildpate Lothar Rickert, der Vorsitzende des Alternativen Zentrums (AZ), erläuterte das Nutzungskonzept: „Maximal acht, realistischerweise eher vier Veranstaltungen im Jahr.“ Die Kulturinitiative würde am Entenweiher zum Beispiel Open Airs ausrichten.

Kaum war Rickert mit seinen Erklärungen, die immer wieder von Unmutsgemurre unterbrochen wurden, fertig, meldete sich mit Robert Scherf der erste Ausbaugegner zu Wort. „Es ist eine Unverschämtheit, neben unseren Häusern ein Klein-Woodstock zu planen“ schimpfte er und drohte mit dem Gang vors Verwaltungsgericht. Urberach habe genug Orte für Kultur, ein weiterer sei völlig überflüssig.

Peter Montwè, der mit mehreren Nachbarn aus der „Seniorenresidenz am Badehaus“ zum Informationsabend gekommen war, ging in seiner Ablehnung nicht ganz so weit. Er begrüßte die Aufwertung und Veranstaltungen - sofern sie nicht bis in die Nacht dauern. Am Pavillon indes ließ er kein gutes Haar: Der schaffe noch mehr dunkle Ecken als es im Park ohnehin schon gebe und vergrößere das Unbehagen älterer Menschen. Die von der Sparkasse Dieburg gesponserte mobile Bühne ist nach den Erkenntnissen des früheren Getränkehändlers und langjährigen Festlieferanten nicht sonderlich teuer. Sie koste 250 Euro Miete plus Transport.

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Peter Montwè, Robert Scherf, Wolfgang Welz, Penelope und Siegbert Klemen beklagten den ihrer Ansicht nach miesen Zustand von Urberachs größter Grünanlage. Die Rodau liege voller Müll, im Entenweiher gammele ein Motorroller wochenlang vor sich hin, die Wege seien Schlammpfützen und die Papierkörben quellen über. Kummer bereiten den älteren Menschen Jugendliche, die sich abends im Park treffen und Krach machen.

„Ich habe dort noch nie pöbelnde Jugendliche oder Kinder erlebt“, widersprach unter anderem Helmut Voltz dem vermeintlichen Hort der Unsicherheit. Und je mehr Leben auf den Wegen herrsche, desto sicherer würden sie. Ähnlich argumentiert zum Beispiel die Polizei. Elisabeth Butz, die fast täglich durch den Park geht, lobte die Stadt: Sie habe ihn sicherer gemacht, als sie vor einigen Jahren viele Büsche und Bäume radikal zurück schnitt.

Befürworter und Gegner des Ausbaus gingen am Mittwochabend unversöhnt auseinander. Bürgermeister Roland Kern und Erster Stadtrat Jörg Rotter boten den Skeptikern Gespräche über ihre Bedenken an. Außerdem will die Leitbildgruppe die Debatte auswerten und ihre Sicht der Dinge am 26. Januar im Magistrat berichten. Kern weist weist zugleich auf einen einstimmigen Stadtverordnetenbeschluss vom 10. September 2013 hin: „Des Weiteren wird der Magistrat aufgefordert, die Nutzung des Geländes „Entenweiher“ als Veranstaltungsort im Rahmen des erstellten Leitbildes der Stadt Rödermark weiter zu verfolgen...“

Quelle: op-online.de

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