Es fehlen mindestens 200 billige Unterkünfte

Sozialwohnungen auf Kitagelände

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Die Kita Am Motzenbruch in Ober-Roden ist in die Jahre gekommen und recht marode. Sie soll durch einen Ein Neubau auf dem nicht mehr genutzten Festplatz soll sie ersetzen. Auf dem Kitagelände könnte dann sozialer Wohnungsbau entstehen.

Rödermark - Über das Ziel waren sich die Stadtverordneten einig, nicht aber über den Weg. Also diskutierten sie am Dienstagabend im Parlament engagiert über Möglichkeiten, wie in Rödermark mehr Wohnraum – insbesondere Sozialwohnungen – geschaffen werden könnte.

Die Zeit eilt, denn es fehlen in der Stadt etwa 200 preisgünstige Wohnungen. Und es kommen immer mehr Flüchtlinge. Nicht erst nach einem Expertengespräch im November im Kreishaus Dietzenbach steht fest: In Rödermark fehlen derzeit rund 200 Sozialwohnungen. Deshalb machte die SPD in der Stadtverordnetenversammlung mit einem Antrag den Vorstoß, dass der Magistrat eine Fläche für diesen Zweck erschließen solle. Auch regten die Genossen an, bei der Neuausweisung von Bauland dem sozialen Wohnungsbau generell einen Anteil von 40 Prozent einzuräumen.

Auch die anderen Fraktionen formulierten dazu ihre Vorstellungen. Eine Mehrheit fand letztlich der Antrag der Koalition aus CDU und Anderer Liste. Demnach wird der Magistrat beauftragt, zusammen mit Wohnungsbaugesellschaften bestimmte Standorte daraufhin zu prüfen, ob dort öffentlich geförderter sozialer Wohnungsbau möglich ist (siehe „Platz für 120 Wohneinheiten“). Partnerschaften mit gemeinnützigen, caritativen und privaten Investoren sind dabei in Erwägung zu ziehen. Geklärt werden soll auch die Frage, für welche Zielgruppen besonderer Bedarf an geförderten Wohnungen besteht. Einbezogen werden sollen in die Pläne barrierefreie und Generationen übergreifende Wohnungen und mögliche Flächenpotenziale in den Ortskernen von Urberach und Ober-Roden.

Vorausgegangen war eine engagierte Debatte. Hidir Karademir nannte für die SPD eine alarmierende Zahl: theoretisch hätten 50 Prozent aller Bürger in der Rhein-Main-Region Anspruch auf öffentlich geförderte Wohnungen. Gebaut werde aber kaum. Auch die Stadt Rödermark habe „durch Untätigkeit geglänzt“. Reimund Butz (Andere Liste/Die Grünen) sprach von etwa 200 Sozialwohnungen, die in Rödermark fehlen. Ein eigenständiges Wohngebiet dafür – also quasi ein Sozialquartier – auszuweisen, wie die SPD dies wolle, sei aber der falsche Weg. Deshalb habe die Koalition vorgeschlagen, besser mehrere einzelne Grundstücke „im Binnenbereich“ für diesen Zweck zu aktivieren.

Kommunen ächzen unter drastisch gestiegenen Sozialausgaben

Michael Gensert, Fraktionsvorsitzender der CDU, argumentierte in eine ähnliche Richtung und warnte vor einer „eindimensionalen Denkweise.“ Wohnungsbau müsse alle Gruppen einschließen: junge Familien ebenso wie Senioren und Bürger mit schmalem Portemonnaie. Die Ausweisung von Neubaugebieten davon abhängig zu machen, dass dort 40 Prozent Sozialwohnungen entstehen, sei „nicht durchsetzbar“. Die SPD schade dem wichtigen Thema mit solchen Vorschlägen nur. Das wollte Norbert Schultheis (SPD) nicht unkommentiert lassen. Die SPD wolle lediglich, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft würden, um den Engpass zu beheben. Und dies so schnell wie möglich. Denn von der Idee für eine neues Baugebiet bis zum ersten Spatenstich fürs erste Haus vergingen wegen vieler bürokratischer Hürden in der Regel acht Jahre. Es sei „eine Illusion“ zu glauben, dass durch Nutzung der wenigen von der Koalition vorgeschlagenen Grundstücke der Mietwohnungsmangel behoben werden könnte. „Sie verfehlen Ihr Ziel“, rief Schultheis der Koalition zu.

Auch Peter Schröder (Freie Wähler) und Dr. Rüdiger Werner (FDP) plädierten für Wohnungsbau nicht nur im Binnenbereich, sondern forderten überdies eine „Außenentwicklung“. (bp)

Quelle: op-online.de

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