Samuel Diekmann will Hessischen Gründerpreis gewinnen

Pastor vermietet 60 Pastoren

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Ober-Roden - „Rent a Pastor“ heißt die pfiffige Idee, mit der Samuel Diekmann es ins Halbfinale des Hessischen Gründerpreises geschafft hat. Der 34-Jährige vermietet tatsächlich Geistliche als Redner für Hochzeiten und Beerdigungen. Von Michael Löw

Er hat rund 60 Pastoren unter Vertrag, seine Agentur zählt zu den größten in der Republik. Samuel Diekmann, in Ober-Roden wohnender Pastor der frei-evangelischen Jesus-Gemeinde Dietzenbach, ist „mutig“. So hat nicht nur die Initiative „Gründertage Hessen“ die Kategorie betitelt, in der Diekmann zu den innovativsten Neu-Unternehmern des Landes gehören will. Mutig ist auch die Idee des 34-jährigen Kirchenmanns, der Kirche auf einem ihren ureigensten Geschäftsfelder Konkurrenz machen will. Aber - und auch das ist mutig - er tut’s mit kirchlichem Segen. „Ich kam 2005 als Pastor nach Dietzenbach. Aber weil ich nicht der Typ bin, der sich Vereinen anschließt, machte ich was ich kann und redete vorzugsweise bei Beerdigungen“, schildert Diekmann den Beginn seiner Nebentätigkeit. Der Kirchenvorstand der Jesus-Gemeinde stimmte zu, denn er konnte nie sagen, wie lange die kleine Gemeinde die Pastoren-Vollzeitstelle bezahlen kann.

Im Januar 2013 gründete er die Agentur „Rent a Pastor“ und vermietet Redner aus geistlichen Berufen. Sie halten Hochzeiten und Beerdigungen - sagt die Homepage. „Für uns ist eine Kirchenmitgliedschaft nicht zwingend erforderlich“, erweitert Diekmann den Kundenkreis in jede Richtung. Im Gegenteil: 80 Prozent der Interessenten haben überhaupt keinen Bezug zu kirchlichen Institutionen. Was nicht unbedingt bedeutet, dass diese Leute keinen Bezug zum christlichen Glauben hätten. Diekmann: „Genau an dieser Stelle wollen wir Brücken bauen.“ So ein Brückenbau kostet zwischen 500 und 750 Euro, denn die Mietpastoren orientieren sich beim Honorar an weltlichen Rednern. 20 Prozent überweisen sie an die Agentur, also an Samuel Diekmann, der die Homepage www.rent-a-pastor.com als gemeinsame Werbeplattform pflegt. Diekmann geht unternehmer-untypisch ganz offen mit Zahlen um. „2013 fingen wir mit einem Gewinn von 10.000 Euro an. Seither hat er sich von Jahr zu Jahr mehr als verdoppelt“, zieht er zufrieden Bilanz. Die inzwischen halbierte Pastorenstelle in Dietzenbach ist nur noch ein besseres Zubrot.

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Diekmanns Redner haben Paare schon in einem Flugzeug oder auf einem Schiff getraut. Weitere Locations sind (Bier-)Gärten, Strände und Weinberge. Schließlich verliere die Bibel kein Wort darüber, dass Trauungen nur in Kirchen stattfinden dürften. Samuel Diekmann hielt seine ungewöhnlichste Hochzeitsrede in einem französischen Schloss, das der Familie der Braut gehörte. Da waren mit Anreise und Spesen auch ein paar Euro über Tarif fällig. Bei der Beerdigung eines Künstlers ließ die Witwe 3 000 Kerzen in der Trauerhalle aufstellen. Da war sogar der nie um ein Wort verlegene Berufsredner einen Moment sprachlos. In nur etwas mehr als zwei Jahren wuchs „Rent a Pastor“ zu einer der größten deutschen Agenturen. Rund 60 evangelische Geistliche stehen in Diekmanns Kartei. Sie bilden nicht nur ein Redner-Netzwerk, sondern auch eine Redner-Familie. Der Chef hat zum Beispiel schon Talare in großen Mengen bestellt, damit seine Kollegen Mengenrabatt bekommen. Innerhalb der Familie ist es auch selbstverständlich, einander gegenseitig zu vertreten - sogar kurzfristig.

Samuel Diekmann hat noch keinen Hochzeitstermin verpasst. Aber seit ein Gospelchor ihn und das Brautpaar hat sitzen lassen, hat seine Redneranlage auch einen Anschluss für Musik aus dem i-Pad. Denn mit Worten allein hat auch die schönste Trauzeremonie wenig Wirkung. Um den Hessischen Gründerpreis haben sich 72 Firmen in drei Kategorien beworben, 36 haben sich fürs Halbfinale am 14. Oktober qualifiziert. Dann werden pro Kategorie drei Finalisten ausgewählt. Die 72 Neu-Unternehmer haben 640 Jobs geschaffen, darunter 397 Vollzeitstellen und 19 Ausbildungsplätze.

Quelle: op-online.de

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