Pfadfinder lernen richtigen Umgang

„Ein Werkzeug, keine Waffe“

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Kraft allein kriegt noch keine Dachlatte klein. Beim Sägen ist der richtige Zug viel wichtiger als bloßer Druck. Nur so flutschen die Zähne durchs Holz.

Ober-Roden - Kinder oder Jugendliche finden über die Tools auf ihrem Smartphone in Windeseile Informationen aus allen Ecken der Welt. Ein Latte gerade abzusägen wird dagegen manchmal zur Herkulesaufgabe. Von Christine Ziesecke

Deshalb vermitteln die Pfadfinder der Freien evangelischen Gemeinde das kleine Werkzeug-Einmaleins als Führerschein. Zum zweiten Mal gab’s in der Pfadfinder-Gruppenstunde der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) die Möglichkeit, den kleinen Werkzeugführerschein abzulegen. An mehreren Stationen erklärten die „Fahrlehrer“ einfache Werkzeuge und besprachen mit ihren Schülern Techniken und Sicherheitsregeln. Jeder der Teilnehmer konnte die Werkzeuge ausprobieren und bekam zu guter Letzt einen roten Button für den Messer- und einen grünen für den kleinen Werkzeugführerschein (Säge, Feile, Hammer). Nur mit diesen Abzeichen an der rechten Brusttasche der Pfadfinderkluft dürfen Kinder diese Geräte beim Zeltlager auch benutzen.

„Ich muss den Führerschein noch mal machen, ich habe meinen ersten Button verloren“, bedauert Dora, doch es scheint ihr auch beim zweiten Mal Spaß zu machen. Zunächst wird der einfache Werkzeugführerschein gemacht. Hier lernen die Pfadfinder, dass ein Hammer keine Waffe ist und dass man ihn - immer mit dem Stiel vorweg - erst übergibt, wenn der Andere mit „Danke“ antwortet und damit bestätigt, ihn fest in der Hand zu haben. Bei dieser Gelegenheit werden aber nicht der große Vorschlag- oder der Schlosserhammer erklärt, sondern der normale Werkzeugkoffer-Hammer - inklusive seinen Teilen wie Stiel, Kopf oder Gewichtsangabe. Und wie befestige ich einen lockeren Hammerstiel? Auch das lernen die FeG-Pfadfinder in dieser Gruppenstunde: Im Notfall tut’s schon mal ein Nagel, der den Kopf festklemmt.

Die Vielfalt der Sägen ist nahezu unendlich: Fuchsschwanz, Laubsäge und einiges mehr. Der Fachmann unterscheidet aber zwischen Spannsägen mit ihrem dünnen, immer fest anzuziehenden Sägeblatt und den anderen. Sitzt ein Sägeblatt locker, ist es höchstwahrscheinlich kaputt. Richtiges Spannen erleichtert richtiges Sägen. An einer Dachlatte üben die Pfadfinder, wie schwierig vor allem das Ansägen ist, da hilft oft ein leichtes Vorritzen mit dem Taschenmesser. Und dann kommt die Frage der Kraft, denn nicht immer gilt: viel hilft viel. Vielmehr erleichtert ein nur sachter Druck das Fassen der Sägezähne. Am Ende des Sägevorgangs braucht’s jemanden zum Festhalten des abgesägten Stückes, denn beim Abbrechen franst es sonst aus. Und da wiederum hilft höchstens die Feile, das nächste der erprobten Werkzeuge. So geht es auch mit Taschenmesser und Fahrtenmesser weiter. Die vielen Werkzeuge hat die Freie evangelische Gemeinde für ihre Jugend teilweise geschenkt bekommen, teilweise selbst gekauft.

Teambuilding-Aktionen im Überblick

Beim Sommerlager, das die Rödermärker Pfadfinder für die ganze Region in Hofbieber in der Rhön organisieren, können die Pfadfinder den erweiterten Werkzeugschein machen. Dann geht’s auch um die Axt, um große Sägen und manches erst einmal Unhandliche mehr. Zum Handwerk gehört das Schwitzen. Das muss auch Pastor Jens Bertram erfahren, der ordnungsgemäß neben Pfadfinder-Hemd und -Halstuch eine feste Arbeitshose und natürlich auch Sicherheitsschuhe trägt. Da geht’s Rover Thomas Hunkel und den Jungpfadfindern Robin, Dora, Jasmin und Annika im leichten Sommerdress schon besser. Das erste Pflaster allerdings braucht David. Es wurde aber schon vor Beginn der praktischen Übungen verteilt; die Werkzeuge jedenfalls waren nicht schuld daran.

Quelle: op-online.de

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