Photovoltaikanlagen in Rödermark

Sonnenstrom bleibt profitabel

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Auf dem Feuerwehrstützpunkt in der Kapellenstraße nahmen die Kommunalen Betriebe im Juni 2009 die erste städtische Photovoltaikanlage in Betrieb.

Rödermark - In Frankfurt wurde gestern ein Aktivhaus eröffnet. Dessen 1 300 Sonnenzellen erzeugen mehr Strom als in den 76 Wohnungen verbraucht wird. Davon sind die Photovoltaikanlagen auf Rödermärker Dächer noch ein ganzes Stück entfernt. Von Michael Löw 

Aber ihre Betreiber - egal, ob Unternehmer, Vereine, Petrusgemeinde oder Stadt - sind zufrieden. Strom aus Sonnenlicht rechnet sich. Rödermarks größtes Sonnenkraftwerk steht auf den Hallen des früheren Stahlbauunternehmens Herdt in der Messenhäuser Straße. Bauunternehmer Jörg Rügemer hatte im März 2008 rund 1,4 Millionen Euro in die Photovoltaikanlage investiert, die seither mehr als 2,1 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugte. Der Computer, der Rügemers Anlage steuert und überwacht, hat ein paar interessante Zahlen ausgerechnet. 518.590 Liter Heizöl wären nötig gewesen, um soviel Strom zu erzeugen. Das hätte 1 684 Tonnen Kohlendioxid in die Erdatmosphäre geblasen. 2,1 Millionen Kilowattstunden reichen, um 475 Vier-Personen-Haushalte mit Strom zu versorgen oder mehr als zehn Millionen Stunden am Computer zu arbeiten.

Als Jörg Rügemer seine Anlage plante, stieß er allerorten auf Skepsis. Selbst bei der Hausbank musste der Geschäftsführer des alteingesessenen Bagger-, Fuhr- und Recyclingunternehmens um den Kredit kämpfen. Genau jene Bank warb wenig später bei einer Expertenrunde „Mittelstand und erneuerbare Energien“ mit Rügemers Kraftwerk. Rügemer speist seinen Solarstrom ins öffentliche Netz ein und verdient damit Geld. Wie viel? Das bleibt Geschäftsgeheimnis. Die Stadt beziehungsweise die Kommunalen Betriebe (KBR) sind Herr über acht Photovoltaikanlagen. Die erste wurde 2009 auf dem Dach der Feuerwache Ober-Roden installiert. Strom wird auch auf dem Betriebshof, der Kulturhalle, der Sporthalle Kapellenstraße und auf vier Kindergärten produziert. Spitzenreiter ist die Kulturhalle mit jährlich 78 530 kWh, der Mini-Kindergarten in der Carl-Zeiss-Straße kommt auf 8 341 kWh. Macht aufs Jahr gerechnet knapp 153 Tonnen weniger Kohlendioxid.

„Solange wir unser Geld wieder rauskriegen, sind wir zufrieden“, sagt Klimaschutzmanager Jochen Bury, der den Umweltgedanken in den Mittelpunkt städtischer Überlegungen rückt. Die KBR bekommen für neue Photovoltaikanlagen zwischen 11,5 und 12,2 Cent je Kilowattstunde Strom, den sie verkaufen. Das ist nicht einmal die Hälfte der Einspeisevergütung fetter Jahre, aber die Solarzellen und die Technik darunter werden auch immer billiger. KBR-Mitarbeiterin Silke Berbig kalkuliert für eine Photovoltaikanlage auf der früheren Helene-Lange-Schule in Urberach nur noch mit Kosten von etwa 15 000 Euro. Für die Anlage auf der Kita Bruchwiesenstraße hatten die KBR noch 40.000 Euro bezahlt.

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Längst haben auch Vereine das Sonnenlicht als Geldquelle entdeckt. Der BSC Urberach, der Tennisclub Ober-Roden und die Turngemeinde Ober-Roden sind unter die Stromlieferanten gegangen und ließen bei der Erneuerung ihrer Hallendächer Photovoltaikanlagen montieren. TGO-Vorsitzender Karlheinz Weber zieht eine mehr als zufriedene Bilanz: „Unsere Anlage wird innerhalb von zehn Jahren abbezahlt sein. Ab dann fließt das Geld in unsere Kasse.“

Die TG hat sich 2011 eine Einspeisevergütung von 27,8 Cent/kWh auf 20 Jahre hinaus gesichert. Das bringt per anno 7000 Euro. Rödermarks Solarstrom-Pionier war die Urberacher Petrusgemeinde. Am 11. April 2001 nahm sie die erste öffentliche Photovoltaikanlage in Betrieb. Aus Sonnenlicht wurden in nunmehr 14 Jahren 30.695 Kilowattstunden klimafreundlicher Strom. Wer übrigens glaubt, dass Sonnenkraftwerke am produktivsten sind, wenn die Sonne am intensivsten scheint, der irrt gewaltig. Bei den Rekordtemperaturen des Wochenendes schalteten sich etliche Module automatisch aus, um einer Überhitzung vorzubeugen. Aus technischer Sicht ideal wäre ein Wintertag mit leichten Minusgraden und 15 Stunden Sonnenschein. Den gibt"s in unseren Breiten aber leider nicht...

Quelle: op-online.de

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