Pointen-Profis wieder nicht zu bremsen

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Das Ehepaar Schmidt alias Klaus Auth (links) und Holger Groh als Ehepaar Schmidt im Kampf mit oder gegen das vom Schwiegersohn geschenkte neue Navi und dessen leibhaftig gewordenem Zeigefinger (oder durchaus auch mal Mittelfinger).

Urberach - Schon bei der Ortsangabe fängt die Komik an: MurXXbrothers und Urberach? Geht gar nicht! Schließlich entspringen die Kabarettisten und Musiker allesamt dem Volkschor Ober-Roden und sind mit dem Jazzclub verwurzelt.

Aber siehe da: geht doch! Dies bewies der Auftritt, der die Komiker am Wochenende im Rahmen des AZ-Programms in die Kelterscheune trieb. Der Raum hätte wohl mehrfach gefüllt werden können, wäre da nicht die begrenzte Platzzahl gewesen. Nur ein Teil der Zuhörer kam aus Ober-Roden angereist, und auch nur ein Teil der Zuhörer kannte die Kelterscheune bisher überhaupt – also tatsächlich ein bunt gemischtes und durchwachsenes AZ-Publikum mit MurXXer-Fan-Schwerpunkt. Die Truppe um das Dreigestirn Gerd Weber, Klaus Auth und Holger Groh nutzte die merkwürdige Konstellation nicht über Gebühr aus, sang im Vorspann und im Nachklapp humorvoll, aber nicht überzogen über Ober-Roden und die östlichen Nachbarn und nutzte ansonsten wie stets seine kabarettistische Unschlagbarkeit.

Für Fans war „Da hammer den Salat“: bekannte Hausmannskost, wie immer selbstverständlich mit Frischkost aufgepeppt und mit ganz neuen Blättchen garniert. Doch gerade die immer wiederkehrenden Figuren wie das Ehepaar Schmidt, das diesmal mit einem Navi haderte, oder der Besuch beim Arbeitsamts-Fachberatungsspezialisten, die Gespräche im Altenheim oder an der Stammtisch-Theke sind den Zuhörern wichtig. Sie sind das Verlässliche, bei dem man schon lacht, wenn nur das Telefon und der Aktenordner auftauchen, der erste Name fällt oder der torkelnde Dauergast über die Bühne stolpert.

Wie immer unschlagbar: Mimik und Wortwitz, gerade auch im Dialekt keineswegs selbstverständlich. Vor allem aber besticht die große Musikalität und die gesanglichen Fähigkeiten der MurXXbrothers. Hier geben Tommi Tunker alias Thomas Müller an der Gitarre, Wolfgang Pfeiffer an Gitarre, Bass und zum Ausklang stimmungsvoll auch wieder an der Violine, Thomas Weichler am Klavier und Michael Ulfing-Durik an allem, was einem Schlagzeug ähnelt, den drei für „Gesang und Geschwätz“ zuständigen Hauptdarstellern den rechten Rahmen.

Das Publikum rastet traditionsgemäß spätestens beim Abschlusssong aus und ist nicht mehr auf seinen Plätzen zu halten. Beim Mitmachsong schaut Werner Groh an der Technik schon mal besorgt aufs Kelterscheunen-Ohr, das bei zu viel Lärm schlicht den Saft abschaltet – die Zugaben sind erwartungsgemäß unerlässlich und geben dem Abend einen keineswegs adventlichen Abschluss. Bis ganz am Ende nach „Highway to Hell“ alias „Erst uffm Heimweg wird’s hell“ doch noch mit „A ganze Weil“ ein stiller, sanfter Ohrwurm die Besucher teilweise eng umarmt mitsummen lässt. Ganz einfach MurXXrothers gut wie immer, auch in Orwisch!

(chz)

Quelle: op-online.de

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