Polizeistatistik 2014

Böse Buben auf dem Rückzug

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Egal, ob Videoüberwachung wie am Bahnhof Ober-Roden, aufmerksame Nachbarn oder Streifen der Polizei: Die Angst beobachtet zu werden, schreckt viele Ganoven ab.

Rödermark - 1 097 Straftaten registrierte die Polizei voriges Jahr in Rödermark. Das ist der zweitniedrigste Wert seit 2002. Gäbe es im Kreis Offenbach eine Sicherheits-Rangliste, belegte Rödermark Platz fünf. Von Michael Löw

Die Aufklärungsquote ging allerdings von 65,4 auf 57,5 Prozent zurück. Rödermark hat in Sachen Kriminalität eine Häufigkeitszahl von 4 141. Dieser zunächst sehr theoretisch anmutende Wert zeigt die Anzahl der angezeigten Straftaten hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. Niedriger liegt er nur in Mainhausen (2 496), Hainburg (3 424), Egelsbach (3 592) und Seligenstadt (3 984). In Rodgau (4 546) und Dietzenbach (6 012) ist das Risiko, Opfer eines Verbrechens zu werden, weit höher. Kein Wunder also, dass Erster Polizeihauptkommissar Klaus Hoffmann, Leiter der Polizeistation Dietzenbach, und Erster Kriminalhauptkommissar Michael Berkefeld, Chef der im gleichen Haus untergebrachten Ermittlungsgruppe, mit der Arbeit ihrer 42 Beamten zufrieden sind. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterten sie die Kriminalitätsstatistik 2014. 1 097 Straftaten bedeuten einen Rückgang von 9,2 Prozent im Vergleich zu 2013. Am gefährlichsten lebte es sich 2006 (1567 Delikte) und 2011 (1 656) in Rödermark. 2011 hatten allerdings 858 Betrügereien die Zahlen nach oben getrieben.

„Betrug geht generell zurück. 2014 waren es nur noch 189 Fälle“, sagte Hoffmann. Tankstellen zum Beispiel rüsten massiv mit Kameras auf, um Spritdiebstahl einzudämmen. Außerdem kennt die Polizei die Masche der Täter, die meist aus dem Ort kommen: Die klauen ein Nummerschild, schrauben es an ihr Auto und fahren damit zur Zapfsäule. Solche Ganoven sind relativ leicht zu ermitteln. Ähnlich sieht"s beim betrügerischen Einkauf im Internet aus. Die Ganoven bestellen die Ware oft an eine Hochhaus-Adresse, wohnen dort aber nicht. Da Onlinehändler die Ankunft der Päckchen per E-Mail ziemlich genau ankündigen, passen die Betrüger den Paketboten wie zufällig an der Haustür ab. Ein 500-Euro-Smartphone fürs Warten ist ein guter Stundenlohn. Doch die Betrüger halten sich für schlauer als sie sind, plaudert Berkefeld aus dem Nähkästchen. Onlinehändler hätten - anders als Banken - keine Scheu, verdächtige Bestellvorgänge der Polizei zu melden.

Mehr Einbrüche

Einbrecher tummeln sich nach wie vor gern in Rödermark. Sie suchten voriges Jahr 111 Wohnungen heim, das sind 20 Einbrüche mehr als 2013. 32 Mal schlugen sie tagsüber zu. Dieses Eindringen ins Private tut den Opfern extrem weh, deshalb schauen die Bürger hier besonders genau auf die Aufklärungsquote. Die stieg zwar auf 10,1 Prozent (nächtliche Einbrüche) beziehungsweise 15,6 Prozent (Tageseinbrüche), liegt aber immer noch weit unter der allgemeinen Aufklärungsquote von 57,5 Prozent. Doch auch hier sehen Hoffmann und Berkefeld eine Entwicklung zum Positiveren. Fast jeder zweite Einbruch (48 Prozent) scheiterte. Die Polizisten führen das auf mehrere Faktoren zurück: Hauseigentümer sichern Türen und Fenster immer besser, der Verein „Bürger für Sicherheit in Rödermark“ betreibt gute Präventionsarbeit, der wiederbelebte Freiwillige Polizeidienst schreckt doch so manchen potenziellen Täter ab. Außerdem würden Nachbarn inzwischen lieber einmal zuviel bei der Polizei anrufen, wenn sie Verdächtiges bemerken, hat Hoffmann festgestellt: Vor ein paar Wochen erst umstellte die Polizei das Postamt in Urberach. Doch die vermeintliche blaue Flamme eines Schweißbrenners entpuppte sich als Spiegelung eines Fernsehers.

Videoüberwachung ist ein weiterer Aspekt der Prävention. Die Beamten der Dietzenbacher Wache haben schon mehrfach Bilder der im Sommer scharf geschalteten Kameras am Bahnhof Ober-Roden angefordert, um die Fluchtwege von Einbrechern zu verfolgen. Die Bundespolizei klärte dank der Aufnahmen einen Fall von Körperverletzung.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

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Quelle: op-online.de

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