Prozess gegen mutmaßliche Metalldiebe

Ungebetene Gäste auf Firmenhof

Ober-Roden/Langen - Metalldiebe hielten im Sommer 2013 und 2014 Rödermärker Firmen in Atem. Offenbar gut organisierte Banden transportierten tonnenweise Kupfer, Nickel oder Aluminium ab, die Ermittlungen der Polizei verliefen meist im Sande. Von Michael Löw

Zwei mutmaßliche Kleinganoven standen jetzt vorm Amtsgericht Langen. Gewerbsmäßiger schwerer Diebstahl lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen ursprünglich drei Männer, die sich vorm Amtsgericht Langen verantworten mussten. Sie sollen am 10. Juli vorigen Jahres versucht haben, rund 1000 Kilogramm Aluminiumplatten im Wert von 8000 Euro von einem Firmenhof in Ober-Roden zu stehlen. Da ein Fahrer des Metallveredlers die ungebetenen Gäste sah und mit seinem Lkw die Einfahrt versperrte, blieb’s beim Versuch. Doch genau das machte die Wahrheits- und Urteilsfindung für Richter Volker Horn schwer. Eines stellte er von vornherein klar: Der Vorwurf des gewerbsmäßigen Diebstahls, der höher bestraft wird, ließ sich nicht halten. Aber danach reihten sich Mutmaßungen, Interpretationen, Verständigungsprobleme und angeblich nur lautere Absichten aneinander. Dass der mutmaßliche Rädelsführer abgetaucht ist und seit Montag mit Haftbefehl gesucht wird, erschwerte den Prozess zusätzlich.

Bleiben also der Fahrer, ein 39-jähriger Türke, der den Transporter rückwärts auf den Firmenhof rangierte und mit laufendem Motor darauf wartete, dass „Eisen eingesammelt wird“. Das jedenfalls hatten ihm seine Mitfahrer angekündigt und Zigaretten und Cola als Lohn versprochen. „Ich habe mir nichts dabei gedacht“, ließ er über einen Dolmetscher ausrichten. Er blieb im Auto sitzen, will nicht gesehen haben, was hinter ihm passierte und hupte, als nach zwei oder drei Minuten der Firmen-Lkw die Einfahrt dicht machte. Kurz darauf war auch die Polizei da. Weil der 39-Jährige nicht vorbestraft ist, drei Kinder und eine schwangere Frau hat, verständigten sich Richter, Staatsanwältin und Verteidiger darauf, das Verfahren gegen eine Geldbuße von 300 Euro einzustellen.

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Komplizierter wurde die Sache bei seinem Mitangeklagten, einem 53-jährigen Schrotthändler aus Hanau. Der Mann wurde definitiv auf dem Hof neben einer Palette voller Alu-Bleche gesehen, deren Verpackungsfolie geöffnet war. Ob sie aufgeschnitten war - so ist’s in der Branche üblich, sagte der als Zeuge geladene Lkw-Fahrer - und ob der Schrottler die oberen Bleche schon transportgerecht hingelegt hat, konnte das Gericht schon nicht mehr zweifelsfrei klären. Der Transporter war beim Eintreffen der Polizei jedenfalls leer. Die beiden Streifenbeamtinnen fanden zudem weder Fingerabdrücke auf den Blechen noch Handschuhe.

Stimmte also die Behauptung des Mannes, das Trio habe sich „alles nur angeguckt“? Dagegen wiederum sprach, dass er schon zweimal einschlägig vorbestraft ist. Erst vor wenigen Wochen hatte er seine Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Hanau von einem Jahr Haft zurückgezogen. Richter Horn verzichtete auf ein Urteil und regte an, den Ober-Röder Diebstahlversuch mit dem Hanauer Urteil zu einer Gesamtstrafe zu verbinden. Denn zum einen sei die Tat nicht ausgeführt worden und zum anderen erleichtere diese Kombination die Entziehungstherapie, die der seit Jahren hochgradig heroinabhängige Mann in einem Frankfurter Gefängnis beginnen will.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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