„Die Brücke“ setzt auf ein breites Angebot

Psychosoziales Zentrum: Ein Zuhause für kranke Seelen

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Die Kreativgruppe gestaltet Schmuckkarten mit Mut machenden Sprüchen. 

Ober-Roden - Der Name ist Programm: „Die Brücke“ nennt sich das Psychosoziale Zentrum des Diakonischen Werkes Offenbach-Dreieich-Rodgau im Breidert, das sich um Menschen in seelischen Lebenskrisen und psychisch Erkrankte kümmert. Von Regina Kirstein 

„Hier wird eine Brücke geschlagen zwischen Erkrankung und Wiedereingliederung in einen angstfreien Alltagsablauf“, erklärt die Leiterin der Einrichtung, die Psychotherapeutin Gudrun Pfahl. Ein ganz gewöhnlicher Morgen in der Wittenberger Straße: Die Frühstückszeit in der „Brücke“ geht aufs Ende zu. Zwei Frauen unterhalten sich noch bei einer letzten Tasse Kaffee. Ein älterer Mann ist in seine Zeitung vertieft. Ein anderer beginnt, den Tisch abzuräumen. Montags bis freitags von 8.45 bis 15 Uhr ist die Tagesstätte für psychisch kranke Menschen geöffnet, um ihnen eine Tagesstruktur und soziale Kontakte zu bieten. „Wer beispielsweise aus einer psychiatrischen Klinik entlassen wird, würde schnell wieder in ein dunkles Loch fallen, wenn er völlig auf sich allein gestellt ist“, erläutert Leiterin Gudrun Pfahl.

Auch für Patienten während einer ambulanten Therapie sei es wichtig, sich in einen geregelten Tagesablauf einzuordnen. Zum Programm gehört außer den gemeinsamen Mahlzeiten ein vielfältiges Angebot von Kunsthandwerk über Sport bis zur Geselligkeit. Das Psychosoziale Zentrum ist eine Brücke zur schnellen Hilfe in Notsituationen, für psychische und praktische Beratung und für die Unterstützung von Angehörigen - kurz: eine Brücke, damit niemand in ein seelisches Tief wegsacken muss.

Die Kreativgruppe hat schon über die Grenzen Ober-Rodens hinaus von sich reden gemacht. So war im Frühjahr die Ausstellung „Alles natürlich“ mit Collagen im Foyer der Jügesheimer Emmausgemeinde zu bewundern. Und wer auf einem der beiden farbenprächtigen Sitzrondells auf dem Urberacher Häfnerplatz ausruht, tut dies auf einer Gemeinschaftsarbeit der Rödermärker Künstlerin Sigrid Lang und „Brücke“-Kunsthandwerkern.

Inklusion zum Anfassen: So lobte Henning Merker, der Leiter des Diakonischen Werks (rechts), das Mosaik-Projekt am Häfnerplatz. Unter der Leitung der Bildhauerin Sigrid Lang (4. von links) verschönerten psychisch Kranke und Gesunde das Sitzrondell. Finanziert wurde das gut 4 000 Euro teure Kunstwerk großteils von Evelyn und Jürgen Glemser: Sie leben inzwischen in Bayern, sind ihrer alten Heimat Urberach aber immer noch eng verbunden. Die Stadt stellte den „Brücke“-Künstlern nach Auskunft von Bürgermeister Roland Kern nicht nur den Betonklotz zur Verfügung, sondern auch Wasser, Strom und einen Lagerraum in der Kelterscheune. 

Derzeit werden in der Kreativwerkstatt Grußkarten mit Sinnsprüchen verziert. „Die verkaufen wir dann auf einem Herbst- oder Weihnachtsbasar“, erzählt Gudrun Pfahl und fügt stolz hinzu: „Wir haben auch schon Auftragsarbeiten erledigt, wie beispielsweise größere Posten Weihnachtskarten.“ Stolz sein kann die „Brücke“ auch auf ihre Schreinerei, in der sowohl filigrane Figürchen entstehen als auch solide Sitzbänke. Außerdem gibt es eine Druckerei und eine Fahrradwerkstatt. Wer Musik mag, übt sich im Singen oder Trommeln. Für Bewegung sorgen Schwimmen, Nordic Walking, Gymnastik und Fußball. Zum lebenspraktischen Training der Tagesstätte gehören das Zubereiten von Frühstück und Mittagessen, inklusive Einkauf und Geschirrspülen. Das Mitmachen zahlt sich im kostenlosen Essen aus, für das sonst drei Euro gezahlt werden müssten. Auch Alltagstätigkeiten wie Behördengänge werden geübt. Ausflüge, Hirnleistungstraining, Gruppen- und Einzelgespräche runden das Angebot ab. Die Tagesstätte verfügt derzeit über 33 Plätze. Erforderlich zur Teilnahme ist eine fachärztliche Bescheinigung. Finanziert wird „Die Brücke“ vom Landeswohlfahrtsverband Hessen.

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Weiterer Schwerpunkt im Breidert ist die Beratung. Wer in eine seelische Lebenskrise gerät, weiß oft nicht, an wen er sich wenden soll. „Wir haben findet immer ein offenes Ohr“, verspricht Gudrun Pfahl. Das Büro ist montags bis freitags ab 9 Uhr besetzt, dienstags bis donnerstags bis 16 Uhr, montags bis 15 Uhr und freitags bis 14 Uhr. „Auch danach ist oft noch jemand anwesend, hört den Anrufbeantworter ab und ruft schnellstmöglich zurück“, sagt sie. Auf ein persönliches Gespräch mit ihr oder Diplompsychologe Torsten Baum muss niemand tage- oder gar wochenlang warten. „Das geht bei uns ganz schnell.“ Finanziell zuständig für die Beratung sind der Kreis Offenbach und die jeweiligen Kommunen. Insgesamt kümmern sich rund 15 Mitarbeiter im Breidert darum, dass kranke Seelen im Kreis Offenbach ein Zuhause bekommen.

Quelle: op-online.de

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