Raimund Schultz zeigt Radiosonden

Blick in die Wettergeschichte

Urberach - „Ich hab’ einen Tick für alte Messinstrumente“, sagt Raimund Schultz mit entwaffnender Offenheit. Unter anderem besitzt der Urberacher die bundesweit größte Privatsammlung von Radiosonden. Von Bernhard Pelka

Am Samstag, 9. Mai, stellt er sie in der Zentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach, Frankfurter Straße 135, am Tag der offenen Tür ab 11 Uhr aus. Fast sehen sie aus, wie im Kinderzimmer selbst gebastelte Phantasiemaschinen. Tatsächlich aber sind die Radiosonden aus dem Fundus des langjährigen DWD-Beamten sensible Messgeräte mit filigraner Mechanik. Mit hemdsärmeliger Bastelei hat das also nichts zu tun. Eine Radiosonde ist ein Messinstrument, das aus der Atmosphäre Werte zu den dort herrschenden Wetterelementen wie Luftdruck, Temperatur und Feuchte per Funk an eine Bodenstation sendet. Dazu steigen die Sonden an einem Ballon bis zu 30 Kilometer auf, bis der Ballon platz und die Sonde an einem Fallschirm zum Boden schwebt. Die Daten dienen dann der Wettervorhersage.

An neun Stationen in Deutschland steigen auch heute noch bis zu vier Ballons am Tag auf – als Ergänzung zur Satellitenmeteorologie. Bis zur Landung hat die Sonde diese Daten bereits an eine Bodenstation übermittelt. Mithin hat das Messinstrument seine Schuldigkeit getan und ist für den Wetterdienst überflüssig. Weil der Ort der Landung nach dem Aufstieg ohnehin nicht vorhersehbar war, überließ es der Wetterdienst dem Zufall, ob eine Sonde zurück in Expertenhände nach Offenbach findet oder nicht. Allerdings hatten die meisten Sonden einen Adressaufkleber.

Das Wetter in Ihrer Region

„Oft waren es Landwirte oder Spaziergänger, die ihren Zufallsfund dann abgegeben haben“, erläutert Raimund Schultz. Als Leiter der regionalen Messnetzgruppe Offenbach war der Verwaltungsbetriebswirt beim DWD zuletzt zuständig für 90 Wetterstationen in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Bei vielen dienstlichen Besuchen in den Wetterstationen in diesen Bundesländern erhielt er die von Passanten gefundenen Radiosonden. „Die Mitarbeiter wussten, dass ich da drauf steh’“, sagt der Pensionär. 20 Exemplare wird er am Samstag an seiner früheren Arbeitsstätte ausstellen und den Gästen bei Bedarf erläutern. Darunter wird auch eine Radiosonde des gleichen Typs sein, wie sie der Meteorologen-Pionier Alfred Wegener bei seiner Grönlandexpedition 1931 verwendete.

In den 60-er Jahren funkten die Radiosonden noch Morsesignale an die Bodenstation. Was heute digital aufgezeichnet wird, musste damals von Hand auf Diagrammpapier notiert werden. Mit Kopfhörern empfing Raimund Schultz die Morsetöne aus der Atmosphäre und setzte sie in Diagramme um. Ein Meteograph aus dem Jahr 1929 ist sein ältester meteorologischer Schatz. Das Gerät wurde von außen an Flugzeuge gehängt, um Luftdruck, -feuchte und -temperatur in den unteren Wolkenschichten zu messen. Höher als 3000 Meter kamen die Doppeldecker vor mehr als 80 Jahren aber nicht. Schultz führt die Besucher in Offenbach beim Wetterdienst zurück in eine Zeit, in der das Wetter noch ganz ohne Elektronik ermittelt wurde. „Das kommt immer gut an“, freut er sich schon auf Samstag.

Quelle: op-online.de

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