Zechpreller zu Bewährungsstrafe verurteilt

Benzin nicht bezahlt: „Vergessene“ Rechnung wird teuer

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Symbolbild

Waldacker/Langen - Weil er ohne Führerschein zum Tanken nach Waldacker gefahren ist und seine Spritrechnung von zehn Euro nicht bezahlt hat, stand ein 39-Jähriger vor Amtsgericht Langen. Richter Volker Horn verurteilte ihn zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Von Michael Löw

Zehn Euro und einen Cent zog der Angeklagte eines Betrugsprozesses vorm Amtsgericht Langen aus der Tasche. Er wolle endlich seine Schulden begleichen, die er seit fast zwei Jahren bei der OMV-Tankstelle in Waldacker hatte, sagte Martin B., ein arbeitsloser Fliesenleger aus Groß-Zimmern. Der Mann hatte am 25. Mai 2014 Sprit im Wert von 10,01 Euro in den Tank seines Suzukis gefüllt - im Glauben, einen Zehner und etwas Kleingeld in seiner Sporthose stecken zu haben. Doch die Tasche war leer; der 39-Jährige unterschrieb eine so genannte Schuldanerkenntnis und verpflichtete sich, die Rechnung am nächsten Tag zu zahlen. Er tat’s natürlich nicht. Staatsanwalt und Verteidiger stritten vor Gericht aber nicht lange über Vorsatz oder Vergesslichkeit, sondern ließen den Betrugsvorwurf nach Absprache mit Richter Volker Horn fallen. Zumal die als Zeugin geladene Kassiererin der Tankstelle das Geld für ihren Chef mit nach Waldacker nehmen konnte.

Seine Schusseligkeit kam den Angeklagten dennoch teuer zu stehen. Er war nämlich nicht nur ohne Geld, sondern auch ohne Führerschein von Groß-Zimmern nach Waldacker gefahren. Warum er sich ans Steuer setzte, wusste er vor Gericht nicht mehr. Er erzählte von psychischen Problemen seiner Freundin und erklärte: „Mein Kurzzeitgedächtnis lässt sehr zu wünschen übrig.“ Ein Langzeitgedächtnis hat aber das Bundeszentralregister. Dort hat der Zimmerer acht Einträge. Der erste stammt aus dem November 1993. Damals wurde der 17-jährige B. mit einem frisierten Mofa erwischt: Fahren ohne Führerschein - genau jenes Delikt, wegen dem er jetzt vor Gericht stand. Diese Jugendsünde wog am Ende schwerer als diverse Diebstähle und Raubüberfälle, mit denen B. sich Geld für Rauschgift beschaffte.

Staatsanwalt und Richter stuften ihn deshalb nämlich als Wiederholungstäter ein. Die von der Verteidigung geforderte Geldstrafe komme nicht in Betracht. Der Angeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, die Richter Volker Horn für drei Jahre zur Bewährung aussetzte. „Mit viel Bedenken und viel gutem Willen“, betonte er. B. hatte schon zweimal gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Daher gab der Richter dem geständigen wie reuigen Angeklagten, der sich seit dem Tankbetrug auch nichts mehr hatte zu schulden kommen lassen, eine Warnung mit auf den Weg: „Bei einem neuen Verstoß warten 16 Monate Reststrafe auf Sie. Dann fahren Sie ins Gefängnis ein!“

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Quelle: op-online.de

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