Umzug zum Biobauern nach Dietzenbach

Reiterhof „Akita“ kehrt Messenhausen den Rücken

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In zwei Gruppen kreuzten die Pferde die Straße in Höhe des Campingplatzes Offenthal. Bei den kleineren Pferden sorgte Mara Troschau (rechts) für einen gefahrlosen Übergang.

Messenhausen - Nach 35 Jahren ist der Reiterhof „Akita“ Geschichte. Die 24 Pferde zogen in einer großen Karawane durch Wald und Feld und über Hauptstraßen nach Dietzenbach um. Von Christine Ziesecke 

Ein Bild wie ein Frühlingstraum: 24 Pferde und Ponys traben durch sonnenüberflutete Wiesen und Wälder. Der Hof „Akita“ hat am Himmelfahrtstag alle seine Tiere aus Messenhausen ins neue Domizil, den einstigen Bio-Hof in Dietzenbach, umgesiedelt und das „zu Fuß“ - oder besser: zu Huf. 24 Pferde wurden ins neue Heim geritten, selbst die beiden ältesten, „Sunnyboy“ und „Krümel“, die eigentlich gefahren werden sollten. Von Messenhausen führte ihr Weg durch den Wald am Campingplatz in Offenthal vorbei über die erste Straße. Kurz vor Götzenhain überquerte der Tross die zweite Straßen. Hier sicherte aufgrund des höheren Tempos der herannahenden Autos und der schlecht einsehbaren Strecke Polizeioberkommissar Ingo Jirouschek mit drei Kollegen den Überweg. Dann ging"s nur noch durch Wald und Flur, ehe die ganze eindrucksvolle Gruppe ohne jegliche Zwischenfälle in der neuen Heimat ankam.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge winkten Uschi Weidenbusch-Baist und die übrigen „Akita“-Reiterinnen auf dem Weg hoch zur Schönwaldau ihrer alten Heimat Messenhausen ein letztes „Lebewohl!“ zu.

„Es war ein Wagnis, nachdem wir in dieser Saison erst einmal im Gelände waren!“, waren „Akita“-Chefin Uschi Weidenbusch-Baist und ihre Tochter Carina Baist erleichtert, als die ganze Mannschaft wohlbehalten auf dem neuen Gelände „An der Löcherwiese 1“ in Dietzenbach ankam. 35 Jahren gehörte der Pferdehof zu Messenhausen, erst von Privat gepachtet, davon die letzten 23 Jahre im Besitz der Familie Weidenbusch-Baist. Die juristische Form: eine geduldete, nachdem anfangs - so Anwalt Michael Gensert - im Außenbereich wohl einiges schief gelaufen und dann weitergetragen worden ist. Das Landschaftsschutzgesetz und die Naturschutzbehörde des Kreises, die das „Akita“-Areal einem „höheren Gemeinwohl“ (wie etwa privaten Wohnraum) zugeführt sehen wollen, und eine immer wieder drohende Abrissverfügung haben die Pferdefamilie letztlich zum Umzug bewogen: Die Weidenbusch-Baists haben lange gesucht, lange gezittert und Anfang Dezember vom Dietzenbacher Stadtparlament den Zuschlag erhalten. Ihr Hof wurde geteilt verkauft; am Eichenweg will der neue Besitzer überwiegend Wohnungen bauen.

Die Anfänge des Hofes „Akita“ gehen auf das Jahr 1980 zurück, als Familie Baist in Messenhausen mit der Pferdehaltung begann. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahre ein kleiner Reitschulbetrieb. Hauptanliegen war und ist es, Kindern den Kontakt mit Pferden und grundlegende Bewegungserfahrungen zu ermöglichen. Heute hat der Hof rund 200 Reitschüler jeden Alters. Die Ausbildung von Uschi Weidenbusch-Baist zur Reittherapeutin und die Gründung des Vereins für „Reitsport & Therapeutisches Reiten Rödermark“ haben das Spektrum ausgeweitet. Nächstes Ziel auf dem neuen sehr viel größeren Gelände ist die erste Paddock-Haltung – ohne festen Stall, höchstes im überdachten Freigelände - in der Region.

Bilder: Pferdehof „Akita“ zieht um nach Dietzenbach

Die Familie sowie alle Pferdebesitzer und Reiter, die hier ihre Tiere eingestellt haben, sind glücklich, dass jetzt zwar kein Arbeitsende absehbar, aber ein neuer Mittelpunkt gefunden ist. In Rödermark dagegen sind die Menschen traurig, die Akzeptanz war nicht zuletzt dank der geschaffenen Leistung groß. Wilhelm Schöneberger etwa, über die Arbeit in der Leitbildkommission sehr gut mit der Ortsstruktur vertraut, bedauert den Wegzug sehr: „Es war ein ganz bedeutender Teil von Rödermark. Es ist auch ein irrsinniger Verlust an pädagogischem Know-How. Ich verstehe immer noch nicht, dass es nicht möglich war, Akita hier in Rödermark zu halten.“ Und ein älterer Herr bringt es beim Anblick einer der letzten Ausritte auf den Punkt: „Wir verlieren hier einen Teil unseres Ortes! Wir hatten hier gerade in Messenhausen bislang immer Pferde!“ Kontakt zum Hof „Akita“ und zum Verein für „Reitsport & therapeutisches Reiten Rödermark“: www.akita-verein.de, Tel.: 0152/29587868.

Quelle: op-online.de

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