Mehr Ruhe in der Robert-Bloch-Straße?

„Tempo 30 auf ganzer Strecke“

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Vorm Fenster von Willi Zoll dürfen die Autos noch mit 50 Stundenkilometern durch die Robert-Bloch-Straße fahren. Blickt er dagegen aus dem Hoftor nur ein paar Meter nach links, gilt Tempo 30.  

Urberach - Die Robert-Bloch-Straße ist knapp 400 Meter kurz und muss als Landesstraße den Verkehr in Fluss halten. Auf dem ersten Stück gilt Tempo 50, danach werden die Autos auf 30 Stundenkilometer herunter gebremst. Von Michael Löw 

Diese Höchstgeschwindigkeit fordert Anwohner Willi Zoll für die ganze Straße - der Verkehrssicherheit und der Nachtruhe wegen. Schließlich gelte auch in anderen Städten auf Landesstraßen Tempo 30.

Ende 2004 hat Willi Zoll den ersten Brief an Bürgermeister Alfons Maurer geschrieben und auf die zunehmende Verkehrsbelastung in der Robert-Bloch-Straße hingewiesen. Seit Eröffnung des Märktezentrums würden mehr Autos an seinem Haus vorbeifahren. Die Freigabe der Offenthaler Südumgehung vor gut einem Jahr habe die Situation nochmals verschlimmert. Abends und nachts werde regelrecht gerast. Willi Zoll berichtet von bis zu 90 Stundenkilometern. Das sei keine Schätzung lärmgeplagter Anwohner, sondern eine Zahl, die er auf der städtischen Geschwindigkeits-Messtafel gelesen habe. Sogar das Ordnungsamt räumt während der Nachstunden „deutlich zu hohe Messwerte“ ein - aber nur vereinzelt.

Abhilfe schafft nach Willi Zolls Ansicht nur Tempo 30, das seit Jahren schon auf den letzten 100 Metern der Robert-Bloch-Straße - vor der Einmündung der Wagnerstraße - gilt. „Aber da laufe ich immer gegen eine Wand“, klagt er. Die Stadt argumentiert, dass es sich bei der Robert-Bloch-Straße um eines Landesstraße handelt. Und da habe sie kaum Möglichkeiten, den Verkehr zu bremsen. Eine Höchstgeschwindigkeit unter 50 Stundenkilometern sei nur in Ausnahmen möglich - zum Beispiel durch eine Häufung von Unfällen. Das war in den neunziger Jahren der Fall, damals konnte die Stadt Tempo 30 auf dem betroffenen Teilstück durchsetzen.

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Diese Hartnäckigkeit wünscht sich Zoll, der 2000 in die Robert-Bloch-Straße zog, auch heute. Obertshausen und Seligenstadt hätten gezeigt, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen auch auf innerörtlichen Landesstraßen möglich seien.

Was bleibt den Anwohnern? Willi Zoll mahnt häufigere Radarkontrollen an - sowohl im Tempo-50-Stück als auch im Tempo-30-Teil, wo sie angeblich aus technischen Gründen (Messstrecke zu kurz) nicht möglich seien. Eine weitere Alternative seien versetzt angelegte Parkplätze, die Autofahrer zu einem Slalomkurs zwingen. Anwohner und Stadt hatten diese Überlegungen schon mit Kreidestrichen auf die Fahrbahn gemalt, doch nach den Protesten anderer Nachbarn verschwanden die Markierungen wieder.

Erster Stadtrat Jörg Rotter kann Willi Zoll wenig Hoffnung auf Besserung machen. „Auf einer Landesstraße muss kraft Gesetz Tempo 50 möglich sein. Die Stadt muss ihre Leistungsfähigkeit erhalten, damit der Verkehr fließen kann“, sagte der für das Ordnungsamt zuständige Dezernent gegenüber unserer Zeitung. Im oberen Teil - also da, wo die Familie Zoll wohnt - gebe es keine Häufung von Unfällen, die ein Tempolimit rechtfertigen. Für bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung fehle der Stadt außer der Zustimmung auch das das Geld.

Quelle: op-online.de

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