Die Rochade der Räume

Waldacker rückt enger zusammen

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Die Kita Amselstraße ist an vielen Stellen in Waldacker präsent. Kinder und Erzieherinnen haben zwei große Raupen gebastelt und mit Unterstützung der Quartiersgruppe in die bunte Blumenwiese am Ortseingang gesetzt.

Waldacker - Im 2800 Einwohner zählenden Stadtteil Waldacker gibt es nur drei öffentliche Einrichtungen. Die sollen künftig eng miteinander vernetzt werden, um zum Beispiel Raumnot im Kindergarten mit einem Platzüberangebot im Bürgertreff auszugleichen. Von Christine Ziesecke 

Die Kita platzt aus allen Nähten, die einstige Kinderwaldstadt ist tot, und der Bürgertreff im Herzen von Waldacker hat noch freie Kapazität. Diese drei Aussagen beschreiben die Probleme der drei wichtigsten öffentlichen Einrichtungen im derzeit eher ruhigen Stadtteil. Die Bestandsaufnahme ist aber zugleich Teil der Lösung. Denn die Kita Amselstraße eröffnet eine Wald-Gruppe, die ihr Zuhause auf dem einstigen Blockhüttengelände und ihre „Notaufnahme“, vor allem ihre mittägliche Kantine, im Bürgertreff haben wird. Die Stadtverwaltung hatte zu dieser Idee einen Perspektivplan bis 2027 entworfen, der Schritt für Schritt vorbereitet und abgearbeitet wird. Bei einer Stadtteilversammlung wurden jetzt vor allem Mitglieder der Quartiersgruppe und der Eltern-Kind-Gruppen, die derzeit im Bürgertreff zuhause sind, informiert.

In den drei wichtigsten öffentlichen Einrichtungen Waldackers beginnt demnächst eine Rochade der Räume - auch wenn einige nur aus ein paar Balken und Brettern bestehen: Der Kindergarten weicht mit einer Gruppe in die Waldstadt aus und nutzt zudem den Bürgertreff stärker.

Bürgermeister Roland Kern, Kita-Leiterin Ria Keller-Wettermann sowie Maria Schmitt-Küchler, Edith Itta und Sandra Seibert vom Fachbereich Jugend präsentierten ihre Vorstellungen und legten grobe Zeitrahmen offen. Grundlage des neuen Konstrukts ist ein für eine generationenübergreifende Belegung geeigneter Bürgertreff. Dieser offene Stadtteiltreff orientiert sich am Urberacher „SchillerHaus“ und ist ab Dezember für rund 30 Wochenstunden mit einer pädagogischen Fachkraft, einer Quartiersmanagerin oder einem -manager, besetzt. Die Tätigkeit überlappt sich einen Monat mit der derzeitigen Hausleitung.

Schrittweise werden im Bürgertreff geeignete Verhältnisse geschaffen, so etwa ein kindersicheres Außengelände, kindgerechte Garderoben, Wasch- und Toilettenräume sowie Mobiliar, um mittags gemeinsam mit Senioren hier essen zu können. Die im Laufe des nächsten Jahres neu zu gründende Waldgruppe der Kita wird – ausschließlich bei sehr schlechtem Wetter oder eben zum Essen – den hinteren Raum nicht länger als bis 14 Uhr nutzen, um danach den Seniorengruppen und anderen Gästen wieder mehr Platz im Bürgertreff zu lassen.

Für die Kita ist diese Zusammenarbeit in dieser Größenordnung zwar neu, doch auch bisher hatten die Kinder regen und gern gepflegten Kontakt zu den andern Bürgertreff-Nutzern wie etwa zur Demenzgruppe „Leuchtturm“ der AWO. Zulassungen, Betriebserlaubnisse und mehr holt die Stadt bei der Unteren Naturschutzbehörde und anderen Ämtern des Kreises Offenbach ein; bisher läuft alles vielversprechend. Eng soll weiterhin die Einbindung der Quartiersgruppe sein, deren Vorschläge über eine bereits konstituierte Kontaktgruppe eingebracht werden.

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Die Kinderwaldstadt auf dem einstigen Blockhüttengelände, die derzeit wieder den Kommunalen Betrieben Rödermark (KBR) untersteht, wird nach einigen Veränderungen die neue „Forscher-Kita Wald“ mit einer kleinen integrationstauglichen Gruppe und mit Halbtagesplätzen (7 bis 12.30 Uhr) und Zweidrittel-Plätzen (bis 14 Uhr) beherbergen. Die Pfadfinder der Freien evangelischen Gemeinde, die das riesige Gelände, das laut Unterer Naturschutzbehörde nicht eingezäunt werden darf, übernehmen wollten, haben sich wieder zurückgezogen. Das Projekt war ihnen zu groß.

Die Waldacker-Vision im Idealfall: Aus dem neuen Verbund entwickelt sich ein lebendiges Familienzentrum. Alle Aktivitäten, die bislang im Bürgertreff stattfanden, können und sollen möglichst optimiert fortgesetzt werden. Die Sorge, dass die Erwachsenen dann auf den 30 Zentimeter niedrigen Kinderstühlen sitzen müssen, wurde rasch genommen: „Alles eine Frage der Koordination!“ Das wird Bürgermeister Roland Kern allerdings im Sommer 2017 nur noch aus der Sicht eines Rentners genießen: „Ich freu mich schon auf den ersten Kaiserschmarrn im Kinder- und Seniorenrestaurant!“

Quelle: op-online.de

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