Lehrpfad will Besonderheiten der Rodau erklären

Rodau - ein Bach mit zwei Gesichtern

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Hier ist sie Bach, hier darf sie"s sein: Am Oberwiesenweg wurde die Rodau renaturiert und mäandert durch die Wiesen.

Rödermark - Die Rodau ist in den vergangenen 30 Jahren so sauber geworden, dass dort wieder Fische leben. Das ist die schöne Seite des Bachs, der unserer Region den Namen gab. In weiten Teilen des Stadtgebiets verläuft er unterirdisch oder zwischen Häusern.

Der Naturschutzbund will gemeinsam mit dem Heimat- und Geschichtsverein beide Gesichter der Rodau präsentieren. Die Rodau hat in Rödermark einiges zu bieten: 14 permanente und versiegende Quellen, die Speisung des Entenweihers, einen renaturierten Abschnitt, der Lebensraum für diverse Fische, Vögel, Kleinlebewesen und Pflanzen ist. Vier Mühlen standen einst an ihren Ufern, es gab Mühlenbäche, die heute fast alle zugeschüttet sind. In Ober-Roden nahm sie früher einen völlig anderen Verlauf. Sie floss durch die heutige Donau- und Rilkestraße. Und hinter dem TG-Sportplatz sonnten sich die Ober-Röder am Strand.

All das - Historie und Gegenwart - will eine Leitbildgruppe mittels eines Rodau-Lehrpfades von der Quelle bis zur Kläranlage erlebbar machen. Der Magistrat hat das Projekt zustimmend zur Kenntnis genommen. Wenn die Finanzierung gesichert ist, könnte es ab Mitte 2016 verwirklicht werden. Die Kosten schwanken zwischen 4000 und 8000 Euro - das hängt von der Qualität der 25 Infotafeln und Schilder ab.

„Der Lehrpfad ist eine gute Möglichkeit, die Rodau wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Darin sehen wir die Hauptaufgabe unserer Projektgruppe“, sagt Dr. Rüdiger Werner, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU). Außer ihm gehören noch seine Vorstandskollegin Verena Henschler als Patin und Katja Schäfer vom Heimat- und Geschichtsverein dazu. Überschneidungen gibt es mit den Arbeiten der Leitbildgruppen, die sich mit der Entwicklung der Ortskerne befassen. Werner und seine Mitstreiterinnen bleiben mit ihrem Lehrpfad realistisch. In der Leitbildgruppe wurden auch Luftschlösser wie ein Glasboden am Rathaus, wo die Rodau unsichtbar in Rohren fließt, oder die nahezu durchgehende Renaturierung des Bachlaufs diskutiert.

In Ober-Roden ist der Bachlauf zwischen Häuser eingezwängt - wenn er nicht sogar in Rohren unterirdisch verläuft.

Die kann sich die Schutzschirmkommune Rödermark trotz hoher Zuschüsse nicht leisten. Außerdem ist die Stadt nur Besitzer des Flussbetts und müsste die für eine Renaturierung nötigen Grundstücke kaufen oder sich die Erlaubnis zu einer langfristigen Nutzung holen. Zwischen Rödermarkring und Donaustraße müsste sie mit 20 Eigentümern verhandeln, auf dem Stück zwischen den Ober-Röder Kleingärten und der Gemarkungsgrenze gar mit 60 Eigentümern. Naturnäher darf die Rodau nach der Umgestaltung des Festplatzes in Ober-Roden fließen. Die Verwaltung prüft zudem, ob sie am Oberwiesenweg ein weiteres Stück Bachlauf durch die Wiesen mäandern lässt. Dazu müsste die Stadt Grundstücke von zwei Eigentümergemeinschaften kaufen, sagte Bürgermeister Roland Kern gestern.

Sollte dies gelingen, kann die Stadt bis Mitte Oktober einen Zuschussantrag beim Kreis stellen. Das Geld käme aus dem Topf der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgabe. Größter Vorteil des Wortungetüms: Es ermöglicht eine 100-Prozent-Finanzierung. Obwohl Rödermark in den vergangenen 30 Jahren kräftig gewachsen ist, ist die Rodau immer sauberer geworden. In ihrem Wasser tummeln sich mittlerweile vier Fischarten wie Stichling und Gründling sowie Bachflohkrebse. Der NABU hat bei einer Erkundung auch das Bachneunauge entdeckt - es sieht zwar aus wie ein Aal, gehört aber zur Gattung der Wirbeltiere. Das spricht für die Wasserqualität der Rodau: Der Naturschutzbund schätzt, dass das Bachneunauge nur in etwa 20 hessischen Bächen lebt. (lö)

Entenrennen auf der Rodau

Quelle: op-online.de

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