Wegen Schutzschirm-Vertrag

Angst vor dunklen Straßen und Einbrechern

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In der Jägerstraße und ihrer Umgebung gab es allein in diesem Jahr acht Einbrüche. Sollte die Beleuchtung in diesen ruhigen Seitenstraßen tatsächlich abgeschaltet werden, befürchten Anwohner eine Zunahme der Einbrüche.

Rödermark - In den Seitenstraßen werden die Straßenlampen ausgeschaltet, Licht brennt künftig nur noch an Hauptstraßen und Kreuzungen. Dieses Szenario wurde im Magistrat diskutiert, damit die Stadt ihre Verpflichtungen aus dem Schutzschirm-Vertrag mit dem Land erfüllen kann. Von Michael Löw 

Die Stadtverordnetenversammlung hatte im Dezember 2012 beschlossen, die Kosten für die Straßenbeleuchtung ab 2015 um 40 Prozent zu senken. Das soll bis zum angestrebten Haushaltsausgleich im Jahr 2018 130.000 Euro bringen. Die lautesten Proteste kommen aus Waldacker. „Das ist ein Einbruch-Förderungsprogramm“, schimpft ein Mann aus der Jägerstraße, der seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte. Bei ihm sei in den vergangenen Jahren drei Mal eingebrochen worden, zuletzt in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar. In der unmittelbaren Nachbarschaft - und die begrenzte der Mann im Gespräch mit unserer Zeitung auf einen 80-Meter-Radius - seien acht Hausbesitzer Opfer von Einbrechern geworden. Gehen in solch ruhigen Wohnvierteln die Straßenlampen aus, stehen die Ganoven Schlange.

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„Wir Bürger sind Einbrechern schutzlos ausgeliefert. Die gehen in alle Sorten von Häusern rein, da muss es nicht einmal nach Geld aussehen“, sagt das Dreifach-Opfer. Der Mann hat Türen und Fenster dick vergittert und eine Alarmanlage installiert. Das habe zwar den Wert einer Eigentumswohnung verschlungen, lasse seine Frau aber immer noch schlecht schlafen. Der Waldackerer fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen: Die Polizei rechtfertige fehlende Fahndungserfolge mit dem Hinweis auf organisierte ausländische Banden. Doch gehen ihr Serientäter ins Netz, entpuppen sich vermeintliche Profis als Dietzenbacher. Das Gerichtsverfahren gegen dieses Quartett sei aber eine Ausnahme. Meist stelle die Staatsanwaltschaft das Verfahren innerhalb kürzester Zeit ein. Nach dem Einbruch vom Februar habe es ganze drei Wochen gedauert, bis er dieses Schreiben im Briefkasten hatte.

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Die Polizei will offiziell keine Stellungnahme zu ausgeschalteten Straßenlampen und Einbrüchen abgeben. Ingbert Zacharias von der Pressestelle des Präsidiums Südosthessen erklärte aber auf Anfrage unserer Zeitung vielsagend: „Das lichtscheue Gesindel trägt seinen Namen zurecht!“ Jedem Hausbesitzer, der sein Grundstück sicherer machen will, rate die Polizei deshalb zu einer Lampe mit Bewegungsmelder. Im Gespräch mit der Quartiersgruppe Waldacker und dem Verein „Bürger für Sicherheit“ seien Beamte aus der Wache in Dietzenbach deutlicher geworden, sagte Vorsitzender Wolfgang Schaefer. Sie hielten die Reduzierung der Straßenbeleuchtung für gefährlich, es gebe eindeutige Zusammenhänge zwischen zwischen Helligkeit und Einbruchshäufigkeit. Dunkle Nebenstraßen, so Schaefer, beeinträchtigten unabhängig von Zahlen das subjektive Sicherheitsgefühl der Leute.

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Schaefer brachte ein weiteres Argument ins Feld. Er befürchtet Regressansprüche gegen die Stadt, wenn Radfahrer oder Fußgänger auf dunklen Straßen stürzen. Als erste Partei rückt jetzt die FDP vom Sparbeschluss ab. „Wir sind damals davon ausgegangen, dass dies durch den Austausch von Leuchtmitteln zu erreichen sei“, sagte Fraktionsvize Dr. Rüdiger Werner. Doch der Magistrat habe vorgerechnet, dass 130.000 Euro nur durch die Verdunkelung vieler Straßenzüge möglich ist. Eine objektive Verschlechterung ihrer persönlichen Sicherheit sei den Bürgern nicht zu vermitteln.

Quelle: op-online.de

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