Rödermark attraktiv für Mediziner?

Einschnitte bei hausärztlicher Versorgung befürchtet

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Symbolbild

Rödermark - Volle Wartezimmer, Behandlungen im Minutentakt, eine Praxis-Schließung und Gerüchte über das Ende einer weiteren Praxis: Patienten sorgen sich um die Qualität der medizinischen Versorgung. Von Michael Löw 

Diesen persönlichen Erfahrungen stehen offizielle Zahlen und Auskünfte gegenüber: Rödermark sei gut aufgestellt. Der Urberacher Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Dörr hat seine Praxis im Herbst 2015 geschlossen. Seither machen Gerüchte die Runde, dass angeblich ein weiterer Urberacher Hausarzt aufhört. Doch Dr. Dieter Knop, von dem die Rede ist, hatte schon vor einem halben Jahr Bürgermeister Roland Kern gegenüber versichert, dass an diesem Gerede nichts dran sei. Der Anruf unserer Zeitung gestern in der Praxis brachte das gleiche Ergebnis: „Uns wird es auch weiterhin geben.“ „Rödermark ist mit der ärztlichen Versorgung insgesamt gut aufgestellt“, sieht Kern keinen Grund zur Sorge und verweist auf das Ärztehaus im Breidert oder die Kinderärztin Dr. Sonja Weichbrodt, die vorigen Juli die Praxis von Dr. Jörg Ott übernahm. Die Stadt hatte ihr das Haus in der Töpferstraße verkauft.

Sie nutzt ihre - zugegeben - beschränkten Möglichkeiten, neue Ärzte nach Rödermark zu holen. Kern nennt drei Beispiele: Am 1. Februar gab der Magistrat grünes Licht für die Umwandlung eines ehemaligen Orthopädie-Geschäfts in der Konrad-Adenauer-Straße in eine Hausarztpraxis. Knapp zwei Wochen später beschloss die Stadtverordnetenversammlung den Verkauf eines fast 2000 Quadratmeter großen Grundstücks an den „Rennwiesen“, weil der neue Besitzer dort unter anderem eine Arztpraxis ansiedeln will. Und am Montag beschäftigt sich der Magistrat mit den Plänen für zwei zusätzliche Praxen am Spessartring in Urberach. Die Fachrichtung steht nach Auskunft des Bürgermeisters noch nicht fest.

Sozialdezernent Jörg Rotter will Medizinern grundsätzlich „Anreize liefern, sich in Rödermark niederzulassen“. Ein Denkmodell: Die Stadt kümmert sich um Räume, die sie an Ärzte vermietet, die neu ins Geschäft einsteigen. Das Eppertshäuser Vorbild lehnt Rotter aber ab. Dort hatte die Gemeinde für mehrere hunderttausend Euro ein Haus gekauft und an einen Arzt vermietet.

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Nach den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen ist Rödermark allenfalls zufriedenstellend mit Hausärzten versorgt: Ein Allgemeinmediziner - die KV nennt das einen „Sitz“ - betreut 1671 Patienten. Multipliziert man diese Zahl mit den elf im Stadtgebiet praktizierenden Hausärzten, sind statistisch nur knapp 18 400 Rödermärker versorgt. Dazu passt auch die Aussage der stellvertretenden KV-Sprecherin Petra Bendrich, dass im Planungsbezirk Rödermark, Rodgau, Heusenstamm, Dietzenbach und Obertshausen elf „Sitze“ neu vergeben werden müssen. Wie die sich auf die fünf Städte verteilen, gehe aus den Unterlagen nicht hervor, erläuterte Petra Bendrich.

Quelle: op-online.de

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