Fahrräder ohne Sorgen abstellen

60. 000 Euro vom Land für Rad-Parkplätze

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„Felgenklemmer“ heißen die Pseudo-Parkplätze vorm Rathaus in Ober-Roden. Deren Tage sind gezählt, wenn die Stadt mit dem Zuschuss des Landes die Fahrrad-Abstellanlagen modernisiert.  

Rödermark - Das Land überweist 60. 000 Euro für zeitgemäße Fahrrad-Parkplätze nach Rödermark. Klimaschutzmanager Jochen Bury diskutierte mit Viel- und Gelegenheitsradlern, wo die Stadt das Geld am sinnvollsten anlegen kann. Von Michael Löw

Manches Licht, aber auch reichlich Schatten: Das war das Ergebnis einer Testrunde mit Winfried Fischer, Bernward Bayer und Hanno Wirth vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) durch Rödermark. Unsere Zeitung hatte die drei Fachmänner begleitet. Vernichtend fiel ihr Urteil über die „Felgenklemmer“ aus, die unter anderem vorm Rathaus in Ober-Roden als Fahrrad-Parkplatz dienen: Beschädigungen seien vorprogrammiert, Schutz vor Dieben bieten die in 30 Zentimetern Höhe montierten Stahlkreise kaum. Gute Noten gaben die ADFC-Männer den Fahrradboxen an den Bahnhöfen und den 13 Stahlbügeln, die rund um die Halle Urberach verteilt sind.

Stahlbügel bieten einen guten Schutz vor Fahrraddieben. Doch auch das beste Schloss nutzt nichts, wenn Halbstarke Fahrräder beschädigen oder Teile klauen.  

Rund 600 solcher Bügel könnte die Stadt von den 60. 000 Euro Zuschuss, den sie vom Land für Fahrrad-Abstellanlagen erhält, aufstellen. Das sagte Klimaschutzmanager Jochen Bury am Mittwochabend bei einem Workshop von ADFC und Stadt. An den Bügeln stehen Fahrräder sicher, aber nicht wettergeschützt. Komfort ist aber eine Frage des Geldes: Mit Dach kostet so ein Bügel keine 100, sondern 1 000 Euro.

Überdachte Fahrrad-Parkplätze wird’s vorm Rathaus aus zwei Gründen nicht geben. Die Denkmalschutzbehörde lehnt jeden Anbau am alten Teil des Rathauses ab. Außerdem würde eine groß angelegte Fahrrad-Abstellanlage den Bürgersteig in der Dieburger Straße wegen des Behinderten-Parkplatzes zu sehr einengen. Joachim Weidmann, Vielradler aus Urberach, stand schon zweimal vor vollen „Felgenklemmern“ am Rathaus. „Die Zahl der Nutzer ist wohl viel größer als viele denken“, gab er zu bedenken. Sein Vorschlag: Die Damen am Empfang sollen eine Strichliste führen, wer mit welchem Fortbewegungsmittel zur Verwaltung kommt.

Die verschließbaren Fahrradboxen an den Bahnhöfen erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit. Wer in Ober-Roden eine mieten will, muss sich auf eine Warteliste setzen lassen und ein Jahr Geduld haben. Der ADFC-Vorsitzende Hanno Wirth fordert mehr von diesen komfortablen Garagen - besonders dort, wo Pendler ihre Fahrräder länger abstellen. „Wir brauchen keinen Luxus“, hielt Claus-Peter Mörchen dagegen. Er setzt auf Masse und führt den Bahnhof in Buchschlag als positives Beispiel an. Dort gibt es nach seiner Schätzung „hunderte von Bügeln“, und an denen stehen immer Fahrräder. Volle Abstellanlagen senden positive Signale an andere Radfahrer aus.

Originelle Fahrräder sind Trend

Mörchen plädierte beim Workshop dafür, Bügel dort zu installieren, wo viele Menschen gleichzeitig einen Parkplatz für ihr Rad suchen. Gleichrangig sind für ihn öffentliche Gebäude wie die Kulturhalle und private Immobilien wie das Kino. Die Stadt Frankfurt habe mit öffentlichem Geld 400 Fahrrad-Parkplätze vor einem Kinocenter gebaut.

Vieles spricht also dafür, dass die Stadt den 60 000-Euro-Zuschuss vor allem in diese Bügel investiert. SPD-Bürgermeisterkandidat Samuel Diekmann, der als einziger Kommunalpolitiker am Workshop teilnahm, regte einen speziell geformten Rödermark-Bügel an, den heimische Schlosser herstellen können. Das ist seiner Ansicht nach ein guter Ansatz lokaler Wirtschaftsförderung. Überraschende Antworten gab’s am Mittwochabend auf die Frage, wo Fahrräder jetzt schon sicher parken. Rudi Zischka brachte die katholischen Kirchen ins Gespräch: Die liegen zentral nur ein paar Schritte von allen öffentlichen Gebäuden entfernt und haben reichlich Platz. Claus-Peter Mörchen schließt sein Pedelec meist am Pfosten eines Halteverbot-Schildes an. Die stehen überall und würden überraschend oft auch von Autofahrern akzeptiert.

Quelle: op-online.de

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