Umbau kostet 20.000 Euro

Flache Übergänge, die Gehbehinderten das Leben leichter machen

Rödermark - Der Bauhof hat 26 Bordsteine auf eine Maximalhöhe von 2,5 Zentimetern abgesenkt. Damit sind fast alle öffentlichen Gebäude und viele Geschäfte für Rollstuhlfahrer ohne störende Schwellen erreichbar. Von Michael Löw 

 

Die Stadt setzte damit eine Forderung von Seniorenbeirat, Seniorenlotsen und Behindertengruppen um, knapp 20.000 Euro hat"s gekostet. Monika Bärwalde-Schneiders kann ihren parkinsonkranken Mann Jürgen Schneiders im Rollstuhl jetzt vergleichsweise bequem vom Breidert zur Kulturhalle, zum Rathaus und diversen Geschäften im Zentrum von Ober-Roden schieben. Wo vor wenigen Wochen hohe Bordsteine schwer überwindbare Hindernisse waren, fährt der Rollstuhl seit Kurzem ganz oder nahezu barrierefrei vom Bürgersteig auf die Straße und auf der anderen Seite wieder hoch.

Die Stadt hat an 26 Fußgängerüberwegen, Kreuzungen und Einmündungen die Bordsteine auf Null gesenkt beziehungsweise auf eine Minischwelle von zweieinhalb Zentimeter reduziert. Das kostete nach Auskunft von Bürgermeister Roland Kern pro Bordstein 750 Euro, zusammen also etwa 20.000 Euro. Die Caritas-Seniorenlotsen hatten in Testfahrten erkundet, auf welchen Strecken solche Absenkungen vonnöten sind. Rollstuhlfahrer können sich jetzt einfach mit dem Gesicht zur Fahrbahn hin über die Straße schieben lassen. Vorher mussten Begleiter den Rollstuhl nach hinten kippen und mit viel Kraft über das Hindernis wuchten. „Das ist immer gefährlich“, sagte die Urberacher Seniorenlotsin Gerda Höhle und spricht aus Erfahrung. 35 Jahre schob sie den Rollstuhl ihrer Tochter mühevoll durch die Stadt.

Ein barrierefreies Rödermark ist Heinz Weber, dem früheren Vorsitzenden des Seniorenbeirates, schon seit mehr als zehn Jahren ein Herzensanliegen. So richtig in Fahrt kam das Projekt aber durch eine Leitbild-Gruppe, deren Patenschaft er übernahm. Unterstützung erhielt er von Wolfgang Geiken-Weigt, bis zu seiner Pensionierung Leiter des städtischen Sozialdienstes, und seinen Seniorenlotsen. „Der Einsatz der beiden und ihre Hartnäckigkeit haben sich gelohnt“, lobt Kern. Zumal nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Rollatornutzer oder Eltern mit Kinderwagen vom Verschwinden der Kanten profitieren.

Mit Sehbehinderten auf Tandemtour

Ein Knackpunkt bleibt in Urberach die Zufahrt zum Märktezentrum. Beim Test im vorigen November wäre Helmut Lips" Elektrorollstuhl beinahe umgekippt. Wolfgang Geiken-Weigt hat die Missstände dokumentiert und an den Eigentümer des Geländes, einen Luxemburger Immobilienverwalter, geschickt. Auf eine Antwort wartet er seit Monaten vergebens. Jetzt hat sich auch OBI-Marktleiter Andreas Diederich eingeschaltet, um alten und behinderten Kunden das Einkaufen zu erleichtern. Auch die Stadt muss noch einige Hausaufgaben erledigen. Das Standesamt im Rathaus Ober-Roden liegt auf einer Zwischenetage, auf der der Aufzug nicht stoppt. Ein Treppenlift soll Abhilfe schaffen, versprachen Bürgermeister Kern und Erster Stadtrat Jörg Rotter. Ansprechpartner in Sachen Seniorenlotsen ist Wolfgang Geiken-Weigt, 06074/2155824 oder 0177/5884590, E-Mail wolfgang.geiken-weigt@cv-offenbach.de.

Quelle: op-online.de

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