Inklusion durch Kunst

Großes Werk aus kleinen Steinen

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Ein Maulwurf reckt auf dem Mosaik von Armin Dilcher seinen Kopf aus der Erde.  

Rödermark - Psychisch Kranke und Gesunde wollen mit einem Mosaik ein Baumrondell auf dem Häfnerplatz verschönern. Es ist das zweite Kunstwerk dieser Art, das unter Leitung von Sigrid Lang entsteht. Von Christine Ziesecke 

In der psychosozialen Tagesstätte der Diakonie, der „Brücke“ in Ober-Roden, traf sich Mosaikkünstlerin Sigrid Lang mit Besuchern und mit anderen handwerklich Interessierten zum Üben fürs nächste Aufhübschen des Häfnerplatzes. Nach dem züngelnden Feuer kommt nun die lebendige Erde in Form kleiner bunter Steinsplitter ins Zentrum von Urberach. Sigrid Lang arbeitet bei diesem neuerlichen Inklusionsprojekt wieder mit einer gemischten Gruppe aus psychisch kranken und gesunden Menschen, und sie weiß auch warum: „Ich glaube, ich habe einfach ein Geschick für diese Leute.“ Das Diakonische Werk, der Träger der Tagesstätte, war jedenfalls begeistert über ihr Angebot, nach dem ersten Ansatz im vorletzten Jahr nun weiter zu machen.

Immer freitags und samstags, jeweils drei Stunden lang, vermittelte Sigrid Lang den Teilnehmern ein Gefühl dafür, wie man mit Steinchen Motive legt, seine Phantasie spielen lässt, aber durch das Material doch recht eingeschränkt wird. Die Kunsthandwerker ohne und mit Handicap sind unter anderem Ilse Wolf, Armin Dilcher, Gero Brodala und Irma Kremer. Zwei sind schon bei der ersten Aktion dabei gewesen, die anderen betreten Neuland. Maria Blank-Schmidt, zum Beispiel staunt die über die Geschicklichkeit der Tagesstättenbesucher: „Ich finde, es ist teuflisch schwer, aber ich wollte es gerne einmal selber ausprobieren“, sagt sie und zupft an ihrem kleinen Mosaik-Schneckenhaus herum.

Bis acht Stunden am Tag mit Feuereifer dabei

Sigrid Lang hat mit ihrem handwerklichen Geschick und ihrer Kreativität versucht, die „Brücke“-Klienten für Mosaikarbeiten zu begeistern: „Und ich bin sehr erstaunt gewesen, wie lange diese Teilnehmer teilweise durchgehalten haben: bis zu acht Stunden am Stück waren sie mit Feuereifer bei der Sache“.

So entstanden schöne Mosaike, Kugeln, kleine Spiegel - alles zum eigenen Vergnügen und zur Übung. Das große Ziel: In den kommenden Tagen gestaltet diese gemischte Gruppe die zweite Bank rund um einen der Bäume auf dem Urberacher Häfnerplatz zum Hingucker. Finanziert wird auch die zweite Integrationsaktion über Sponsoren. „Hoffentlich klappen danach auch die beiden anderen beiden noch““, wünscht sich Sigrid Lang, die „Mutter des Projekts“. Voraussichtlich schon morgen kommt zur ersten Bank mit den flammend roten Feuermotiven die zweite, die Erdbank, „abgemauert“ mit dem typischen Sandstein, wie es Sigrid Lang nennt.

Dafür haben ihre Leute schon mal auf einzelnen Tafeln unterschiedlicher Werkstoffe viele kleine Tiere gestaltet: Schnecken, Würmchen, Falter. Haben die Künstler bei der ersten Rundbank ihre Namen verewigt, so sind es diesmal diese kleinen Tierchen, die dann an die Gestalter erinnern. „Schließlich wollen wir Abwechslung in unsere Kunst bringen.“ Unterstützer sind das Diakonische Werk Offenbach-Dreieich-Rödermark und die Stadt Rödermark sowie weitere Sponsoren. Parallel dazu wird Sigrid Lang im Juni auch in einer Ausstellung im Urberacher Rathausfenster für diese Kunstaktion ein paar Meter weiter werben.

Quelle: op-online.de

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