Stadt will an Schwankungen verdienen

Keine Angst vorm Anstieg der Zinsen

Rödermark - Die Stadt sichert sich mit so genannten Finanzderivaten gegen steigende Zinsen ab. Das spart in den nächsten beiden Jahren rund 480.000 Euro. Von Michael Löw 

Befürchtungen, das sei der Einstieg ins riskante Spekulationen, hat der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer durch intensive Recherchen entkräftet. Im November 2014 hatte der Magistrat das Zins- und Schuldenmanagement erstmals auf die Tagesordnung des Stadtparlaments setzen lassen. Sowohl die schwarz-grüne Mehrheit als auch die Opposition fühlten sich ob des schwierigen Themas überfordert. Auch die Verluste - überwiegend nordrheinwestfälischer - Städte durch Kredite in Fremdwährungen machte Stadtverordnete aller Fraktionen skeptisch gegen Swaps, Floors, Caps oder symethrische Risikoprofile: Die AL befasste sich in vier Sitzungen mit dem Zinsmanagement, die SPD präzisierte ihre Bedenken in einer Anfrage mit 22 Punkten. Ihr Fraktionsvorsitzender Armin Lauer ging auf Recherche in die Tiefen der Finanzmathematik.

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Worum geht's? Rödermark hat rund 64 Millionen Euro Kredite aufgenommen. 8,3 Millionen Euro entfallen auf die Kommunalen Betriebe. 30 Millionen Euro der Kredite sind variabel, die Hälfte davon finanziert Investitionen. Die Laufzeiten sind sehr lang - teilweise bis 2041 -, die Zinssätze schwanken zwischen 2,18 und 4,65 Prozent. Die Stadt zahlt dafür jährlich rund eine Million Euro Zinsen für ihre Schulden. Da die meisten Kredite variabel verzinst sind, ginge die Stadt angesichts des derzeit extrem niedrigen Zinsniveaus ohne Zinssicherungsgeschäfte ein großes Risiko ein. Durch sie sichert sich die Stadt nicht nur gegen steigende Zinsen ab, sondern verdient auch Geld: 217.500 Euro in diesem und 261.000 Euro im nächsten Jahr. Das entspricht de facto einer Entlastung von 25 Prozent.

„Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen und agieren auch nicht in Fremdwährungen“, versicherte Bürgermeister Roland Kern. Dennoch blieb in allen Fraktionen eine gehörige Portion Skepsis zurück. „Die vielen Fachbegriffe haben vielleicht doch den ein oder anderen Parlamentarier überfordert“, sagte Lauer. Manfred Rädlein (Freie Wähler) hält das Risiko zwar ebenfalls für überschaubar, will aber nicht die Stadtverordnetenversammlung haftbar machen. Denn die treffe nur eine Grundsatzentscheidung: „Wenn"s schief geht, war"s der Magistrat.“ Nach intensiver sachlicher Diskussion stimmte das Parlament am Dienstag mit großer Mehrheit zu. Tobias Kruger (FDP) lehnte die Zinsgeschäfte ab, Michael Baumer (AL) enthielt sich.

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Quelle: op-online.de

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