Personalsratsvorsitzender Kurt Vollmer beklagt Sparzwang

Personaldecke nur Flickenteppich

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Bläst nicht nur die Backen, sondern auch die roten Gewerkschafts-Luftballons für seine Kollegen auf: Personalratsvorsitzender Kurt Vollmer. Der 57-Jährige verteidigt die Rathaus-Mitarbeiter gegen überzogene Sparvorschläge der Politik oder Wirtschaft und streikt heute mit den Erzieherinnen für eine bessere Bezahlung für alle, die in Bildungsberufen tätig sind. 

Rödermark - Personal in den Rathäusern sparen - das ist eine der populärsten Politikerforderungen in Haushaltsreden. Schließlich gibt die Stadt für ihre 465 Mitarbeiter pro Jahr mehr als 14 Millionen Euro aus - das ist der zweitgrößte Brocken im Etat. Von Michael Löw 

Der Personalratsvorsitzende Kurt Vollmer sieht die Kollegen dagegen längst jenseits aller Belastungsgrenzen. Kommunale Betriebe, Bauverwaltung, Ordnungsamt oder Hallen: Quer durch alle städtischen Fachabteilungen gleicht die gern zitierte Personaldecke einem Flickenteppich, klagt Personalratsvorsitzender Kurt Vollmer. Drastischstes Beispiel ist seiner Ansicht nach der Bauhof, der innerhalb weniger Jahre von 45 auf 25 Mitarbeiter geschrumpft ist. Und die haben streng genommen nicht einmal einen richtigen Chef. Der Magistrat hat den langjährigen Leiter Walter Berghäuser aus der Rente zurückgeholt, nachdem sein Nachfolger den Dienst quittiert hat. Mit dem Abwasser-Spezialisten Hans Gerhold haben die Kommunalen Betriebe (KBR) einen zweiten Ruheständler reaktiviert.

„Zum Glück hat der Winter dieses Jahr nicht stattgefunden“, frohlockt Vollmer, dass in den KBR zumindest keine wetterbedingten Überstunden anfallen sind. Stellenstreichungen, kw-Vermerke (kann wegfallen), Rente, Langzeiterkrankungen: Die Folgen sehen die Bürger, wenn sie durch Grünanlagen spazieren oder sich auf Spielplätzen vergnügen. Das Gras wird seltener gemäht, die Papierkörbe quellen gelegentlich über.

Erfreute Parksünder und Schnellfahrer

Statt sechs tun derzeit nur drei Ordnungspolizisten Dienst. Laut Vollmer sind zwei Stellen nicht besetzt, ein städtischer Ordnungshüter ist schon seit sechs Monaten krank. Das freut allenfalls Parksünder und notorische Schnellfahrer. Insgesamt aber geht der Personalmangel zu Lasten der Sicherheit in Rödermark. Zumal die Stadtpolizisten immer häufiger Aufgaben der Landespolizei übernehmen: Sie regeln den Verkehr, wenn Ampeln nach Unfällen ausfallen, oder begleiten Mitarbeiter der Sozialamtes bei Wohnungsräumungen und Zwangseinweisungen.

Die Liste des (Personal-)Mangels lässt sich beliebig fortsetzen. Von sieben Vollzeit-Hausmeistern im Jahr 2014 sind laut Stellenplan vier übrig geblieben. Doch davon sind drei schon lange krank. Geht der einzige Gesunde in Urlaub, hat die Stadt niemanden mehr. In der Bauverwaltung fehlen Ingenieure, das geschrumpfte Badehaus-Personal schiebt laut Kurt Vollmer Dauer-Wochenenddienst: „Die Dienstpläne haben sich oft gleich nach dem Schreiben überholt!“

Seit Anfang des Jahres bezahlt die Stadt ihre knapp 140 Erzieherinnen eine Gehaltsstufe höher; S8 statt S6 heißt das entsprechende Tarifkürzel, das der Schutzschirm-Kommune Rödermark rund 200.000 Euro Mehrkosten pro Jahr und höhere Kita-Gebühren wert ist. Bei den Erzieherinnen ist die Freude jedoch getrübt. Denn innerhalb der einzelnen Gehaltsstufen gibt es verschiedene Unterstufen. Und die können die Kolleginnen nicht mit nach oben nehmen. „Das kostet je nach Dienstalter zwischen 62 und 210 Euro im Monat“, klagt Vollmer, stellt aber auch fest: Selbst wenn die Erhöhung niedriger ausfällt als erhofft, hat jede Kita-Mitarbeiterin mehr Geld auf dem Konto.

Dennoch sind in Rödermark sechs Erzieherinnenstellen unbesetzt. Andere Städte legen auf die S8-Einstufung noch Extras drauf. Diesen letztlich ruinösen Wettlauf will die Gewerkschaft Verdi beenden. Sie fordert die Gehaltsstufe S10 als Einstieg in alle Bildungsbberufe. Deshalb sind alle alle städtischen Kitas heute wegen Warnstreiks geschlossen. Und nicht nur Personalrat Kurt Vollmer steht mit den Erzieherinnen vor der Tür. Auch Bürgermeister Roland Kern hatte in einer Personalversammlung angekündigt, sich die rote Verdi-Weste überzustreifen.

„Wir ziehen mit dem Bürgermeister an einem Strang“, ist Vollmer froh, dass es zwischen „Management“ und „Betriebsrat“ kaum Differenzen gibt. Kern hatte schon in seiner Haushaltsrede am 24. Februar auf den „Aderlass“ beim Personal hingewiesen und ähnlich gravierende Beispiele aufgeführt. Zudem habe er zugesagt, freie Stellen auszuschreiben, „wo es brennt“. Die fehlenden Bauingenieure stehen laut Vollmer an erster Stelle.

Harsche Kritik übt der Personalrat am Gewerbeverein, der das Stadtparlament zu „unbequemen Maßnahmen“ - sprich: Stellenstreichungen - aufgefordert hat. „Das ist die neoliberale Sch... der FPD“, poltert Kurt Vollmer. Der Gewerbeverein sei immer ganz vorne dabei, wenn es um Ansprüche an die Stadt geht: ständig neue Veranstaltungen, ständig längere Öffnungszeiten. Das führe zu Arbeitseinsätzen und Überstunden - besonders im Ordnungsamt und beim Betriebshof. Vollmer: „Die Forderung nach stärkerem Personalabbau ist ein Angriff auf die Gesundheit der Mitarbeiter!“

Quelle: op-online.de

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