Rödermark soll sauberer werden

Verstärkung für die Müllpolizei

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Was haben Hausmüll, Reste von Holzschutzlasur und ein kaputter Staubsauger am Glascontainer verloren? Nichts! Rainer Reuling muss die Schweinerei dann wegräumen.

Rödermark - Der Mensch ist ein Ferkel. Diese ernüchternde Erfahrung macht Rainer Reuling immer wieder. Der Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe kämpft Tag für Tag gegen illegal abgekippten Müll. Bis zu vier Lkw-Ladungen kommen pro Schicht zusammen. Von Bernhard Pelka

Unterwegs mit der Müllpolizei. „Manchmal kotzt es mich an“, findet der 55-Jährige drastische Worte für die Sauerei, die er an fünf Tagen Tagen die Woche beseitigt. Zusammen mit seinem Kollegen Juan Ramirez leert Reuling gut 120 Papierkörbe an Straße, in Parks, auf Festplätzen. Das wäre ja nicht so schlimm. Eklig aber ist, was Müllsünder illegal neben den Papierkörben oder bevorzugt an Containerplätzen abladen.

„Hier ist alles drin. Von leeren Flaschen über Stromkabel bis zu Essensresten“, sagt Reuling und blickt angewidert in einen Müllsack am Glascontainer in der Odenwaldstraße. Eigentlich hat solcher Dreck dort nichts zu suchen, sondern gehörte in die Tonne für den Hausmüll. „Aber manche scheren sich eben nicht drum.“ Also liegen neben dem Sack mit unappetitlichem Inhalt noch ein alter Staubsauger, zwei Eimer mit Resten von Holzschutzlasur, zersplitterte Glasscheiben und Batterien. „Ganz schlimm wird’s, wenn die Glasscheiben zwischen die Container gestellt werden. Wenn die dann beim Leeren in die Höhe gehoben werden, zersplittert das Glas in 1000 Scherben. Und wir dürfen’s wegmachen.“

Wohlgemerkt: Rödermark ist keine ausnehmend dreckige Stadt. Aber weil die Müllsünden in letzter Zeit immer krasser werden, muss die Stadt jetzt einen weiteren Mitarbeiter für den Betriebshof einstellen. Der Neue soll die Müllpolizei verstärken. „Es ist ein Unding. Es geht so nicht mehr weiter“, beschreibt Erster Stadtrat Jörg Rotter die Lage an der Müll-Front. Dabei ist die Sauberkeit für Bürger ein zentrales Thema. Das hat zuletzt erst wieder die Umfrage unter Anwohnern des Ortskerns Ober-Roden gezeigt. 102 von 137 Teilnehmern sagten, ihnen sei die Sauberkeit mit das Wichtigste in ihrem Umfeld überhaupt.

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

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Reuling hat also eine bedeutende Aufgabe. Weiter im Müll-Lkw zur Rilkestraße. Dort türmen sich auf einem herkömmlichen Papierkorb gefüllte Einkaufstüten. Biomüll, Hausmüll, Windeln: alles steckt dort drin, was da nicht hin gehört. Der Fall dokumentiert eine weit verbreitete Unsitte: Um zuhause keine größere (und damit teurere) Mülltonne anschaffen zu müssen, wird der Hausmüll einfach heimlich auf städtische Papierkörbe verteilt – was verboten ist. Ein paar Straßen weiter sieht’s an einem Containerstandplatz aus wie bei Hempels unterm Sofa. Kaum zu glauben. Müllferkel haben sogar eine kaputte Mikrowelle angestellt.

Reuling verrichtet eine echte Sisyphusarbeit. „Sobald ich eine Stelle saubergemacht habe, weiß ich, dass sie übermorgen wieder genauso verdreckt ist.“ Manche Müllsünder werden aber geschnappt. Das ist dann meist einem Zufallsfund zu verdanken. Auf seiner Tour wühlt Reuling in einem Karton mit Altpapier, der nachts vorm geschlossenen Tor des Kompostplatzes in Messenhausen abgestellt wurde. Tatsächlich findet sich darin ein leerer Briefumschlag mit Adresse. Ist das der entscheidende Hinweis auf den Verursacher? „Das leite ich jetzt ans Ordnungsamt weiter. Die ermitteln dann“, beschreibt der tapfere Müllmann das weitere Verfahren.

Quelle: op-online.de

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