Unternehmen Chanty produziert für Damenwäsche

Viel Spitzen-Spitze aus Rödermark

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Rödermark - Spitze wird in BH und Blusen verarbeitet. Einer ihrer größten Hersteller produziert in Rödermark. Dafür setzt er Maschinen aus Obertshausen ein. Von Marc Kuhn 

Immer wieder hallt ein halblautes Klacken wie von einem Webstuhl durch die Hallen in Rödermark. Duzende feine Fäden werden wie mit Geisterhand in die Maschinen gezogen. Die Älteren von ihnen werden mit einer Kette gesteuert, wie Matthias Hartmann sagt. Auf diese Weise entsteht das Muster für die Spitze. Die weitaus meisten Maschinen werden jedoch vom Computer gelenkt. Gut 30 Stück stehen bei der Firma Chanty. Alle stammen von Karl Mayer aus Obertshausen. Chanty stellt hierauf Spitze für Damenwäsche her. Die Rödermärker sind eine der wenigen Firmen in Europa, die das Produkt weltweit ausliefern.

Hartmann spricht von einem guten Verhältnis zur Firma Karl Mayer. „Wir tauschen uns aus.“ Manchmal testet Chanty auch Maschinen für die Obertshausener. „Das ist ein ziemliches Unterfangen“, erklärt der Geschäftsführer. Schließlich wiegen die Maschinen bis zu 15 Tonnen. Mit ihnen wird Spitze produziert. Vorwiegend wird sie für Wäsche und Mieder genutzt - BH, Slips und Bodys. Der Grundstoff ist aus Polyamid. Eingewebt werden neben Polyamid auch Baumwolle oder Viskose. Die Maschinen laufen im Drei-Schicht-Betrieb, wie Vertriebsexpertin Renata Frascona erklärt. Die Produktion von Chanty-Spitze läuft vor allem in Rödermark. Zudem arbeite das Unternehmen mit drei Lohnbetrieben in Süd- und Ostdeutschland zusammen, erklärt Hartmann, „um Lieferzeiten zu gewährleisten“.

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Auf großen, bis zu drei Meter breiten Rollen wird die Spitze zum Färben gebracht. Danach wird sie in Rödermark zugeschnitten oder an die Kunden geliefert. Chanty produziert aber nicht nur, sondern entwickelt auch. Jedes halbe Jahr wird eine neue Kollektion vorgestellt. Sie umfasst bis zu 100 Muster. „Wir haben unendlich viele Möglichkeiten“, berichtet Hartmann. Das Archiv umfasse deutlich mehr als 10.000 Muster. Zurzeit arbeiten die Spezialisten schon an der Kollektion für 2017. Beim Umgang mit Kunden ist Fingerspitzengefühl angebracht. Sie wollten die Spitzen-Produkte bei größeren Serien in der Regel exklusiv haben, erläutert der Geschäftsführer.

„Wir exportieren weltweit“, sagt Hartmann. Rund 90 Prozent der Spitze aus Rödermark geht ins Ausland. Die fertige Wäsche kommt dann teilweise zurück nach Deutschland beziehungsweise Europa. Zu den Kunden zählen alle namhaften Unternehmen: Triumph, Felina, Naturana und Anita.

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Unter den Konkurrenten von Chanty hatte es einen Konzentrationsprozess gegeben. Übrig geblieben sei etwa eine Handvoll Firmen, sagt Hartmann. Konkurrenten gebe es in Asien, erklärt Frascona. Allerdings würden auch chinesische Wäschehersteller für den gehobenen Markt bei Chanty einkaufen, berichtet ihr Chef. Der Unternehmensberater hatte Chanty vor etwa 20 Jahren gekauft. Seine Firma, die seit über 50 Jahren am Markt ist, versteht sich in ihrem Qualitätssegment als einer der wichtigen Hersteller von Spitze weltweit. Etwa 90 Mitarbeiter stehen auf der Gehaltsliste. Zum Umsatz will sich der Inhaber von Chanty nicht äußern. Die Tendenz sei aber „sacht steigend“. Hartmann betont: „Unterwäsche ist ein schönes Produkt, das man sich leistet.“

2009 habe Chanty den Konkurrenten Corvett aus der Nähe von Paderborn übernommen, berichtet Hartmann. „Ein guter Name am Markt.“ Die Firma ist in Chanty in Rödermark integriert und die einstige Fertigung geschlossen worden. Auf diese Weise seien Marktanteile gewonnen worden, sagt der Geschäftsführer.

Neben der Spitze für Wäsche stellt Chanty auch solche für Oberbekleidung her. „Die Muster sind nicht ganz so zart“, berichtet Frascona. Darüber hinaus bieten die Rödermärker Spitze für Strumpfbänder an, auf die Silikon aufgebracht wird.

Quelle: op-online.de

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