Lkw gammelt vor sich hin

Schrottlaster lockt Umweltferkel

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Wo Dreck ist, kommt Dreck dazu: Auf der Ladefläche eines Schrott-Lkw in der Carl-Benz-Straße türmen sich Abfälle aller Art. Den roten Aufkleber zum Entfernen des Fahrzeugs hat das Ordnungsamt nur noch pro forma angebracht, denn einen Halter, der dieser Aufforderung nachkommen könnte, gibt es nicht mehr.

Urberach - Das Ordnungsamt lässt jedes Jahr mehr als 50 Autos abschleppen, die am Straßenrand vor sich hin rosten. Lastwagen mit einer Ladefläche voller Baustellenabfall sind zum Glück die Ausnahme. Von Michael Löw 

Seit fast einem Jahr gammelt ein Lastwagen voller Müll im Neubaugebiet „An den Rennwiesen“ vor sich hin. Inzwischen ist nicht nur die Ladefläche ein einziger Abfallhaufen, sondern auch der Boden rund um den Lkw. „Interessiert sich niemand für eine saubere Umwelt?“, fragt ein Leser der nicht mit Namen genannt werden will. Mehrere Beschwerden beim Ordnungsamt liefen seinen Angaben zufolge ins Leere, jetzt wandte sich der Mann an unsere Zeitung.

Mit giftiger Holzschutzlasur imprägnierte Zaunreste, Einwegpaletten, Fliesen, Hausmüll, gefüllte Farbeimer, Elektroschrott, Planen, zerbrochene Rigipsplatten: Die Ladung des grünen Siebeneinhalbtonners treibt jeden Müllwerker zur Weißglut, so durcheinander ist sie. Im Lauf der Zeit wurde der Dreck mehr und mehr. Ein Verputzer, der auf einer Baustelle in der Carl-Benz-Straße arbeitet, hat einen Handwerker beobachtet, der tagsüber einfach seinen Abfall dort hin brachte. Als er den Mann ansprach, bekam er nur ein paar böse Wort zu hören. Unrechtsbewusstsein? Fehlanzeige!

Schon lange Zeit kein TÜV mehr

TÜV hat der Lkw schon seit Juli keinen mehr. Früher einmal hat er einer Zimmerei aus dem Fränkischen gehört. Doch deren Firmenname samt Telefonnummern half dem Ordnungsamt ebenso wenig weiter wie ein OF-Nummernschild, sagte der für die öffentliche Ordnung zuständige Erste Stadtrat Jörg Rotter gestern bei einem Ortstermin gegenüber unserer Zeitung. Eine so genannte Halterabfrage beim Kraftfahrbundesamt lieferte am 5. Januar die Erklärung: Der Laster war auf eine Briefkastenfirma zugelassen, die ihren Sitz in einem Rödermärker Hotel hatte. Doch dieser windige Bauunternehmer ist längst pleite.

Immerhin kann die Stadt jetzt handeln. Rotter: „Wir lassen den Lkw noch diese Woche abschleppen und können ihn verkaufen.“ So bleibt der Steuerzahler wenigstens nicht auf den Beseitigungskosten von - grob geschätzt - zehn Kubikmetern wild gemischten Abfällen sitzen.

Der Urberacher Schrottlaster ist kein Einzelfall. 50 bis 60 Autos ohne Nummernschild und Versicherungsschutz muss die Stadt jedes Jahr von Straßenrändern oder anderen öffentlichen Flächen entfernen. Das kostet sie im besten Fall - wenn die Karre noch verkehrssicher ist - 250 oder 300 Euro. Sind Scheiben zerdeppert, Reifen platt gestochen oder Tanks leck, summieren sich diese Kosten schnell auf einen Tausender. „Besonders schlimm ist es, wenn so ein Auto am Waldrand steht und Motoröl verliert“, beschreibt Rotter die übelste Form illegaler Autoentsorgung. So etwas ruft noch die Untere Naturschutzbehörde auf den Plan.

Der Erste Stadtrat und auch seine Ordnungspolizisten können durchaus verstehen, dass Bürger sauer sind, wenn so ein Auto wochen- oder gar monatelang rumsteht. Doch auch bei vierrädrigem Schrott muss eine Behörde Fristen einhalten. Von Anbringen des roten Aufklebers „Aufforderung zur Entfernung eines Kraftfahrzeugs“ bis zum Abschleppen dauert"s eine sieben Tage.

Quelle: op-online.de

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