Mehr Geschäfte sollen nicht kommen: Klagt Aldi?

Rödermark will kein zweites Märktezentrum

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Ober-Roden - Wie viele Einkaufsmärkte und Discounter verträgt ein Gewerbegebiet? Stadt und Kreis lehnen die Ansiedlung eines Drogeriemarktes in der Senefelderstraße ab und riskieren damit einen Rechtsstreit mit Aldi. Von Michael Löw 

Nördlich des Rödermarkrings, am Beginn von Senefelder- und Odenwaldstraße, ist in den vergangenen Jahren ein kleines Märktezentrum entstanden. Die Vorteile liegen auf der Hand - zumindest für motorisierte Kunden: gut erreichbar, Parkplätze vor der Ladentür. Davon will auch die Rossmann-Kette profitieren und hat eine Tochtergesellschaft des Discounters Aldi mit dem Bau eines Drogeriemarktes beauftragt. Der Kreis hat die Bauvoranfrage jedoch abgelehnt, weil sich die Stadt Rödermark gegen noch mehr großflächigen Einzelhandel in diesem Gewerbegebiet ausgesprochen hatte. Gegen diese Entscheidung hat Aldi Widerspruch eingelegt, bestätigte Kreissprecherin Kordula Egenolf auf Anfrage unserer Zeitung.

Der Magistrat will verhindern, dass sich dort noch mehr Märkte konzentrierenen, sagte Bürgermeister Roland Kern im Bauausschuss. Das Gewerbegebiet soll Firmen außerhalb des Einzelhandels Platz lassen. Denn für die sind Grundstücke in Rödermark knapp. Eine Veränderungssperre soll die Ansiedlung weiterer Discounter oder Supermärkte nördlich des Rödermarkrings bremsen. Bürgermeister Kern geht davon aus, dass Aldi es nicht beim Widerspruch belässt und gegen den Kreis klagt. Dieses Verfahren würde Kern wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Frage aber durchziehen.

Rückendeckung bekommt der Verwaltungschef erwartungsgemäß von der schwarz-grünen Koalition. „Wir müssen genau überlegen, was in dieser Gemarkung wo möglich ist“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert im Ausschuss. Supermärkte und Discounter gehören in Sondernutzungs- und nicht in klassische Gewerbegebiete. Stefan Gerl (AL) befürchtet gravierende Nachteile für andere Einzelhandelsstandorte in Ober-Roden. Seine Sorge gilt dem Rewe-Markt, der von der Kapellenstraße aufs Gaswerk-Gelände in der Mainzer Straße umziehen will. „Seit der Schlecker-Pleite gibt es in Ober-Roden keinen Drogeriemarkt mehr. Der Bedarf ist da, und ein Markt mehr schadet am Rödermark-ring nicht“, hielt Dr. Rüdiger Werner (FDP) dagegen.

Welchen Lebensmittel-Ketten die Verbraucher vertrauen

Nach Auskunft von Bauamtsleiter Thomas Kron sind im Gewerbegebiet Odenwald- und Senefelderstraße schon rund 80 Prozent der Flächen mit Einzelhandel belegt. Der SPD-Stadtverordnete Norbert Schultheis warf daher die Frage auf, ob Stadt und Kreis wegen der übrigen 20 Prozent einen Rechtsstreit riskieren wollen. Julian Adler von Planungsbüro Fischer in Linden bescheinigt Rödermark im Großen und Ganzen „intakte Gewerbegebiete“, die nicht vom großflächigen Einzelhandel geprägt sind. Zugleich müsse sich die Stadt aber die Frage gefallen lassen, warum sich in diesem 1984 ausgewiesenen Gewerbegebiet nach und nach immer mehr Märkte angesiedelt hätten. Unsere Zeitung hatte auch Aldi-Süd in Mülheim um eine Stellungnahme gebeten. Doch die lag bis zum Redaktionsschluss nicht vor. Die Veränderungssperre für das Gewerbegebiet nördlich des Rödermarkrings ist am Dienstag, 21. Juli, Thema in der Stadtverordnetenversammlung. Die Sitzung in der Halle Urberach beginnt um 19.30 Uhr.

Quelle: op-online.de

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