Im Seewald-Gebiet

Schein-Kreisel erhitzt die Gemüter

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Der Verkehr im Wohngebiet wurde zum alles beherrschenden Thema beim Informationsnachmittag im Urberacher Seewald: Parkplatznot, zu hohe Geschwindigkeiten, zu viele Lkw und ein unvollendeter Kreisel standen im Mittelpunkt.

Urberach - Die Pläne fürs Gelände der im Sommer aufgegebenen Helene-Lange-Schule, die Sanierung der Kindergärten Lessing- und Liebigstraße sowie die Verkehrsbelastung waren die zentralen Themen eines Informationsnachmittags im Seewald-Gebiet. Von Christine Ziesecke 

Belächelt wurde dabei ein „Möchtegern-Kreisel“, der seit Monaten auf seine Vollendung wartet. Überraschend hohen Zuspruch fand die Versammlung der Bewohner des Urberacher Seewald-Gebietes im „SchillerHaus“. Gut 60 Bürger nutzten die Möglichkeit, sich aus erster Hand über anstehende Veränderungen informieren zu lassen und ohne Zeitzwänge ihre Wünsche, Anregungen und Nöte loszuwerden.

Bürger Roland Kern und Erster Stadtrat Jörg Rotter erläuterten, dass mehrere städtische Kindergärten dringend saniert werden müssen. Neben den Kitas Am Motzenbruch und Taubhaus trifft das auch die Einrichtung Lessingstraße im Seewald. Letztere macht den Anfang: Kinder und Erzieherinnen ziehen - nach den dort nötigen Umbauten - in die ehemalige Helene-Lange-Schule um, die aus der Trägerschaft des Kreises nun an die Stadt übergeht. Das ermöglicht unter anderem Synergien mit der Kita Liebigstraße direkt gegenüber.

Investor soll flach bauen

Auch wenn diese jungen Damen gar nicht so bekümmert aussehen: Sie nutzten die Möglichkeiten, ihre Fragen nicht öffentlich, sondern im Kummerkasten loszuwerden.

Das frei werdende Gelände in der Lessingstraße wird von der Stadt als Wohngrundstück verkauft. Der Investor soll flach bauen, beruhigten Kern und Rotter besorgte Frager. Mit den Einnahmen wollen sie die Sanierung der weiteren Kitas in Angriff nehmen. Zusätzlich soll auf dem im Juli aufgegebenen Schulgelände ein öffentlicher Spiel- und Freizeitplatz entstehen und der alte Pavillon sinnvoll genutzt werden. Die Fragen der Bürger zu diesen Veränderungen drehten sich vor allem um verkehrstechnische Probleme wie zusätzliche Anfahrten oder den vermehrten Parkplatzbedarf.

Das Thema Verkehr war an den vier Diskussions- und Arbeitstischen das größte Problem mit den meisten Beschwerden. Auf Zetteln hielten Mitarbeiter der Stadt rund 30 einzelne Anfragen und Klagen fest: zu hohes Tempo im Wohngebiet, zu wenig Kontrollen der Ordnungspolizei, schlechte Markierungen und generell zu wenigen Parkplätzen. Für Gelächter und Irritationen sorgte ein „Möchtegern-Kreisel“, wie Seewald-Bewohner weiße Farbe auf der Fahrbahn genannt haben. Vor Monaten schon hatten eifrige Mitarbeiter einer Markierungsfirma an der Ecke von Schiller- und Nikolaus-Schwarzkopf-Straße einen Kreisverkehr eingezeichnet. Doch die aus Kostengründen noch fehlenden Schilder und Kübel im Zentrum des Kreisels erlauben derzeit noch ein schnittiges Queren der Kreuzung. „Die Sparmaßnahmen der Abteilung Verkehr sind generell gut, aber hier vielleicht nicht ganz zu Ende gedacht“, schmunzelte der Bürgermeister und versprach rasche Abhilfe.

Generell hat der Magistrat die Wünsche und Beschwerden der Bürger sehr ernst genommen. Jeder einzelne Zettel wurde nochmals vorgelesen und auf seine Machbarkeit abgeklopft. Manche Wünsche sind in absehbarer Zeit erfüllbar, andere brauchen neue Konzepte. Im „SchillerHaus“ soll jedenfalls fortlaufend über den Stand der Bearbeitung unterrichtet werden; eine regelmäßige Bewohnerversammlung ist in Zukunft etwa jährlich vorgesehen. Einziges Manko der Veranstaltung: Auf den Zetteln, auf denen die Bürger sich zu Mithilfe bereit erklären oder und eigene Impulse eintragen konnten, herrschte große Leere. Vielleicht hätte die Stadt mögliche Teilhabe-Bereiche noch genauer beschreiben müssen.

Quelle: op-online.de

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