Renovierung war ein hartes Stück Arbeit

„Dinjer-Hof“: Schönebergers Schmuckstück

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Der „Dinjer-Hof“ ist eines der wenigen Gebäude im Kreis Offenbach, das am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden kann.

Ober-Roden - Der „Dinjer-Hof“ in der Pfarrgasse wird landauf, landab als Paradebeispiel privater Ortskern-Verschönerung gelobt. Neugierige können sich die renovierte Hofreite am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals anschauen. Von Michael Löw 

Einmachgläser und Fußball-Weltmeisterschaft: Mit diesen beiden Worten beschreibt Wilhelm Schöneberger den Beginn eines Renovierungs-Projektes, das in Rödermark seinesgleichen sucht. Im Juli 2006 schleppte er 50 gefüllte Einmachgläser aus dem Fachwerkhaus in der Pfarrgasse 7, in dem seine Großeltern Eva und Wilhelm Adam Tüncher bis in die achtziger Jahre gewohnt hatten.

Die Familie Tüncher - auf gut Oweräirerisch „Dinjer“ - gab dem Anwesen seinen Namen, der mittlerweile fast eine Marke ist: „Dinjer-Hof“. Er besteht aus zwei Häusern, Ställen, Scheunen und Schuppen. Das erste Haus wurde vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts gebaut. In seiner heutigen Form als eingeschossiges Fachwerkhaus mit tief herunter gezogenem Dach existiert es seit 1793. Schöneberger blätterte in diversen Chroniken und fand heraus, dass es schon als Schul-, Pfarr- und Schwesternhaus gedient hatte. Der „Dinjer-Hof“ hat die Postadresse Pfarrgasse 7-9. Im jüngeren Haus, dem mit der Nummer 9, begann Schöneberger mit der eigentlichen Renovierung.

Wilhelm Schöneberger hat natürlich auch die bäuerliche Vergangenheit seiner Groß- und Urgroßeltern dokumentiert.

Gerade in der Anfangszeit erlebte er manch böse Überraschung: Kaum hatte er das Dach abdecken lassen, wurde ihm klar, dass auch der Boden und viele Mauern entfernt werden mussten. Selbst einige 20 Zentimeter dicke Eichenbalken waren morsch. Wilhelm Schöneberger entkernte das Haus seiner Vorfahren so gründlich, dass monatelang nur noch das Fachwerkgerippe stand - verborgen unter einer großen Plane, die die letzten Lehmmauern vorm Regen schützte. Über Jahre fügte er das Puzzle Stück für Stück wieder zusammen. „200 Jahre wurde hier nix, aber auch gar nix weg geworfen“, sagt der Unternehmensberater. Was ihn zunächst ärgerte, war am Ende ein Glücksfall. Übrig gebliebene Balken vergangener Jahrhunderte konnten dort eingebaut werden, wo die ursprüngliche Holzkonstruktion verfault war. Türen, Möbel, Apfelweinfässer, Leiterwagen und steinerne Futtertröge fanden neue, meist dekorative Aufgaben.

Viele Veranstaltungen mit hunderten Besuchern

Der „Dinjer-Hof“ ist die Kulisse für Konzerte der Ober-Röder Musikvereine, des Jazzclubs und des Alternativen Zentrums. Die Kolpingsfamilie feiert Kerb, der Tischtennisclub DJK Fastnacht und manches Geburtstagskind einen „Runden“. Die Liste ließe sich noch eine Weile fortsetzen. Wilhelm Schöneberger hat die Genehmigung für Veranstaltungen mit mehreren hundert Besuchern.

„Was ich unterschätzt habe, ist die restriktive Gesetzgebung in Deutschland“, räumt er ein. Anfangs schaute der Denkmalschutz auf jeden Handgriff, später rückte die Sicherheit in den Mittelpunkt behördlichen Interesses. Rechtzeitig zum Tag des offenen Denkmals wurde der Fluchtweg von der Scheune in die Obergasse fertig: „Brechen Sie mal einen Notausgang in eine 60 Zentimeter dicke Natursteinmauer. Als Abstützung waren zwölf Sprieße nötig!“.

Trotz immer strengeren Auflagen verliert Wilhelm Schöneberger kein böses Wort über die Behörden. Im Gegenteil - die Zusammenarbeit mit den Ämtern sei immer konstruktiv gewesen.

Jetzt hat er den Verein „Freunde im Dinjer-Hof“ gegründet, der Kultur, Brauchtum und Feiern auf eine breitere Basis stellen soll. Denn außer viel Lob für die behutsame und den Denkmalschutz berücksichtigende Renovierung mit privatem Geld gibt’s keine öffentliche Unterstützung.

Quelle: op-online.de

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