Schottenabend in der Kulturhalle

Karierte Röcke und Whisky-Test

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Was wäre ein Schottenabend ohne Whisky? Entsprechend reger Andrang herrschte deshalb am Verkostungsstand des Eppertshäuser Profis René Arm.

Ober-Roden - Beim Schottenabend in der vollen Kulturhalle gab es wohl kein Schottenklischee, das nicht herzhaft bedient wurde. Aber es gibt wohl kaum einen Schottenabend, der dies je so witzig, intelligent und teilweise richtig anspruchsvoll getan hat. Von Christine Ziesecke

Man nehme dazu drei unerlässliche Zutaten: allerfeinsten schottischen Folk, dazu ein paar blitzgescheite und wirklich mit dem Land gut vertraute Humoristen, die auch negativen Klischees positiv vermitteln können, und natürlich Whisky (ohne „e“, denn es geht ja um schottischen und nicht um irischen) aus einer der 99 „offiziellen“ Brennereien. Hieran mangelte es ebenso wenig wie an anderem - in Worte gefassten - Geist. Für die Musik sorgte „Barluath“, eine Gruppe junger Instrumentalisten um eine gälische Sängerin, die in ihrer Heimat erst vor kurzem einen Nachwuchswettbewerb gewonnen hat. Die schottische Folkgruppe ist eigens für diesen, ihren ersten Auftritt in Deutschland nach Rödermark gekommen. Eine anderen Band hatte abgesagt, doch Dieter Oberfranz - für Musik und für Whisky an diesem Abend zuständig - hatte sich an „Barluath“ gewandt und mehr als Ersatz besorgt.

Kraftvoll und derb, dabei ausgesprochen geistvoll und witzig waren auch die Kabarettisten Mathias Tretter und Sven Kemmler, die ungemein erfrischend aus ihrem Leben in Schottland und von ihren Erfahrungen erzählten. „Das Haggis isst man auf der Insel drüben; kennt es dich, es wäre lieber Schaf geblieben!“ Die schottische Spezialität aus dem Magen eines Schafes, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett und Hafermehl gefüllt wird, konnten den gebürtigen Franken Mathias Tretter zwar nicht erschüttern, doch er konterte mit einer wunderbaren Bratwurst-Ode: „Es gibt keine Form von Wurst mehr, die mich erschrecken kann!“ Neben den Geschichten über Land und Leute, Sitten und Gebräuche der Schotten und vielen versteckten und deutlichen Pieksern Richtung „Groß-Frittanien“ luden die beiden Kabarettisten zu einer kleinen Whiskyprobe ein, mit der sie die Zuschauer im Saal lockten.

Die beiden Kabarettisten Mathias Tretter und Sven Kemmler im Schottenrock.

Wer hier zu kurz kam, musste nicht traurig sein. Denn im Foyer konnten sich die gut 400 Gäste überzeugen, ob ihnen nach so viel Theorie auf der Bühne nun in der Praxis eher Grain oder Rye, ob Bourbon oder Corn, ob Malt oder womöglich doch ein Whisky aus verschiedenen Sorten ihnen am besten schmeckt. René Arm, seines Zeichens „Lord of Jura Isand“, mit seinen Mitarbeitern aus dem Eppertshäuser Spezialgeschäft für Bruichladdich und Islay Whisky, machte es möglich. Zufrieden mit der guten Resonanz versprach AZ-Chef Lothar Rickert, der diese Veranstaltung mit dem Kulturhallenteam organisiert hatte, vielleicht schon im November ein Schotten-Festival zu arrangieren.

Quelle: op-online.de

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